Mifid II will Research-Berichte kostenpflichtig machen

Research-Abdeckung von Small Caps wird um 50 Prozent einbrechen

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Ein großer Teil der führenden Brokerhäuser in Deutschland rechnet mit tiefgreifenden Veränderungen im Wertpapier-Research, falls die von der EU vorgesehene Finanzmarktrichtlinie Mifid II geltendes Recht in Europa wird. So fasst die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) die Ergebnisse ihres jüngsten Roundtable zusammen. 

Vor allem das nach DVFA-Informationen geplante Verbot von kostenlosen Research-Leistungen, die die Regulierer als Zuwendungen betrachten, versetzte die Roundtable-Teilnehmer in Aufregung.

Worum es geht…

Denn Mifid II gestattet unabhängigen Beratern und Portfolio Managern nicht, für die Erbringung ihrer Dienstleistung monetäre oder nichtmonetäre Vorteile von Dritten anzunehmen. Dies betrifft auch Research, das Broker den Beratern und Asset Managern zur Verfügung stellen. Research kann künftig also nur noch gegen Bezahlung, entweder durch den Asset Manager selbst oder durch den Beratungskunden, bezogen werden. Dies werfe völlig ungeklärte Fragen der Verrechnung und Bewertung auf, so DVFA.

… und was das für Finanzberater, Vermögensverwalter und den Markt insgesamt bedeutet

Eine Befragung der Teilnehmer durch die DVFA ergab, dass fast zwei Drittel der Teilnehmer davon ausgehen, die Research-Abdeckung von Small Caps – Werte des SDax, Stoxx 200 Small und Unternehmen, die nicht in Auswahlindizes enthalten sind – werde mindestens um 30 Prozent zurückgehen. Knapp die Hälfte geht gar von einem Rückgang des Research-Universums von 50 Prozent oder mehr aus.

Auch die Kundenstruktur der Broker werde sich ändern, erwarten die Vertreter der Sell-Side-Analyse. So dürfte sich die Kundenzahl reduzieren und auf die großen Asset Manager konzentrieren. Kleinere Asset Manager könnten von Research-Leistungen abgeschnitten werden, und vor allem werde die Kundenprofitabilität noch stärker die Kundenstruktur bestimmen als bisher.

Chancen könnten sich dagegen für neue Anbieter von Analysen kleinerer Unternehmen bieten, die von den Unternehmen selbst in Auftrag gegeben werden.

Weniger eindeutig war das Meinungsbild etwa bei der Frage, wie sich die neuen Regeln auf die Börsengänge und die Kapitalaufnahme von Wachstumsunternehmen auswirken werde. In der Diskussion zeichnete sich aber ab, gerade kleinere Unternehmen würden, spätestens wenn der Börsengang vorbei sei, kaum noch von Analysten beobachtet und entsprechendes Research in Zukunft nicht erstellt.