Michael Held, Geschäftsführer von Terragon Investment GmbH

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Mikro- und Studentenwohnungen

Single-Wohnungen müssen auch barrierefrei sein

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Mikro- und Studentenapartments sind in letzter Zeit nachgefragt, und tatsächlich gibt es dafür derzeit einen großen Bedarf. Aber ist das auch langfristig so? Viele private und institutionelle Investoren kaufen Immobilien mit einem Zeithorizont von zehn oder zwanzig Jahren, manchmal sogar länger. Wird es dann noch einen so großen Bedarf an Mikro- und Studentenwohnungen geben? Zweifel sind erlaubt.

Dagegen gibt es schon heute – und auch langfristig – einen großen Bedarf an Single-Wohnungen. Damit sind 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen zwischen 30 und 50 Quadratmeter gemeint. Die Zahl der Singles steigt ständig, vor allem in den Großstädten. In Berlin beispielsweise sind 54 Prozent der Haushalte Single-Haushalte. Der Schwerpunkt der Nachfrage liegt hier bei 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen, manchmal auch bei 3-Zimmer-Wohnungen.

Zu selten stellen sich Investoren die Frage, wer die Singles denn sind und welche Ansprüche sie heute oder morgen an das Wohnen haben. Meist sind es entweder junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren oder ältere Menschen ab dem Rentenalter. In Deutschland leben 15,9 Millionen Menschen alleine. Davon sind 23,5 Prozent im Alter von 18 bis 34 Jahren, also im typischen Studentenalter. 33,3 Prozent sind 65 Jahre oder älter.

Zukunftsfähige Single-Wohnungen müssen idealerweise den Anforderungen dieser beiden sehr unterschiedlichen Gruppen entsprechen. Für beide Gruppen sind der öffentliche Nahverkehr oder Fahrradstellplätze wichtig, während die Zahl der Autonutzer bei jungen und alten Menschen unterdurchschnittlich ist.

Die Wohnungen müssen jedoch vor allem bezahlbar sein, denn sowohl die Jungen wie auch die Alten verfügen nur über begrenzte Budgets. Nicht die Quadratmetermiete ist dabei entscheidend, sondern das Mietbudget, also die Belastung des verfügbaren Einkommens durch Ausgaben für das Wohnen. Dafür sind diese Gruppen bereit, bei der Wohnungsgröße gewisse Abstriche zu machen – die jedoch andererseits nicht so weit gehen, dass dauerhaft Mikroapartments unter 25 qm akzeptiert würden.

Für die älteren Singles ist auch die Barrierefreiheit entscheidend. Das wird oft erheblich unterschätzt. Wichtig ist jedoch, dass eine barrierefreie Wohnung von der optischen Anmutung auf keinen Fall an ein Altersheim erinnern darf. Das ist auch nicht notwendig. Im Gegenteil. Heute ist es möglich, barrierefreie Wohnungen so zu bauen, dass sie ansprechend für jede Altersgruppe sind. Ein Bad mit bodengleicher Dusche ist nicht nur für ältere Menschen attraktiv, sondern spricht auch junge Menschen an. Andere wichtige Merkmale für die Barrierefreiheit sind beispielsweise Wohnungstüren mit ausreichender Breite oder ein Aufzug ohne Schwellen.

Nur solche Wohnungen sind dauerhaft zukunftsfähig und lassen sich auch noch in 20 oder 30 Jahren gut vermieten. Dass unsere Gesellschaft immer älter wird, ist eine banale Feststellung. Jeder weiß es. Und zunehmend beginnen private und institutionelle Investoren darauf zu achten, dass eine Wohnung, die sie heute erwerben, nicht nur in zwei, sondern auch in zwanzig Jahren vermietungsfähig ist.

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