Edda Schröder, Invest in Visions

Edda Schröder, Invest in Visions

Mikrofinanz: Stabile Erträge trotz Finanz- und Schuldenkrise

Die durch die Lehman-Pleite ausgelöste Finanzkrise sowie die Staatsschuldenkrise in Europa erschweren es privaten und institutionellen Investoren, Kapitalanlagen mit stabiler und stetiger Rendite zu finden. Weder Staatsanleihen noch Geldmarktinstrumente oder Aktien bieten Investoren zurzeit eine ausreichend gute Rendite bei überschaubarem Risiko. Dabei sind gerade in volatilen Finanzmarktzeiten Investments mit geringem Risiko als stabilisierendes Element für das Portfolio gefragt.

Doch ein besonderer Teil des Kreditmarktes zeigt sich, anders als von vielen Markteilnehmern erwartet,  von alldem weitestgehend unbeeindruckt: Der Mikrofinanzmarkt. Als Mikrofinanz gelten sehr kleine Kredite in wirtschaftlich unterentwickelten, armen Regionen. Kreditnehmer sind einfache Menschen, häufig Bauern oder Handwerker, die sich damit eine Existenz aufbauen. Dieser Sektor hat auch in den turbulenten vergangenen Jahren stetig positive Renditen erwirtschaftet bei niedriger Volatilität. 

Strenge Vergabekriterien – Kreditausfallraten unter 2 Prozent

Diese Kombination ergibt sich zum einen aus den strengen Vergabekriterien: Hier kommt es in erster Linie auf ein vielversprechendes Geschäftsmodell an. Wer fällige Kredite nicht zurückzahlt, bekommt in der Regel keine zweite Chance. Zum anderen spielen persönliche Kriterien bei der Vergabe eine große Rolle. Zum Beispiel sind der weit überwiegende Teil der Kreditnehmer Frauen, weil sich herausgestellt hat, dass diese in der Regel bei der Bedienung ihrer Kreditverpflichtungen zuverlässiger sind. Dies ist nicht zuletzt dadurch bedingt, dass  Frauen in vielen Entwicklungsländern für die Familie sorgen müssen, daher verantwortungsvoller mit den Krediten umgehen als Männer. Sie sehen den Kredit zudem als einmalige Chance, der Armut zu entkommen. Manche Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) vergeben keine Kredite an Einzelpersonen, sondern ausschließlich an Kollektive. Da hier das Prinzip „ alle für einen, einer für alle“ gilt, ist der gegenseitige Druck stark, den Verpflichtungen nachzukommen. Das Ergebnis ist eine äußerst geringe Kreditausfallrate von unter 2 Prozent. Das ist deutlich weniger als bei vergleichbaren Existenzgründungskrediten in Deutschland.

Mikrofinanzfonds refinanzieren MFIs durch den Kauf von unverbrieften Darlehensforderungen, den Kauf von Schuldverschreibungen oder in Einzelfällen auch von Aktien oder Anteilen an MFIs. Dadurch beteiligen sich die Mikrofinanzfonds an den Erträgen der MFIs. Sie korrelieren dadurch kaum mit Aktien oder Anleihen.  

Seit Oktober 2011 gibt es einen Mikrofinanzfonds nach deutschem Investmentrecht: den Invest in Visions Mikrofinance Fonds (ISIN DE000A1H44S3). Er investiert vornehmlich in mittelgroße Mikrofinanzinstitute und strebt eine durchschnittliche Rendite von 4 Prozent pro Jahr an. Dabei ist die Volatilität des Fonds durch die Anlage in zahlreiche Mikrofinanzinstitute unterschiedlicher Größe gering und liegt auf Basis der Erfahrungen mit gleichartigen Fonds bei unter einem Prozent. Die durchschnittlichen Renditen lagen in den vergangenen Jahren bei  3 bis 5 Prozent pro Jahr, bei einer durchschnittlichen Volatilität von 0,6 Prozent.

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