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Minen, Schmuck, Zentralbanken? In 7 Grafiken: Was den Goldpreis wirklich bestimmt

 | © Bloomberg

Das jährlich in Minen geschürfte Gold wirkt sich überhaupt nicht auf den Goldpreis aus ... © Bloomberg

Natürlich kann man es kompliziert machen. Kosten auseinanderpflücken, zu denen Minenunternehmen Gold aus der Erdkruste kratzen. Die nächsten Goldkäufe von Zentralbanken vorhersagen. Den Schutz beschwören, den Gold vor Inflation bietet. Aber erklärt das alles tatsächlich, warum sich der Goldpreis so bewegt, wie er sich bewegt? Nicht, nicht mehr.

Den Beleg liefert ein Vergleich von Goldpreis und den einzelnen Angebots- und Nachfragekomponenten (Grafik oben). Einen sichtbaren Zusammenhang gibt es nur mit einer Variablen: der Nachfrage nach börsengehandelten und physisch besicherten Goldanlagen. Allein die sechs größten Gold-ETFs (ETF steht für Exchange Traded Fund, börsen- gehandelter Fonds) bringen es auf umgerechnet 64,4 Milliarden Euro (Stand: 26. September 2016). Für alle Gold-ETFs zusammen sind als Sicherheit derzeit mehr als 2.000 Tonnen Gold eingelagert. Das ist fast die Hälfte der jährlichen Nachfrage weltweit. Nie zuvor war es so einfach, so viel Gold so schnell zu bewegen. Denn Anleger können die ETFs fast jederzeit handeln. Sämtliche neuen Zuflüsse wirken sich durch die hinterlegten Barren auf den echten Goldmarkt aus. Der Einwand, das sei alles nur Papiergold, zählt also nicht.

Eine zweite Grafik (oben) zeigt, wonach sich ETF-Anleger richten: nach dem realen Zins. Der ergibt sich, wenn man von einer Rendite die Inflation abzieht. Seit sich die ETF-Bestände im Gleichschritt mit dem Goldpreis bewegen, hat letzterer ein Verhältnis zum realen Zins. Allerdings entgegengesetzt: Wenn der Zins sinkt, steigt der Goldpreis und umgekehrt.

Auch in diesem Zusammenhang existiert derzeit eine Situation, die es noch nie über längere Zeit gab, seit Gold frei handelbar ist: Der Realzins liegt um den Nullpunkt. Damit muss man nicht mehr auf Zinsen verzichten, wenn man Gold kauft. Im Gegenteil: Angesichts neuerdings erhobener Strafzinsen auf Guthaben spart man sogar Kosten. Was früher Opportunitätskosten – also entgangene Gewinne – waren, sind heute quasi gesparte Ausgaben. Damit haben es die Zentralbanken tatsächlich geschafft, Gold zu einer verzinsten Anlage zu machen. Es trägt Früchte. Die Größe dieser Früchte richtet sich freilich nach der Höhe des Real- und Strafzinses, was den hohen Gleichlauf von Goldpreis und Zins erklärt.

Das bedeutet Zweierlei. Erstens: Wenn die Inflation steigt, senkt das bei konstanter Nominalrendite den Realzins und ist gut für den Goldpreis. Zweitens: Wenn das Renditeniveau steigt, drückt das den Goldpreis. Beides ist nicht neu, aber galt selten so direkt und unverzüglich.

Das alles ändert nichts daran, dass Gold für viele Anleger in erster Linie eine Versicherung gegen den Zusammenbruch des Finanzsystems ist. Und das bleibt es auch, denn es ist kaum anzunehmen, dass es für Menschen eines Tages gänzlich uninteressant wird. Allerdings stellt sich nun die Frage, wie sich die preisbestimmenden ETF-Anleger vor und nach so einem Gau verhalten. Werden sie vorher den Preis noch mal so richtig durch die Decke jagen und ihn danach sofort in der dann neuen Währung in den Boden stampfen? Schon möglich und schlecht für die anderen, die Gold im Garten vergraben haben und langwierig über einen Schalter verkaufen müssen. Oder sind ihre Guthaben vielleicht gesperrt, weil der Goldbesitz – mal wieder – verboten ist? Auch möglich und gut für einen stabilen Goldpreis. Zumindest werden sie aber nicht so weiterkaufen wie vor dem Gau. Es sei denn, die alte ausgediente Währung wurde durch eine neue, ebenso schwächliche ersetzt.

Gold schützte schon mehrfach bei Währungsschnitten und Inflation. Aber da gab es keine Gold-ETFs, und der Preis konnte nicht frei schwingen. Beim nächsten Mal sind wir klüger.

Die Kosten des anderen

Opportunitätskosten tauchen immer bei einer Qual der Wahl auf. Zum Beispiel bei der Samstagsfrage, ob Party oder Couch. Eine Party ist sicher lustig, bringt aber nicht die Entspannung der heimischen Couch. Ähnlich bei der Bundesliga-Konferenz: Man kann schlecht alle Spiele auf einmal sehen. Der Sender muss versuchen, die spannendsten Szenen auszuwählen. Im Extremfall sind die Opportunitätskosten ein in Echtzeit verpasster Elfer. Um Existenzen geht es in der Landwirtschaft. So schätzen Bauern mitunter vor der Saat mögliche Verkaufspreise und Wetterlagen ab. Opportunitätskosten entstehen, wenn eine andere Frucht besser gewesen wäre.

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