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Emea-Chefin von Allianz Global Investors „Mir ist es wichtig, die eigenen Werte und den Beruf in Einklang zu bringen“

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Man kann also nicht alles über einen Kamm scheren. Mifid wurde ja auch nicht gleich in allen EU-Ländern eingeführt. Noch einmal: Für uns zählt der Kunde. Wenn der Kunde einen bestimmten Nachhaltigkeitsansatz wünscht und dieser die nötige Tiefe und Skalierbarkeit hat, dann wollen wir ihm das auch anbieten können.

Wie sieht ein Ausschlussverfahren bei Ihnen aus?

Rupf Bee: Das ist unterschiedlich, oft ist es kundenabhängig. Niederländische Pensionsfonds etwa haben seit vielen Jahren dezidierte Vorgaben zu Ausschlusskriterien. Bei Publikumsfonds kommen die Vorgaben recht häufig vom Asset Manager selbst, aber sobald es um institutionelle Kunden geht, haben diese oft sehr konkrete Vorstellungen und Wünsche.

Gibt Allianz Global Investors Unternehmen Zeit, sauber zu werden?

Rupf Bee: Auch das ist ganz unterschiedlich. Wir führen dazu viele Gespräche, gerade vor dem Hintergrund der Energiekrise. Wird von heute auf morgen nicht mehr in die Gasproduktion und in die Pipelines investiert, so hat das Auswirkungen auf Menschen. Schauen Sie nach Großbritannien, dort explodieren die Gaspreise, das wird ein hartes Jahr für viele. Diese individuellen Auswirkungen muss man ebenfalls berücksichtigen. Neben ökologischen Zielen ist auch die Bekämpfung von Armut eines der 17 UN-Sustainable Development Goals, das nicht aus den Augen verloren werden sollte. Es bedarf also einer feinen Abstimmung, auch der Politik. Es ist ein Balanceakt: Klimaziele auf der einen Seite und die Auswirkung auf den einzelnen Menschen auf der anderen Seite.

Worin unterscheiden sich institutionelle Anleger aus Deutschland von solchen aus anderen europäischen Ländern, Großbritannien und den USA?

Rupf Bee: Ein Hauptunterschied zwischen vielen kontinentaleuropäischen Ländern auf der einen und dem angelsächsischen Raum auf der anderen Seite besteht in der Asset Allocation. In Großbritannien und vor allen den USA ist die strategische Aktienquote oftmals deutlich höher. So ist etwa in Deutschland vielfach eine 30/70er Mischung von Aktien zu Renten Standard. In den USA hingegen, wo die private Altersvorsorge über den Kapitalmarkt traditionell einen höheren Stellenwert einnimmt, sind häufig 60/40er Modelle gang und gäbe.


Welchen Bereich oder Nische in der Asset Allocation sehen Sie als besonders chancenreich an?

Rupf Bee: Die Aktiensegmente vieler Portfolien sind immer noch regional ausgerichtet, mitunter mit einem ausgeprägten Home Bias. Hier kann es ratsam sein, thematische Investments mit in den Blick zu nehmen. Thematische Investments knüpfen bei Allianz Global Investors an weltweit beobachtbaren, langfristigen Megatrends an – demografischer Wandel, Urbanisierung, Ressourcenknappheit oder technologischer Fortschritt. Sie ermöglichen Anlegern somit besser als regional ausgerichtete Fonds, an diesen Zukunftstrends teilzuhaben.