Mischfonds versprechen das Beste aus mehreren Welten: Aktien für Wachstum, Anleihen für Stabilität, manchmal Gold oder alternative Anlagen als Beimischung. Doch wie gut halten sie dieses Versprechen tatsächlich ein? Morningstar hat im Februar 2026 eine umfangreiche Analyse des Multi-Asset-Markts in Großbritannien und Europa vorgelegt – und die Ergebnisse sind ernüchternd für alle, die vor allem auf aktives Management setzen. Denn das entscheidende Kriterium für den Anlageerfolg ist demnach weniger die Fondsmanager-Kunst als vielmehr eine schlichte Zahl: die laufenden Kosten.

Günstig schlägt gut

Das zentrale Ergebnis der Morningstar-Studie in Kurzform: Wer wenig kostet, setzt sich eher durch. Über alle untersuchten Kategorien und Zeiträume hinweg zeigt das günstigste Kostenquintil - also die 20 Prozent Mischfonds mit den geringsten Kosten - einen anhaltenden Performancevorteil gegenüber teureren Wettbewerbern - sowohl in Großbritannien als auch Europa, wenngleich der Effekt auf dem Kontinent weniger ausgeprägt ist. Und dieser Vorteil spiegelt sich in den Mittelzuflüssen wider, besonders deutlich im britischen Markt.

In Großbritannien sind fast zwei Drittel der verwalteten Vermögen in die beiden günstigsten Kostenquintile geflossen. Rund 40 Prozent allein entfallen auf das günstigste Quintil. Europa holt bei den Zuflüssen in günstige Fonds zwar auf, aber das Tempo ist ein anderes. 

Dahinter stecken unterschiedliche Marktstrukturen: In Großbritannien hat die regulatorische Abschaffung von Provisionen im Rahmen der sogenannten Retail Distribution Review zum 31. Dezember 2012 den Kostendruck erheblich verstärkt. In vielen europäischen Märkten hingegen dominieren nach wie vor bankgestützte Vertriebswege, die tendenziell teurere Produkte bevorzugen. Eine Ausnahme bilden die Niederlande, wo Anleger Zugang zu sogenannten Clean Share Classes haben – Anteilsklassen, aus denen Retrozessionen herausgerechnet sind.

Die Gebühren sind über die Jahre insgesamt gesunken, allerdings hat sich das Tempo der Kostenreduktion zuletzt verlangsamt – besonders in Großbritannien, das von einem bereits niedrigeren Ausgangsniveau startete. Der Median-Kostensatz neu aufgelegter britischer Allokationsfonds fiel von 97 Basispunkten im Jahr 2016 auf 59 Basispunkte im Jahr 2025. Auf dem europäischen Kontinent verlief dieser Rückgang langsamer – von 146 auf 128 Basispunkte im selben Zeitraum.

An der Benchmark scheitern die meisten

So klar der Kostenvorteil günstiger Fonds ist, so deutlich zeigt die Studie auch die Schwäche des aktiven Managements im Mischfondsbereich: Die meisten Kategorien bleiben in ihrem Anlageergebnis hinter ihrer Benchmark zurück – also nach Abzug von Kosten. Diese Benchmarks sind konstruiert als kostenlose, reibungslose Konstrukte, die lediglich die typische Allokationsentscheidung der jeweiligen Kategorie abbilden – und dennoch stellen sie für die meisten aktiv gemanagten Produkte eine kaum überwindbare Hürde dar.

Die Gründe sind vielfältig: Neben dem wichtigen Punkt der Kosten spielen Abweichungen in der Asset-Allokation, Markt-Timing-Versuche und die Wertpapierauswahl eine Rolle. Gerade bei Fonds mit höherer Aktienquote – also aggressiven oder flexiblen Allokationsstrategien – sind die Underperformance-Lücken besonders ausgeprägt. Die Morningstar-Daten zeigen, dass selbst in einem Jahr wie 2025, in dem auch jenseits der großen US-Technologiewerte Überrendite möglich war, die Benchmark eine hohe Hürde blieb.

Anzeige
Glasfaserkabel
Defensive Kapitalanlage in turbulenten Zeiten
4 MegaForces treiben die Infrastruktur-Nachfrage
Aufgrund zunehmender globaler Nachfrage könnte der Einstieg in Infrastruktur-Anlagen aktuell lohnend sein, so die Analysten des BlackRock Investment Institute.
Jetzt lesen

Etwas besser schnitten vorsichtige Mischstrategien ab. Sie konnten ihre Benchmarks häufiger übertreffen – was Morningstar als Hinweis darauf wertet, dass die aktiven Manager vor allem im Anleihenbereich ihren Mehrwert ausspielen können, während bei Aktien die Titelauswahl und Allokationsentscheidungen herausfordernder seien.  

Defensive Fonds verlieren Anleger – trotz besserer Zahlen

Es ist eine der Paradoxien, die die Studie zutage fördert: Gerade die Fondskategorie, die relativ zur Benchmark am besten abschneidet, leidet am stärksten unter Mittelabflüssen. Vorsichtige Allokationsfonds – also Produkte mit begrenzter Aktienquote und hohem Anleihenanteil – haben in Europa seit 2021 massiv an Marktanteilen verloren. Das Gesamtvermögen der Morningstar-Kategorie „EUR Cautious Allocation“ (konservative Mischfonds in Euro) erreichte 2021 einen Höchststand von über 330 Milliarden Euro – seitdem verliert die Kategorie jedoch beständig Marktanteile gegenüber anderen Mischfondskategorien.

Anzeige
Glasfaserkabel
Defensive Kapitalanlage in turbulenten Zeiten
4 MegaForces treiben die Infrastruktur-Nachfrage
Aufgrund zunehmender globaler Nachfrage könnte der Einstieg in Infrastruktur-Anlagen aktuell lohnend sein, so die Analysten des BlackRock Investment Institute.
Jetzt lesen

Der Hintergrund: Der dramatische Anleihen-Einbruch des Jahres 2022, als Notenbanken weltweit die Zinsen in einem historisch beispiellosen Tempo anhoben, hat Narben hinterlassen, und diese Erfahrung sitzt offenbar noch immer tief. Stattdessen schichten Investoren in risikoreichere Mischstrategien um oder weichen direkt auf reine Anleihenprodukte aus, die in einem normalisierten Zinsumfeld wieder attraktive laufende Erträge bieten.

US-Aktien dominieren – und bringen Währungsrisiken

Ein weiterer struktureller Trend, den die Studie dokumentiert: Amerikanische Aktien haben in europäischen und britischen Mischfondsportfolios über die vergangenen Jahre immer mehr Gewicht bekommen. Allein im britischen Markt ist der durchschnittliche Anteil an US-Aktien in der Kategorie GBP Allocation 40–60% Equity (Mischfonds mit 40 - 60 Prozent Aktienanteil, in Britischen Pfund) über das vergangene Jahrzehnt deutlich gestiegen – zulasten britischer Heimatmarktpositionen.

Das hat jedoch eine Kehrseite: Mit steigenden US-Aktienquoten wächst auch das Währungsrisiko. Während Fremdwährungspositionen bei Anleihen standardmäßig abgesichert werden, lassen viele Manager ihre Aktienengagements unbesichert. Der US-Dollar hat 2025 jedoch an Wert verloren, was die Renditen europäischer und britischer Mischfonds dämpfte. Sein klassischer Sicherer-Hafen-Charakter in Krisenzeiten erwies sich zuletzt als weniger zuverlässig.

Gold, Dachfonds und Misch-ETFs

Erwähnenswert sind auch einige weitere Beobachtungen der Studie. Gold hatte 2025 ein außergewöhnlich starkes Jahr, befeuert durch anhaltende Zentralbankkäufe und geopolitische Unsicherheiten. Dennoch bleibt das Edelmetall für die meisten Mischfonds eine taktische Beimischung, ohne strategisch verankert zu sein. Ausnahmen bilden einige flexible Mischfonds wie der Flossbach von Storch Multiple Opportunities oder der DWS Concept Kaldemorgen, die stabile Goldpositionen von 7 bis über 10 Prozent halten.

In Großbritannien hat sich unterdessen der Dachfondsansatz als dominante Struktur im Mischfondsmarkt etabliert: Rund 63 Prozent der britischen Mischfondsgelder stecken mittlerweile in Dachfonds, ein deutlicher Anstieg gegenüber 44 Prozent vor einem Jahrzehnt. Besonders gefragt sind passiv ausgerichtete Dachfonds, die ihre Bausteine aus Indexfonds zusammensetzen. Auf dem europäischen Kontinent ist dieses Modell hingegen kaum verbreitet; dort dominieren Dachfonds mit aktiv gemanagten Zielfonds.

Im noch jungen Segment der Multi-Asset-ETFs hat Vanguard mit seiner Lifestrategy-Palette europaweit die meisten Gelder eingesammelt und verwaltet inzwischen fast 2 Milliarden Euro. Der Gesamtmarkt für Multi-Asset-ETFs in Europa bleibt mit gut 3 Milliarden Euro aber überschaubar – was Morningstar als ein Zeichen dafür nimmt, dass bankgestützte Vertriebsstrukturen und Provisionsanreize die Verbreitung kostengünstiger Produkte weiterhin bremsen.

Fazit: Der Markt belohnt günstige Produkte

Die Morningstar-Studie ergibt im Kern: Im Mischfondsmarkt sind es weniger spektakuläre Stockpicking-Leistungen oder taktische Allokationsentscheidungen, die langfristig den Unterschied machen – sondern die Kosten. Wer günstig ist, sammelt tendenziell mehr Geld ein und hat auch einen klaren Vorteil, andere aktive Konkurrenten zu übertreffen. Für Fondsanbieter bedeuten die Morningstar-Erkenntnisse: Der Druck zur Preisanpassung wird damit noch einmal unterfüttert.