Klaus-Dieter Erdmann

Klaus-Dieter Erdmann

Mischfonds im Mediengewitter

Nicht nur kritisieren – auch erklären

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Wie neueste Zahlen des Branchenverbandes BVI zeigen, befinden wir uns bei den Mittelzuflüssen in Publikums- und Spezialfonds in einem Rekordjahr. Vor allem Mischfonds verzeichnen hohe Zuflüsse. Dieses ist nicht weiter verwunderlich – suchen doch Anleger im aktuellen Niedrigzinsumfeld händeringend nach Alternativen zu Sparbuch und Festgeld.

Mit der erhöhten Nachfrage sowie der zunehmenden medialen Präsenz wächst natürlich auch die Zahl der Kritiker, die sich als Warner vor dem Einsatz von Mischfonds verstehen. Die vergangenen Monate lieferten ihnen dabei reichlich Munition: In Tageszeitungen wie dem Handelsblatt oder der Welt sowie in diversen Fachmagazinen konnte ich zahlreiche Artikel zu den eingetretenen Verlusten bei Mischfonds und vermögensverwaltenden Fonds lesen.

An dieser Stelle möchte – und muss – ich mich abermals wiederholen: Vermögensverwaltende Fonds sind keine eierlegenden Wollmilchsäue. Auch ihre Portfolios reagieren auf Kapitalmarktentwicklungen, und zwar grundsätzlich in beide Richtungen. Die Fondsmanager verstehen sich als aktive Risikomanager, um Verluste zu begrenzen. Dies ist aber immer im größeren Kontext zu bewerten. So haben einige Vermögensverwalter in die Abwärtsphasen im August hineingekauft und auf diese Weise ihre Liquidität verringert. Ob es also korrekt ist, jetzt fehlende Absicherungen zu kritisieren, oder ob es nicht doch besser wäre, die getroffenen Entscheidungen der Vermögensverwalter auf einen längerfristigen Horizont zu bewerten, überlasse ich Ihnen.

Worauf ich zudem aufmerksam machen möchte, ist die nun in vielen Medien fehlende Gegenüberstellung mit passiven Strategien und deren jüngste Wertentwicklung, die in Aufschwungsphasen so gern als Gegenposition zu den aktiven Mischfonds genannt wird. Gern präsentiere ich hier einen Auszug offensiver Fonds auf ETF-Basis im Vergleich zum MMD-Index Offensiv und zu einigen repräsentativen Aktienindizes:

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Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht nicht darum, die Performance der passiven Produkte zu kritisieren. Sondern darum, deutlich zu machen, dass den Vorteilen dieser Produkte – insbesondere die geringeren Kosten – auch Nachteile gegenüberstehen, nämlich höhere Schwankungen und die größeren Verluste in Abwärtsphasen. Für den Anleger, der sich dessen bewusst ist, sind diese Produkte sicherlich zur Streuung über „Assets, Köpfe und Stile“ eine gute Beimischung.

Leider wird in der Berichterstattung nur kritisiert, dass die vermögensverwaltenden Fonds nicht oder zu wenig abgesichert haben, die Verluste zu hoch sind, dass die Fonds keine Wunder bewirken und nicht das Allheilmittel sind. Kein Wunder, dass der Anleger sein Geld lieber auf dem Sparbuch hortet, wenn nicht gerade in diesen Phasen erklärt wird, dass Abschwünge zu den Kapitalmärkten dazugehören. Aber das kann dann in einem anderen Artikel ausgeführt werden, in dem man sich über die nicht erklärbaren Gründe wundert, warum der Anleger so investiert, wie er es tut...
 
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Anlageentscheidungen.

Ihr Klaus-Dieter Erdmann

Über den Autor: Klaus-Dieter Erdmann ist Gründer und Geschäftsführer der MMD Multi Manager GmbH in Arnsberg. Das Unternehmen hat sich auf die Analyse vermögensverwaltender Fonds spezialisiert und wertet mit Hilfe einer hauseigenen Datenbank kontinuierlich mehr als 1.500 Angebote dieser Produktkategorie aus. Für DER FONDS berichtet Erdmann alle zwei Wochen über neue Trends in der Vermögensverwalterfonds-Szene.

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