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Patrick Vogel: Der Co-Manager des Mainfirst Absolute Return Multi Asset (ISIN: LU0864714000) erklärt, was viele deutsche Sparer falsch machen. | © Mainfirst Asset Management

Mischfonds-Manager Patrick Vogel „Deutsche Sparer sind zu wenig risikobereit"

Der durchschnittliche deutsche Haushalt hat kein nennenswertes Nettovermögen aufgebaut – und das, obwohl die Deutschen ein im internationalen Vergleich hohes Einkommen und eine hohe Sparquote besitzen. Grund dafür ist eine mangelhafte Anlegerkultur. Dies wiederum ist Resultat von Ereignissen in der deutschen Geschichte, welche das Sparverhalten bis heute prägen.

Das Medianeinkommen der Haushalte in Deutschland betrug zuletzt laut Europäischer Zentralbank 35.500 Euro (2016). Das heißt, die Hälfte der Haushalte verdient mehr und die andere Hälfte weniger als diesen Betrag. Damit nehmen die Deutschen deutlich mehr ein als Franzosen (Medianeinkommen 30.500 Euro), Italiener (25.000), Spanier (24.000) und Griechen (17.600).

Mit 17 Prozent ist auch die Sparquote der Deutschen höher als die der meisten anderen Europäer. Beim Medianvermögen sieht es aber anders aus: Bei den Deutschen beträgt es 60.800 Euro. Griechen haben rund 4.000 Euro mehr angehäuft (65.100 Euro). In Frankreich (113.300), Italien (146.200) und Spanien (159.600) liegt das mittlere Vermögen der Haushalte zum Teil mehr als doppelt so hoch.

Spanische Haushalte haben mehr Vermögen

Es stellt sich die Frage: Was haben die Deutschen mit ihrer hohen Sparquote angestellt, wenn sie im Vermögensaufbau so hinterherhinken? Die Antwort ist simpel: Sie haben falsch gespart. Nach historischen Erfahrungen mit Kriegsenteignungen sparen sie bis heute lieber Geld auf dem Sparbuch an als in reale Vermögensgegenstände zu investieren und nehmen ungern Schulden für den Vermögensaufbau in Kauf.

Fatal daran: Insbesondere Aktien und Immobilien erzielen über längere Zeiträume hohe Wertsteigerungen. Die Deutschen sind zu wenig risikobereit. Das zeigt folgendes Beispiel: Hätte Otto Fürst von Bismarck 1870 jeweils eine Geldeinheit investiert, so hätte er 145 Jahre später am Geldmarkt 3 Einheiten besessen, am Anleihenmarkt 31 Einheiten. Mit Wohnimmobilien und Aktien wäre er aber ungleich reicher geworden: Er besäße inzwischen 7.296 beziehungsweise 8.106 Geldeinheiten.

Zahlen der Europäischen Zentralbank zeigen zudem, dass die mittleren 50 Prozent der Hausbesitzer in Europa mit 104.500 bis 360.600 Euro deutlich mehr Vermögen aufgebaut haben als Mieter, bei denen das Medianvermögen nur 8.900 Euro beträgt.

Aktienscheu verdrängt aussichtsreiche Anlagen

Wir brauchen eine Kehrtwende in der Anlegerkultur. Zielführend wären reale Vermögensgegenstände als wichtigste Bestandteile bei der Geldanlage. Mein Rat: Gerade in Zeiten von Eurokrise und stagnierendem Wachstum könnten Anleger mit globalen Aktien wachstumsstarker Firmen von strukturellen und langfristigen Trends profitieren. Vielversprechende Wachstumstitel sind etwa in Nordamerika und Asien zu finden, teils auch in Europa und Deutschland.

Zusätzlich sollten sich Sparer mit Immobilien für das Alter absichern, denn ein Eigenheim oder stabile Mieterträge können helfen, das Vermögen auch in Krisenzeiten zu wahren und zu mehren. In Zeiten der Stagnation können zudem Anleihen mit einer Verzinsung über der Inflationsrate das Portfolio ergänzen. Dies ist zumeist nicht bei europäischen Staatstiteln zu finden, sondern bei Unternehmensanleihen in Schwellenländern oder wachsenden Volkswirtschaften wie den USA oder Asien.

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