Barnaby Wiener arbeitet seit März 1998 für MFS und betreut dort neben dem mehrfach ausgezeichneten Mischfonds MFS Prudent Wealth unter anderem den 2016 aufgelegten MFS Prudent Capital. | © MFS Foto: MFS

Mischfondsmanager Barnaby Wiener

„Am liebsten schichten wir gar nicht um“

DAS INVESTMENT: Bitte erklären Sie Ihren Managementansatz beim Prudent Capital.

Barnaby Wiener: Wir streben einen attraktiven absoluten Ertrag an. Unser Konzept besteht aus zwei wichtigen Komponenten. Die erste ist der Anlageschwerpunkt der Strategie: Uns interessieren langfristig vielversprechende Aktien und Unternehmensanleihen, die Wertzuwachs erwarten lassen – eher auf Sicht von zehn Jahren als von einem Jahr.

Bei schwachen Märkten kann der Investitionsgrad deutlich gesenkt werden. Die zweite ist, dass wir das Kapital unserer Kunden so investieren, als sei es unser eigenes. Wir achten sehr genau auf Verlustrisiken, sowohl bei der Positionierung als auch bei der Auswahl der Anlageinstrumente. Wir denken mehr über die möglichen Fallstricke nach als darüber, was gut laufen könnte.

Die Wertentwicklung ist beeindruckend, vor allem im März. Wie waren Sie am Monatsanfang aufgestellt?

Wiener: Wir entschieden uns während des ganzen Jahres 2019 und auch Anfang 2020 für eine defensive Positionierung – aus zwei Gründen. Erstens hatte der MSCI World Index gegenüber seinem Hoch Ende 2018 zwar an Wert verloren, aber sowohl Aktien als auch Unternehmensanleihen waren im langfristigen Vergleich noch immer hoch bewertet. Zweitens erschien uns auch das Konjunkturrisiko recht hoch, das zu einem Platzen der Preisblase hätte führen können.

Anfang 2020 hatte sich daran nichts geändert, sodass wir weiter eine defensive Struktur bevorzugten: etwa 50 Prozent Aktien, 10 Prozent Unternehmensanleihen und 40 Prozent in geldmarkt- oder geldmarktnahen Anlagen und US-Staatsanleihen. Außerdem hatten wir Put-Optionen auf verschiedene Indizes gekauft, die das Risiko von Portfolioverlusten zusätzlich abfedern können.

Der Anteil an Geldmarktanlagen scheint sehr hoch. Ist das immer der Fall?

Wiener: Seit Auflegung 2016 war der Fonds im Durchschnitt zu 39 Prozent in Geldmarkt- oder geldmarktnahe Anlagen und in US-Staatsanleihen investiert. Die Quote lag immer zwischen 22 Prozent und 50 Prozent.

Wie haben Sie auf den Einbruch im März reagiert?

Wiener: Als langfristig orientierter Investor schichten wir das Portfolio am liebsten gar nicht um, aber in dieser Phase wichen wir davon ab. Die Volatilität war enorm hoch, sodass wir Chancen an den Aktien- und Unternehmensanleihemärkten nutzen konnten. Wir haben den Geldmarkt- und US-Staatsanleiheteil erstmals deutlich reduziert.

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