„Auch Gamer haben spezifische Risiken“, meint der Makler. Ein teurer Rechner, mit dem gewerblich gestreamt wird; Geld, das in ein Spiel investiert wurde; teure virtuelle Charaktere und hochpreisige Ausrüstung – was passiert, wenn der Anbieter eines solchen Spiels pleitegeht? Nicht alles lasse sich aktuell schon versichern. Neben Spezialpolicen für E-Sportvereine vermittelt Teßmann vor allem individuelle Angebote von spezialisierten Assekuradeuren.

Durch seine Tätigkeit in der Nische könne er Hobby und Beruf gut verbinden, sagt Teßmann: „Die Kundenakquise mache ich in meiner Freizeit.“ Beim privaten Zocken treffe er potenzielle Kunden. Auf der Streaming-Plattform Twitch halte er auch Vorträge über Versicherungsthemen. Den einen oder anderen Kunden habe er schon persönlich getroffen, etwa im Rahmen von Spiele-Conventions. Ansonsten verlaufe sein Kundenkontakt digital.

Platz 2: Die Sachverständige

Marie Christina Schröders arbeitet von Mallorca aus. Sie ist thematisch breit ausgebildet: Versicherungskauffrau, Studium der Versicherungswissenschaft, Vertrieb und Marketing, später Steuerrecht. Nach einem Abstecher zu einem Maklerunternehmen machte sie sich 2017 selbstständig. Ihr eigenes Unternehmen heißt – deutsch ausgesprochen – Safive. Schröders besitzt Erlaubnisse der Paragrafen 34c, 34d und 34i Gewerbeordnung, entsprechend groß ist ihr Dienstleistungsportfolio. „Ich bin während der Schwangerschaft und mit nur drei Kunden gestartet“, sagt die 36-Jährige über ihre Unternehmensgründung 2017. Mittlerweile türmten sich die Kundenanfragen. Mit Unterstützung von Werkstudenten bietet Schröders zudem Seminare an, für Kunden wie Maklerkollegen. In der Regel kommuniziert sie mit ihren Kunden digital, Seminare finden auch vor Ort auf Mallorca statt.

Schröders Spezialität sind sogenannte Finanzgutachten. Acht bis zehn Stunden benötige eine Bestandsaufnahme zur Lebens- und Finanzsituation sowie zu individuellen Wünschen von Kunden. Das Ergebnis gibt es in gedruckter Form: einen rund 60-seitigen gebundenen Bericht. Sie betrachte sehr individuelle Facetten, sagt Schröders. Patchwork-Familien etwa, komplizierte Erbschaften oder Fragen rund um Vorsorgevollmachten.

Die 350 Euro, die ein Gutachten bei ihr koste, seien wegen des hohen Zeitaufwands vor allem eine „Ernst-gemeint-Gebühr“. Wenn auch die Vorleistung finanziell wenig bringt, springt doch im Nachgang viel dabei heraus. Pro Kunde erhalte sie 2,3 neue Anfragen, hat Schröders gemessen. Ihre Kunden seien mittel- bis wohlsituiert. An einer Methode, die Einzelgutachten skalierbarer zu machen, arbeite sie allerdings noch.

Neben dem regulären, digitalen Austausch bietet Schröders zu besonderen Gelegenheiten auch Vor-Ort-Termine an. Dazu reist die Maklerin nicht mehr nur selbst nach Deutschland, sondern lädt auch nach Mallorca ein. „Das erschien mir zuerst wie eine Schnapsidee“, verrät sie. Gerade nach den Reiseeinschränkungen der Corona-Zeit hätten Kunden den Flug auf die Insel, finanziert durch das Maklerhaus, aber dankbar angenommen.

Schröders’ Tipp für Kollegen, die schon länger im Geschäft sind? Man solle sich in alle Richtungen austauschen. „Ich würde älteren Kollegen empfehlen, sich mit jüngeren zusammenzutun. Makler sollten bereit sein, voneinander zu profitieren.“