Susanne Woda von Merito Asset Management

Susanne Woda von Merito Asset Management

Mit Short-ETFs Aktienverluste absichern

Mit den beliebten ETFs (Exchange-Traded Funds, börsennotierte Indexfonds) investieren Anleger in Fonds, welche die Schwankungen eines zugrunde liegenden Index widerspiegeln. Demgegenüber folgen Short-ETFS den Entwicklungen in entgegengesetzter Richtung. Eine klare Spekulation auf fallende Kurse?

Mit Short-ETFs haben Privatanleger, die klassischerweise keinen Zugang zu Optionen oder Futures haben, eine kostengünstige und einfache Möglichkeit, ihre Aktiendepots gegen Kursverluste abzusichern. Dabei gilt es allerdings, einige Fallstricke zu umgehen. Die richtige Gewichtung und konsequente Strategie machen den Erfolg. Und die Fonds sind keinesfalls als Langfristinvestments geeignet.

Vorteile der ETFs


Die Beliebtheit von ETFs hat in den vergangenen Jahren rapide zugenommen und die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Funktionsweise ist einfach, mit den meisten ETFs lassen sich Indexentwicklungen eins zu eins nachvollziehen, ohne dass die Einzelwerte in aufwändiger Kleinstarbeit eingekauft werden müssen.

Im Gegensatz zu klassischen Fonds können sie jederzeit an der Börse gehandelt werden und erlauben damit eine schnelle Reaktion auf das aktuelle Marktgeschehen. Darüber hinaus weisen ETFs eine günstige Kostenstruktur auf. Für den Privatanleger sind sie die einfachste Möglichkeit ein breit gefächertes Portfolio zusammenzustellen.

Zum Anlagespektrum im ETF-Segment gehören auch Short-ETFs, welche die Entwicklung des entsprechenden Index vice versa aufweisen. Losgelöst betrachtet sind sie damit eine klare Spekulation auf fallende Kurse, zumal mittlerweile bis zu 8-fach gehebelte Produkte angeboten werden.

Als Absicherungsinstrument stellen Short-ETFs jedoch die einfachste Möglichkeit zum Ausgleich von Aktienverlusten dar. Der Kapitaleinsatz für die Absicherung kann überschaubar gehalten werden und der Anleger muss sich nicht mit komplizierten Berechnungen über mögliche Rückzahlungsszenarien bei Erreichen einer Kursschwelle - wie beispielsweise bei Reverse-Bonus-Zertifikaten - auseinandersetzen.

Achtung vor Besonderheit der Short-ETFs

Eine mathematische Besonderheit sollte dennoch beachtet werden, damit die Position nicht zur Enttäuschung wird. Der Short-Index spiegelt die tägliche umgekehrte prozentuale Entwicklung des Index wider. Vereinfacht dargestellt heißt das: Steigt der Index an einem Tag um 10 Prozent und fällt am nächsten Tag wieder auf sein Ausgangsniveau um 9,1 Prozent zurück, hat sich im Index kein Gewinn oder Verlust ergeben.

Die Short-Position jedoch liegt im Minus, da der Verlust mit 10 Prozent und der Gewinn nur mit 9,1 Prozent zu Buche schlägt. Über reinen längeren Zeitraum können so massive Abweichungen entstehen, besonders wenn kein eindeutiger Abwärtstrend vorliegt.

Die Effizienz der Absicherung hängt von der richtigen Gewichtung im Portfolio ab. Eine Übersicherung kann zu empfindlichen Verlusten bei steigenden Kursen führen, die durch die Aktienpositionen nicht ausgeglichen werden.

Darüber hinaus spielt auch die richtige Wahl eines zum Portfolio passenden Index eine Rolle. Wer sein Depot mit US-Titeln aufgebaut hat, wird in einem ETF auf den Short-Dax keine 100-prozentige Absicherung erreichen. Zwar ist die Korrelation zwischen Dax und S&P 500 hoch, liegt aber doch nur bei 91 Prozent. Bei marktübergreifenden Ereignissen, wie der Finanzkrise, hätte aber auch diese Strategie in der Vergangenheit massive Verluste vermeiden können.

Zur Orientierung für den Aufbau einer Absicherungsposition kann die 200-Tage-Linie genutzt werden. Schneidet der Indexverlauf diesen langfristigen Durchschnitt nach unten, können Absicherungspositionen aufgebaut und beim umgekehrten Verlauf abgebaut werden.

Der Vorteil gegenüber der bloßen Glattstellung der Aktienpositionen: Geht die Strategie auf, weist die Short-Position einen Gewinn aus. So kann ein höherer Betrag zum Wiedereinstieg genutzt werden.

Short-ETFs eröffnen Anlegers sowohl die Möglichkeit zur Spekulation als auch zur Unterstützung einer konservativen Aktienstrategie. Es bleibt am Ende jedem selbst überlassen, welche Anlageziele umgesetzt werden sollen.

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