Wenn es darum geht, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, setzen acht von zehn Betrieben im Mittelstand auf die Betriebsrente mit einer finanziellen Arbeitgeberkomponente. Das zeigt die aktuelle Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2023“ von Generali Deutschland und F.A.Z. Business Media. Die seit 2012 veröffentliche Studienreihe basiert auf einer jährlichen Forsa-Umfrage unter 200 Personalverantwortlichen in deutschen mittelständischen Unternehmen.

Seit Januar 2022 schreibt das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) Arbeitgebern vor, einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent zu jeder bAV zu zahlen. Damit geben sie das Geld, das sie an Sozialversicherungen des Arbeitnehmers einsparen, an diesen weiter. Viele Arbeitgeber steuern auch mehr als den Mindestzuschuss zur bAV ihrer Belegschaft bei.

Jedoch sind laut Studie nur die wenigsten Arbeitgeber bereit, die bAV ihrer Beschäftigten komplett selbst zu bezahlen. Rund acht von zehn Betrieben ziehen eine bAV mit einem gemischten Finanzierungsmodell vor. Damit widersprechen die Ergebnisse der Generali-Studie denen des „bAV-Atlas 2023“ des Versicherungsmaklers Funk. Gemäß der Funk-Auswertung übernehmen ganze 70 Prozent der Arbeitgeber die bAV-Beiträge der Belegschaft komplett. Allerdings war die Funk-Studie weniger breit angelegt: Es wurden lediglich 150 Versorgungspläne untersucht. Dabei beschränkten sich die Forscher zudem auf Versorgungskonzepte, bei denen der Arbeitgeber einen signifikanten Eigenbeitrag aufbringt.

Hinterbliebenenversorgung und BU-Schutz erhöhen Attraktivität

Fast jeder zweite Mittelständler ist davon überzeugt, dass eine bAV mit einer Zusatzkomponente für die Hinterbliebenenversorgung junge Talente gewinnen und im Betrieb halten kann. Insgesamt zählen jeweils drei Viertel der Befragten eine Hinterbliebenenabsicherung und eine Berufsunfähigkeits- beziehungsweise Invaliditätsabsicherung zu den Zusatzleistungen, die ein erfolgreiches bAV-Modell enthalten sollte.

Damit eine Hinterbliebenenversorgung als Komponente eines bAV-Produkts bei den Mitarbeitern punktet, muss sie nach Ansicht der Experten eine Auswahl zwischen mehreren Auszahlungsoptionen, eine Beitragsrückerstattung im Todesfall vor Rentenbeginn, vereinfachte Aufnahmemöglichkeiten und günstigere Beiträge für Versicherte über eine Kollektivversicherung enthalten.

Wie in vielen anderen Versicherungsbereichen auch, hält die Digitalisierung zunehmend Einzug in die bAV. Insgesamt wenden 83 Prozent der befragten Betriebe mindestens eine digitale Anwendung für das eigene bAV-Modell an, nur 17 Prozent verzichten noch komplett auf eine digitale bAV-Verwaltung.

 

Inflation verhagelt das bAV-Geschäft

Die meisten der befragten Mittelständler (66 Prozent) gehen davon aus, dass die aktuell hohe Inflation eine größere Zurückhaltung der Beschäftigten bei der Entgeltumwandlung nach sich ziehen wird. Dies trifft insbesondere auf die Entgeltumwandlung ohne Arbeitgeberzuschuss zu. Die Nachfrage nach Konzepten, bei denen sich der Arbeitgeber nicht über die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge hinaus beteiligt, brach laut Studie bereits in diesem Jahr ein.

Obwohl die meisten Arbeitgeber eine bAV anbieten, kommt die Marktdurchdringung der bAV im Mittelstand derzeit nicht wirklich voran. Die befragten Experten beziffern den Anteil des Topmanagements, der mindestens ein bAV-Angebot nutzt, im Schnitt mit 56 Prozent. Das ist ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr.

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Im mittleren Management liegt die Marktdurchdringung bei 44,7 Prozent, nach 48,1 Prozent im Vorjahr. Von den Mitarbeitern nutzen lediglich 39,8 Prozent mindestens ein bAV-Angebot – das sind 1,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

„Wie schon bei der Entgeltumwandlung schlägt sich die wirtschaftliche Krise, gemessen an der Marktdurchdringung der bAV, in der Industrie deutlich stärker nieder als in Dienstleistungsbetrieben“, schreiben die Studienautoren. Auf allen Hierarchieebenen weisen Dienstleister eine höhere Marktdurchdringung auf als Betriebe in der Industrie.

Generlali

Direktversicherung am beliebtesten

Die Direktversicherung bleibt der dominierende Durchführungsweg der bAV im Mittelstand. Im Durchschnitt bieten Dienstleistungsbetriebe mehr Durchführungswege als Industriebetriebe an. So geben unter den bAV-Experten in kleineren, mittleren und größeren Betrieben jeweils zwischen 83 und 87 Prozent der Befragten an, ihr Unternehmen biete den Beschäftigten eine Direktversicherung an.

Die anderen Durchführungswege spielen vor allem in größeren Betrieben mit 250 bis 500 Mitarbeitern eine Rolle. So nutzen 59 Prozent der größeren Betriebe eine Pensionskasse, aber nur 40 Prozent der kleineren und 42 Prozent der mittleren Betriebe. Ähnlich sieht es bei der Direktzusage (33 Prozent größere Betriebe), der Unterstützungskasse (36 Prozent) und der branchen- beziehungsweise tarifvertraglichen Versorgung (33 Prozent) aus.

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Versicherer vor Maklern

Mehr als 80 Prozent der Betriebe im Mittelstand arbeiten mit der Versicherungswirtschaft zusammen, wenn es um bAV-Produkte geht. Etwa halb so viele Betriebe arbeiten mit Versicherungsmaklern zusammen (41 Prozent). „Hier besteht häufig die Konstellation, dass Unternehmen ihren Versicherungsanbieter über einen Versicherungsmakler kennengelernt haben“, schreiben die Forscher.

Wie häufig Mittelständler mit Versicherungsmaklern zusammenarbeiten, hängt laut Studie von der Unternehmensgröße ab. Demnach kooperiert eine Mehrheit der größeren Betriebe mit Versicherungsmaklern (54 Prozent). Bei kleineren und mittleren Betrieben fallen diese Anteile mit 39 Prozent beziehungsweise 36 Prozent deutlich kleiner aus.

An dritter Stelle landen Pensionskassen als Kooperationspartner mit 32 Prozent. Dahinter folgen branchen- und tarifvertragliche Versorgungswerke (14 Prozent), Kreditinstitute (10 Prozent), Versorgungswerke anderer Unternehmen (7 Prozent), Beratungsgesellschaften (6 Prozent), sonstige Finanzdienstleister (5 Prozent) und IT-Dienstleister (1 Prozent).

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 bAV hinter Weiterbildung

Im Ranking der am häufigsten eingesetzten Instrumente zur Mitarbeiterbindung landet die bAV mit 80 Prozent auf Rang 2. Lediglich die Weiterbildung ist laut der aktuellen Befragung noch beliebter: 85 Prozent der befragten Mittelständler setzen diese ein. Es folgen ein flexibles Arbeitszeitenmodell (76 Prozent) und Karrierechancen (74 Prozent). Höheres Gehalt landet zusammen mit Homeoffice mit jeweils 68 Prozent auf Rang 5.

Anders sieht es bei der wahrgenommenen Wirkung dieser Instrumente aus. Hier führen Entscheidungsspielräume in Sachen Arbeitszeit und Tätigkeit das Ranking an, gefolgt von höherem Gehalt. Die bAV mit Arbeitgeberbeteiligung landet erst auf Platz 10. Allerdings zeigen sich auch hier immerhin 78 Prozent der Befragten mit der Wirkung der bAV zufrieden oder sehr zufrieden (siehe Grafik).

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