Guido vom Schemm

Guido vom Schemm

Mittelstandsanleihen: Droht eine Blasenbildung?

Die Geldschwemme der Zentralbanken hat in 2012 für eine positive Bilanz auf den Anleihemärkten gesorgt. Trotz aller politischen und wirtschaftlichen Bedenken konnten Anleihekurse historische Anstiege verzeichnen. Mit einem bitteren Beigeschmack, den durchweg niedrigen Renditen für Neuanlagen. Auf der Suche nach Ertrag haben Anleger auch Mittelstandsanleihen für sich entdeckt, deren Kurse ebenfalls stark gestiegen sind. Eine Blase zeichnet sich trotzdem nicht ab. Das Segment weist noch immer einen Renditeaufschlag auf, Anleger sollten jedoch differenziert und vor allem breit gestreut investieren.

Noch jung ist die Anlageklasse der Mittelstandsanleihen. Die Börse Stuttgart gründete ihr Bond-M-Segment vor knapp zweieinhalb Jahren. Seitdem haben viele mittelgroße Unternehmen Anleihen am Kapitalmarkt begeben, um dem Würgegriff der Banken zu entkommen. Immer schwieriger wurde die Kapitalbeschaffung über die Banken, da diese im Zuge der Basel-Richtlinien ihre Bilanzen straffen und Kredite verstärkt mit Eigenkapital hinterlegen müssen. Entsprechend verhalten fällt die Kreditvergabe aus.

Die Anleger freute es und sie griffen beherzt zu, denn das immer weiter sinkende Zinsniveau macht rentierliche Neuanlagen rar. Mit kaum einer klassischen Anleihe lassen sich Rendite zwischen sechs und acht Prozent erwirtschaften und selbst Unternehmen unterhalb des Investmentgrades zahlen teilweise für fünfjährige Anleihen kaum mehr als 3,5 Prozent Zinsen. Kein Wunder also, dass Anlagegelder in die zahlreichen Neuemissionen im Mittelstandssegment flossen und teils für heftige Überzeichnungen sorgten.

Betrachtet man die Entwicklung des Zinsniveaus sind die kleinen Bonds trotz des Kursanstiegs noch attraktiv bewertet. Die Einengung ihrer Renditespreads bewegt sich im Rahmen des Gesamtmarktes. Denn auch die Rendite für klassische Unternehmensanleihen sind gesunken - für Unternehmen mit BBB-Rating seit einem Jahr sogar durchschnittlich um 1,2 Prozentpunkte. Gegenüber deren Ertragsniveau von durchschnittlich 3,2 Prozent auf zehn Jahre bieten Mittelstandanleihen mit fünf bis sechs Prozent Rendite noch einen attraktiven Risikoaufschlag. Zumal sich die Bonität der mittelgroßen deutschen Unternehmen laut einer Studie der WGZ Bank in den letzten drei Jahren zunehmend verbessert hat. Die Eigenkapitalquote hat sich entscheidend erhöht und dank der geringeren Abhängigkeit von den Banken können die Unternehmen flexibler agieren, was sich positiv auf ihre Ertragslage auswirkt.

Vor diesem Hintergrund und in Erwartung eines weiter anlegerunfreundlichen Zinsniveaus scheint es möglich, dass sich Anleihen ausgewählter mittelständischer Unternehmen im kommenden Jahr positiv entwickeln, denn die Bewertungsspielräume sind noch nicht ausgereizt.

Dennoch ist für den Privatanleger bei der Auswahl der Anleihen Vorsicht geboten. Am Markt verkaufen sich Anleihen mit bekanntem Namen und starker Marke auch trotz ungünstiger Ertragsentwicklung und Finanzkennzahlen gut. Die Emission der Anleihe des Traumschiffs „MS Deutschland“ wurde bereits am ersten Zeichnungstag vorzeitig mit Überzeichnung geschlossen. Und dies obwohl die Ertragslage und Finanzpolster alles andere als rosig aussehen. Darüber tröstet die Besicherung über eine Schiffshypothek kaum hinweg.

Ausschlaggebende Entscheidungskriterien für die Anlage sollten ein zukunftsträchtiges und stabiles Geschäftsmodell, ein ausreichendes Eigenkapitalpolster und entsprechender Liquiditätsspielraum sein. So wie sie beispielsweise bei der Anleihe des Milchproduzenten Ekosem Agrar zu finden sind. Der Kurs dieser Anleihen könnte bei einer Verbesserung von Finanz- und Ertragslage durch Aufwertungen profitieren. Da die Handelbarkeit der Anleihen aufgrund geringer Liquidität am Markt jedoch nur eingeschränkt gewährleistet ist, können kurzfristige Marktverwerfungen zu heftigen Kursbewegungen einzelner Anleihen führen. Am besten schützt man sich vor heftigen Irritationen durch eine breite Streuung des Portfolios - bei einer Anlagesumme unter 500.000 EUR am besten über einen Investmentfonds. Die Diversifikation über viele Unternehmen bietet auch vor möglichen Fehleinschätzungen des Unternehmens den besten Schutz.

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