Digitale Tools im Versicherungsvertrieb Foto: Foto von Anthony Shkraba von Pexels

Regulierung

Insurtechs sollen eigenes Geld nachweisen

Deutschlands Versicherer wehren sich gegen aktuelle Pläne der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Demnach sollen technologiegetriebene Neulinge in der deutschen Assekuranz zukünftig nur noch dann eine Versicherungslizenz erhalten, wenn die Start-ups am Tag des Antrags vollständig ausfinanziert sind.

Eine Lizenz der Bafin benötigen diejenigen Insurtechs, die nicht nur Versicherungen vermitteln, sondern selbst Risikoträger sind. Für sie will die Finanzaufsicht bei der Lizenzvergabe nach eigenen Angaben nun eine höhere Kapitalausstattung verlangen, als das unter der Versicherungsregulierung Solvency II bislang erforderlich war.

Sonderregeln für Insurtechs

„Wir sind gegen Sonderregeln für Insurtechs, sowohl was großzügige Erleichterungen, aber auch was höhere Anforderungen betrifft“, sagt Jörg Asmussen. „Mit den geplanten Sonderregeln verscheuchen wir Innovationen aus Deutschland“, so der Hauptgeschäftsführer beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weiter.

Das europaweit geltende Regelwerk Solvency II stelle für neue Wettbewerber bereits eine anspruchsvolle Hürde dar, sagt Asmussen. „Richtig ist, dass neue Versicherer die gleichen Anforderungen erfüllen müssen wie Traditionsunternehmen.“ Die geplanten Regeln schaffen nach GDV-Angaben zudem kaum mehr Schutz für Verbraucher.

Stattdessen behinderten die zusätzlichen Eintrittshürden den Wettbewerb und Innovationen in der Branche. Sie träfen auch junge Firmen in der Aufbauphase, die bereits zugelassen sind. „Gerade für Insurtechs, die teilweise bereits viel investiert haben, werden damit mitten im Spiel die Regeln geändert“, sagt Asmussen.

Hohe Hürden für Start-ups

Ob digitale Versicherungsordner oder der papierlose Abschluss eines Vertrags auf dem Smartphone: Zahlreiche deutsche Start-ups haben in den vergangenen Jahren innovative digitale Versicherungsangebote auf den Markt gebracht, heißt es jetzt auch vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom).

Deutschlands Digitalverband stellt sich ebenfalls auf die Seite der Insurtechs: „Die Idee der Bafin geht völlig an der Realität der Start-up-Finanzierung vorbei“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Start-ups wachsen über mehrere Finanzierungsrunden, bei denen unterschiedliche Investoren beteiligt sind.“

„Werden die BaFin-Pläne umgesetzt, wird eine Versicherungslizenz für unabhängig finanzierte Start-ups unmöglich, da von Anfang an viel zu viel Kapital für langfristige Rückstellungen aufgewendet werden müsste.“ In der Folge würden Insurtechs bald wohl nicht mehr in Deutschland gegründet, sondern im Ausland.

Mehr zum Thema
Nord- und WestdeutschlandAon erweitert sein Vertriebs-Team Terrorismus und Politische GewaltChubb mit neuem Spartenleiter in Deutschland Alte Leipziger - Hallesche KonzernPsychologische Hilfe für Kunden und Mitarbeiter