Michael Reuss, geschäftsführender Gesellschafter der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung

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Mobile Payment

Apple & Co. wagen die Revolution

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Apple, Google, Paypal und Start-Ups entwickeln im Internet die Bezahlsysteme der Zukunft. Derweil riskieren Banken und Kreditkartenfirmen, den Anschluss zu verlieren. Wenn sie nicht mit eigenen Innovationen in Sachen Mobile Payment nachziehen, riskieren sie, sich selbst abzuschaffen.

Die Vorteile der neuen Bezahlsysteme aus den Internetkonzernen sind eindeutig: Die Kunden mögen es, wenn sie Rechnungen und Einkäufe bequem und vor allem praktisch erledigen können. Hohe Gebühren, etwa für Bargeldabhebungen an bankfremden Geldautomaten, entfallen ebenso wie das Ausfüllen von Überweisungsformularen mit ellenlangen IBAN-/BIC-Nummern.

Apple Pay wird zum Schlüsselelement

Apple hat die Zeichen der Zeit erkannt und integriert die bestehende Technologie der Nahfeldkommunikation (NFC) ins neue Smartphone. Mit dem kleinen Funkchip im Smartphone – die Vorgängerversionen haben mittlerweile die komplette Handybranche revolutioniert – baut Apple den im Oktober gestarteten Bezahldienst Apple Pay zu einem Schlüsselelement aus. Denn: Mit dieser Technologie kann man an der Kasse im Einzelhandel, in Schnellrestaurants und andernorts kontaktfrei bezahlen.

Paypal – ein genialer Schachzug

Ein weiteres Beispiel ist Paypal, eine Tochter der bekannten Versteigerungsplattform eBay. Das Unternehmen hat es geschafft, ein Bezahlsystem mit dem eCommerce zu verbinden. 2002 erkannte eBay sehr schnell, dass es sinnvoll ist, nicht nur die Plattform für die Versteigerung von Gebraucht- und Neuware anzubieten, sondern auch einen Bezahldienst in das System einzubetten.

Mittlerweile ist Paypal eine Cashcow und zeigt, dass Händler durchaus deutlich höhere Preise für den Zahlungsverkehr bezahlen, wenn sie dafür zusätzlich höhere Sicherheit und eine schnellere und einfachere Abwicklung bekommen. Das verbesserte Leistungsangebot verhalf eBay zugleich zu schnellerem Wachstum.

Kampf um Dominanz

Warum ist der Zahlungsverkehr für Nichtbanken so lukrativ? Ganz einfach: Haben die Verbraucher erst einmal Vertrauen ins System gefasst, erhalten Apple, Google oder auch Facebook den „direkten Bezahl-Draht“ zu den Kunden. Die Verbraucher werden künftig nicht mehr mit der Bank- oder Kreditkarte bezahlen, sondern mit dem Smartphone, etwa von Apple. Dort landen dann auch die Transaktionsdaten und können gewinnbringend ausgewertet werden.

Die Kombination aus Einkaufs- und Surfverhalten der Verbraucher lässt sich somit zielgerichtet und gewinnbringend für Marketingzwecke einsetzen. Setzen sich die Internetkonzerne durch, werden die Banken wie auch die Kreditkartenfirmen zu reinen Zahlungsabwicklern degradiert, die nach außen mit ihrer Marke nicht in Erscheinung treten.

EU lässt Nicht-Banken zu

Bis jetzt ist das Bezahlsystem etwa von Apple in den USA ein Thema. Hierzulande ist der Zahlungsverkehr ausschließlich den Banken mit entsprechender Banklizenz vorbehalten – noch! Denn die EU-Kommission will diesen Dienstleistungsmarkt fördern und den Zahlungsverkehr auch für Nicht-Banken öffnen. Manche Banken und Kreditkartenanbieter rüsten sich bereits für den härteren Wettbewerb: Mastercard etwa verlangt nun, dass in Deutschland jedes neu installierte Terminal mit NFC ausgestattet ist. 2018 sollen hierzulande sämtliche Check-outs auf kontaktloses und mobiles Bezahlen vorbereitet sein. Auch Visa investiert kräftig in die neue Form des Bezahlens.

Der Kampf um die Dominanz in dieser Branche wird in den nächsten Jahren spannend werden. Eines ist aber auch klar: Sobald die Konsumenten die Annehmlichkeiten erkennen, die die neuen Bezahlformen bieten, und sie eifrig nutzen, wird die Macht von Apple, Facebook & Co. über die wirtschaftliche Ausbeutung ihrer Daten noch weiter wachsen. Damit stehen nicht nur die Unternehmen der Finanzbranche, sondern auch die Verbraucher vor Veränderungen.

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