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Mobius, DeMark, Magnus

Botschaft an Peking: Lasst die Aktienkurse fallen

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Mark Mobius, Tom DeMark und George Magnus - renommierte Prognostiker, die die Märkte durch drei sehr verschiedene Linsen betrachten - stimmen darin überein, dass der Kurssturz chinesischer Aktien keineswegs schon auf der Talsohle angekommen ist. Die staatlichen Bemühungen zur Stützung des Markts halten sie für aussichtslos - eine Überzeugung, die unter Analysten zunehmend um sich greift, nachdem die seit zwei Monaten andauernden Rettungsbemühungen immer noch keine nachhaltige Rally zustande gebracht haben. „Ich würde erwarten, dass die Regierung die Interventionen zurücknimmt“, sagte Mark Mobius, Vermögensverwalter bei Franklin Resources, der seit über 40 Jahrzehnten in Schwellenmärkte investiert, am Freitag im Interview in Hongkong. „Sie wissen, dass sie nicht funktionieren.“ Jetzt, wo die Siegesparade zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs ohne Zwischenfälle verlaufen ist und Präsident Xi Jinping Gelegenheit hatte, der Welt die Stärke Chinas vorzuführen, könnte es sein, dass die Obrigkeit eher bereit ist, fallende Aktienkurse zu tolerieren. Als die Märkte an diesem Montag nach zwei Feiertagen anlässlich des Gedenktages wieder öffneten, hielten sich die Kurse etwa auf dem Niveau des letzten Handelstages. Doch es gibt eine Reihe von Indikatoren, die darauf schließen lassen, dass die Investoren mit weiteren Kursrückgängen rechnen. Der Shanghai Composite Index wird erst einen Boden bilden, wenn er um weitere 18 Prozent auf 2590 gefallen ist, sagte DeMark am vergangenen Montag in einem Interview. Der technische Analyst entwickelt seit über 40 Jahren Indikatoren, um Wendepunkte an Märkten zu identifizieren. Magnus, unabhängiger Berater der UBS Group, rät der Regierung in Peking, den Benchmark-Index auf zwischen 2500 und 2800 fallen zu lassen. Am frühen Montag notierte er bei 3168 Punkten. „China hätte erkennen sollen, wie aussichtslos seine Interventionen sind“, kommentierte Cedric Ma, leitender Investmentstratege bei Convoy Asset Management in Hongkong. „Die Regierung wird eine weitere Marktkorrektur zulassen.“ Am Optionsmarket stellen sich Händler auf einen anhaltenden Abwärtstrend ein. Vergangene Woche kletterten Bärenkontrakte auf den börsengehandelten Fonds China 50 ETF gegenüber Bullenkontrakten auf das höchste je verzeichnete Niveau. In den USA hat ein börsengehandelter Fonds, der auf fallende Aktienkurse in China setzt, die verwalteten Gelder seit Juni um das 60-fache gesteigert. „Der chinesische Markt gilt weiterhin als überbewertet“, sagte Andrew Sullivan von Haiton International Securities in Hongkong. „Wegen der staatlichen Interventionen ist nicht wirklich ausgemistet worden.“

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