Aktualisiert am 02.01.2013 - 15:42 UhrLesedauer: 5 Minuten

Mobius: „Ein Wachstum von 7,5 Prozent ist doch keine Verlangsamung“

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Unter den Anlegern herrscht allgemein der Eindruck, A-Aktien seien teurer als H-Aktien. Ist das richtig?

Mobius: Ja, das stimmt, wenn man sich nur die allgemeinen Zahlen für den Markt als Ganzes anschaut. Das ist unseres Erachtens jedoch möglicherweise irreführend, da der Index von Unternehmen großer Marktkapitalisierung dominiert wird. Bei den A-Aktien aus Shanghai fällt die Prämie hingegen weniger hoch aus. Tatsächlich liegt die Bewertung vieler mittlerer bis großer Unternehmen an den Märkten für A-Aktien unter oder aber auf dem Niveau ihrer Pendants mit H-Aktien, insbesondere in den Sektoren Banken, Versicherungen, Baustoffe und Automobile.

Einige mittlere bis große Unternehmen aus Sektoren wie Lebensmittel und Getränke (vor allem helle Spirituosen) und Pharmazeutika (traditionelle chinesische Medizin) sind ausschließlich an den A-Aktienmärkten vertreten. Vergleichbare Unternehmen beziehungsweise Notierungen gibt es in Hongkong nicht, und betrachtet man ihr großes Wachstumspotenzial, so sind ihre Bewertungen nach unserer Einschätzung auf lange Sicht attraktiv.

Für die Anleger gilt es darüber hinaus zu beachten, dass wir uns nicht über Börsen notierte Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) oder Indexfonds am Markt engagieren. Wir halten nach individuellen günstigen Gelegenheiten Ausschau, Unternehmen, deren Bewertungen relativ zu ihrem von uns ermittelten inneren Wert attraktiv ausfallen.

Was halten Sie von den diversen Reforminitiativen an den Märkten für A-Aktien, etwa  die Erweiterung der Reform des Neuemissionssystems, das Anlocken von langfristigem Kapital aus dem Ausland, die Aufforderung von Pensionsfonds zu einem Gang an den Markt, „verpflichtende“ Dividendenanforderungen und die Entwicklung eines mehrschichtigen Kapitalmarkts?

Mobius: Diese Reformen können sich insgesamt günstig auswirken, lassen sich aber nicht über Nacht umsetzen. Um die Attraktivität des A-Aktienmarkts für die Anleger – egal ob Retail-Anleger, inländische Pensionskassen oder ausländische Institutionen – zu erhöhen, muss der Regulierer gewährleisten, dass die Regeln fair und für alle Beteiligten angemessen sind.

Die Aufsicht und die Durchsetzungskraft auf Seiten der Regulierungsbehörde muss ausreichend stark sein, um sicherzustellen, dass die Unternehmen die Bedingungen für eine Notierung erfüllen, sich an strengen Corporate-Governance-Standards orientieren und fair mit ihren Minderheitsaktionären umgehen. Regelungen, mit denen Entscheidungen der Unternehmensleitungen außer Kraft gesetzt werden können, sind möglicherweise nicht erforderlich. Maßnahmen wie „Pflichtdividenden“ könnten Qualitätsunternehmen von einer Notierung abhalten. Auf der nächsten Seite geht Mark Mobius auf potenziell Risiken für Anleger ein.
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