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Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda hält an niedrigen Zinsen fest. | © Getty Images

Modern Monetary Theory Das Spiel mit den Schulden

Das Treffen der europäischen Notenbankgouverneure Mitte Juni 2019 in Portugal hat gezeigt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer ultralockeren Geldpolitik noch nicht am Ende ist. Wir stehen am Beginn einer weiteren Welle der Geldflutung. Weltweit reagieren die Staaten auf die ersten Anzeichen einer Konjunkturabkühlung mit noch mehr Krediten für die Firmen, noch mehr Staatsschulden und noch niedrigeren Leitzinsen, als hätte es die Finanzkrise 2008 mit ihren verheerenden Auswirkungen nicht gegeben.

Vor diesem Hintergrund hat die Modern Monetary Theory (MMT) wieder an Bedeutung gewonnen. Das Modell wurde schon vor 25 Jahren vom US-Ökonomen Warren Mosler erdacht. Bei der MMT geht es im Wesentlichen um das Zusammenspiel zwischen der jeweiligen Notenbank und dem Staat in einem abgeschlossenen Wirtschaftsraum mit flexibler Währung. Dabei steht die Staatsfinanzierung durch Kredite im Mittelpunkt.

Die Vertreter der MMT gehen davon aus, dass jede wirtschaftliche Krise durch Gelddrucken und gleichzeitiger Reduktion der Steuerlast gemeistert werden kann. So lange die Inflation im jeweiligen Wirtschaftsraum niedrig ist, kann der Staat demnach relativ unbegrenzt Geld schöpfen.

Der Mechanismus lässt sich an einem vereinfachten Beispiel darstellen: Der Staat lässt eine Autobahnbrücke bauen und bezahlt die Rechnung über sein Zentralbankkonto auf das Geschäftsbankkonto der ausführenden Firma. Damit erhöht sich die Geldmenge, weil die Geschäftsbank über Liquidität verfügt und damit die Reserven bei der Zentralbank sich erhöhen. Der Staat hat damit eine Investition getätigt und Geld nicht zur Bezahlung von Schulden verwendet. Die Ausweitung der Geldmenge führt nicht automatisch zu höheren Zinsen, weil der Staat kein Geld am Kapitalmarkt aufnehmen muss. Die Geldpolitik der Notenbank dient in dem Modell nur noch zur Zinssteuerung. Zentralbanken sollen nur noch auf die Veränderung der Inflationsrate reagieren und spielen sonst keine große Rolle.

Im Prinzip betreibt Japan seit 20 Jahren eine ähnliche Politik. Der Staat hat hohe Defizite, die durch Staatsanleihen finanziert werden. Diese Anleihen werden nach der Neuauflage im Regelfall von großen Pensionskassen und Versicherungen erworben. Die japanische Notenbank wiederum kauft die Anleihen auf. Dadurch steigen die Geldmenge und die monetäre Basis der Geschäftsbanken. Mittlerweile hält die Bank of Japan rund 70 Prozent der im Umlauf befindlichen Staatsanleihen. Die Zinsen sind seit Jahrzehnten nahe null und der Außenwert der Währung dabei erstaunlich stabil. An den Kapitalmärkten wird zwar die hohe japanische Staatsverschuldung immer wieder diskutiert, einen internationalen Vertrauensverlust der Investoren hat es aber nie gegeben.

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