Monaco 300-Millionen-Euro-Penthouse für Steuer-Migranten

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Im Zuge der Bemühungen, einen weltweiten Standard für den Informationsaustausch unter Steuerbehörden zu setzen, ist das Schweizer Bankgeheimnis löchrig geworden. Andere Länder, darunter Monaco, versuchen, sich einen Anteil an den Vermögen, die in der Schweiz gehalten werden, zu sichern.

Nach Monaco zu ziehen sei eine “naheliegende” Strategie für viele Superreiche in der Schweiz, erklärt Richard Murphy, Co-Autor des Buchs “Tax Havens: How Globalization Really Works”. “Man muss dahin ziehen, wo man zeigen kann, was man hat, aber nicht sagen muss, wo man es her hat”, so Murphy.

Größere Wohnungen sind bei Käufern, die ihre Familien ins Fürstentum bringen, begehrt. Im vergangenen Jahr wurden dort zwar nur 15 Wohnungen verkauft, jedoch lag der Durchschnittspreis Regierungserhebungen zufolge bei 9,3 Million Euro, verglichen mit 2,9 Millionen Euro zwei Jahre zuvor.

Der Durchschnittspreis für Wohnimmobilien mit fünf Schlafzimmern oder mehr stieg im letzten Jahr um 24 Prozent, verglichen mit einem neunprozentigen Rückgang bei kleinen Wohnungen.

Mit dem Tour Odeon entsteht Monacos erstes Hochhaus seit den 80-er Jahren. Ein Viertel der Wohnungen, die Groupe Marzocco am Markt anbietet, wurden an Bürger der ehemaligen Sowjetunion vermittelt, teilte das Unternehmen mit, ohne nähere Angaben zu machen.

Eine angebotene Musterwohnung mit 270 Quadratmetern Wohnfläche und 130 Quadratmetern Balkonfläche wird mit 28 Millionen Euro bewertet. Die unteren Etagen wurden an die Regierung von Monaco verkauft. Die Einheimischen sollen das Gebäude durch einen separaten Eingang betreten.

Der Bau des Turms begann während der weltweiten Finanzkrise. “Die Regierung hat klug gehandelt”, indem sie einige der Wohnungen kaufte, sagt Daniele Marzocco. “Außerdem war es an der Zeit, etwas für die Wirtschaft zu tun. Wir zahlen eine Menge Mehrwertsteuer, und wir schaffen Arbeitsplätze.”

Dennoch sind nicht alle Immobilienentwickler am Wohnungsbau in Monaco interessiert. “Es ist ein verrückter Markt”, erklärte Pierre Vaquier, Chef von Axa Real Estate Investment Managers, in einem Interview im März. “Man kauft dort nicht nur wegen des Umfelds, sondern auch wegen des Steuerrechts.”

Er selbst sei nicht an Wohnbauprojekten im Fürstentum interessiert, fügte er an. Auch Monaco steht unter Druck, seine Transparenz zu erhöhen. Die OECD in Paris bezeichnete Monaco 2002 als “unkooperatives” Steuerparadies, nahm das Land 2009 aber wieder von der Liste, nachdem es Abkommen zum Informationsaustausch getroffen hatte.

Davon betroffen waren Personen oder Unternehmen im Fürstentum mit Offshore-Konten, aber keine langjährigen Einwohner. “Heute wird Monaco immer mehr zu einem Onshore-Standort”, sagt Daniele Marzocco. “Die Leute müssen hier länger als sechs Monate leben. Das ist gut für Monaco, und es ist gut für die Wirtschaft.”

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