Seit 2024 legen immer mehr Fondsanbieter Anteilsklassen auf, die zwölfmal im Jahr ausschütten. Der Grund: Mit der Zinswende lassen sich wieder laufende Erträge erwirtschaften. Die Nachfrage kommt von Anlegern, die ihr Vermögen nutzen statt aufbauen wollen. Babyboomer gehen in Rente, Lebensversicherungen werden fällig, Erbschaften fließen. Rund 120 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich vererbt oder verschenkt.
Doch nicht jeder monatlich ausschüttende Fonds funktioniert gleich. Im Markt haben sich zwei Ansätze etabliert: Die einen schütten nur aus, was sie an laufenden Erträgen erwirtschaften. Die anderen legen vorab eine Quote fest – unabhängig davon, ob diese Summe auch verdient wurde.
Anleihen als Einkommensmaschine
Der FU Fonds Bonds Monthly Income (ISIN: LU1960394903) der Heemann Vermögensverwaltung gehört zu den Pionieren. Seit Sommer 2019 kann der Fonds auf 76 monatliche Ausschüttungen zurückblicken. Das Prinzip: Der Fonds investiert in höherverzinsliche Unternehmensanleihen europäischer Emittenten und gibt die Zinserträge weiter. Aktuell verwaltet er rund 150 Millionen Euro, die Mindestanlage liegt bei 100 Euro.
„Wir haben jeden Monat mehr an Zinsen verdient, als wir ausgeschüttet haben. Auch in Zeiten der Nullzinsphase“, sagt Norbert Schmidt, Portfoliomanager bei Heemann. Die Basisausschüttung liegt bei 25 Cent pro Anteil monatlich, hinzu kommt eine jährliche Sonderausschüttung – 2025 waren es 65 Cent. „Diese 76 Ausschüttungen sind nicht aus der Substanz, sondern allein aus laufenden Erträgen“, betont Schmidt.
Für wen eignet sich der Anleihenansatz?
Der Fonds bewegt sich in Risikoklasse 2 von 7, zwischen Festgeld und Aktien. Schmidt vergleicht die Mechanik mit einer Immobilienfinanzierung: „Auch wenn die Immobilie mal zehn Prozent mehr oder weniger wert ist – die Zinsen auf den Kredit werden trotzdem bedient.“ Als im April 2025 die Märkte durch Trumps Zollpolitik einbrachen, verlor der Aktienmarkt rund 15 Prozent, der FU Fonds nur etwa 3 Prozent.
Schmidt sieht drei wesentliche Zielgruppen: Zinssparer, die die Inflation schlagen wollen, ohne gleich in Aktien zu gehen. Aktionäre, die einen Teil ihres Portfolios stabilisieren möchten – etwa weil sie wissen, dass in einigen Jahren eine größere Anschaffung ansteht. Und Anleger jeden Alters, die mit ihrem Investment monatliche Zusatzeinnahmen möchten, ohne ihr Kapital aufzubrauchen.





Viele nutzen die Ausschüttungen als sofortige Zusatzrente und Passiveinkommen, als Urlaubsgeld oder zur monatlichen Mietzahlung. In der Praxis beobachtet Schmidt Beimischungen von bis zu 100 Prozent.
Planbare Erträge mit dem Dachfonds-Ansatz
Einen anderen Weg geht der Sauren Ruhestandsfonds (ISIN: LU2940381085). Die Ausschüttung liegt fest bei 0,3 Prozent des Anteilswerts pro Monat, also 3,6 Prozent im Jahr. Diese Quote orientiert sich am langfristigen Durchschnittsertrag der modernen Multi-Asset-Fonds von Sauren über mehr als 20 Jahre – selbst die Niedrigzinsphase eingerechnet.
„Wir haben eine sehr gute Chance, dass wir nicht ans Kapital rangehen müssen“, sagt Eckhard Sauren, Gründer des Dachfondsanbieters. Im ersten Jahr erzielte der Fonds mehr als 6 Prozent – deutlich über der Ausschüttungsquote. Die Kernzielgruppe: Anleger ab 50, die den Ruhestand planen. Sauren sieht seinen Fonds als Alternative zur Rentenversicherung oder Mietimmobilie – mit dem Vorteil täglicher Verfügbarkeit.
Weil der Fonds als Multi-Asset-Dachfonds in über 20 Fondsmanager investiert, könne er einen bedeutenden Anteil im Portfolio einnehmen. Die Aktienquote liegt bei 25 bis 30 Prozent. Innerhalb eines Jahres sammelte der Fonds rund 30 Millionen Euro ein, die durchschnittliche Anlage liegt praktisch im fünfstelligen Bereich. Die Frage, warum die Ausschüttung nur 3,6 Prozent beträgt, habe ihm noch niemand gestellt, sagt Sauren.
Warnung vor zu hohen Quoten
Sauren sieht den Trend kritisch. Viele Anbieter würden mit 6 Prozent locken, hätten aber einen hohen Aktienanteil. „Wenn du bei aktienorientierten Fonds mal 30 oder 40 Prozent verlierst und dann noch 6 Prozent darauf ausschüttest, ist es schwer, den Kapitalerhalt zu erreichen“, warnt er. Seine Faustregel: „Wenn die Ausschüttungsrendite über 5 Prozent liegt, gehst du Risiken ein, die nicht mit einer monatlichen Ausschüttung zusammenpassen.“
