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PKV-Beitragsstabilität: Zahl der Tarife mit Höchstnote bricht ein
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M&M-Rating PKV-Beitragsstabilität: Zahl der Tarife mit Höchstnote bricht ein

Arzt mir Geldscheinen
Der Beitrag in der PKV setzt sich aus dem Risikoanteil, dem Verwaltungskostenanteil und dem Sparanteil zusammen. | Foto: Imago Images / photothek

Die Rating-Agentur Morgen & Morgen (M&M) hat ihre jährliche Untersuchung zur Beitragsentwicklung in der Privaten Krankenversicherung (PKV) veröffentlicht. Für das „M&M Rating PKV Beitragsstabilität 2024“ wurden 1.066 Tarifkombinationen in der Vollversicherung für alle Berufsgruppen von 28 Anbietern der PKV untersucht.

Weniger Testkandidaten als früher

Unter den untersuchten Gesellschaften ist erstmals auch die Ottonova Krankenversicherung. Dafür zählen wie im Vorjahr unter anderem die Krankenversicherer von Generali, Provinzial und Württembergische nicht mehr zum Teilnehmerfeld. Konkrete Hintergründe dazu nennt das Analysehaus nicht. Zur Auswahl der Testkandidaten heißt es, dass alle Tarifkombinationen untersucht werden, die folgende Kriterien erfüllen:

  • Neugeschäftsbeiträge in den Jahren 2019 bis 2024 vorhanden und
  • Neugeschäftsbeiträge für die Eintrittsalter 21 bis einschließlich 50 vorhanden

So funktioniert die Methodik

Die Analysten haben Neugeschäftsbeiträge und Beitragsanpassungen der untersuchten Unisex-Tarife marktweit analysiert und zu einer Bewertung pro Tarifkombination aggregiert. Nur Tarife, die bereits seit mindestens fünf Jahren auf dem Markt sind, wurden berücksichtigt.  Erfasst wurden alle Beitragsanpassungen für alle Eintrittsalter.

Als Hauptgründe für Beitragsanpassungen identifizierten die Analysten den medizinischen Fortschritt, Bestandsalterung und turbulente Kapitalmärkte. In den vergangenen Jahren habe jedoch auch die hohe Inflation eine Rolle gespielt. Um den aktuellen Marktgegebenheiten zu entsprechen und diesen Effekt im Rating etwas auszugleichen, wurden die Benchmarks jeweils um 0,5 Prozentpunkte erhöht.

 

Gleichmäßigkeit der Anpassungen wirkt sich auf Ergebnisse aus

Das Analysehaus berücksichtigt neben der Entwicklung der Prämien auch die Veränderungen bei den Selbstbehalten. Sofern vorhanden, werden diese auf die Beiträge aufgeschlagen und die so ermittelten Effektivbeiträge herangezogen. Schließlich berechnet M&M pro Tarif aus den fünf durchschnittlichen Anpassungen der Effektivbeiträge den Mittelwert und die Standardabweichung.

„Eine gute Beitragsstabilität ergibt sich, wenn die durchschnittliche Beitragssteigerung gering ist und die Streuung der Steigerungen ebenfalls gering ist“, schreiben die Analysten in der Rating-Dokumentation. „Es ist also besser, ein Tarif steigert sich jedes Jahr im Schnitt um beispielsweise fünf Prozent, als einmal um neun Prozent und einmal um ein Prozent, da im ersten Fall die Standardabweichung geringer ist, die Gleichmäßigkeit der Anpassung also höher ist.“

M&M weist darauf hin, dass die Aussagekraft des Ratings für Bestandskunden eingeschränkt ist. Bei diesen hingen die Anpassungen auch von den bisherigen Alterungsrückstellungen ab und davon, ob die Prämienerhöhungen durch Entnahmen aus den Rückstellungen für Beitragserstattungen (RfB) abgemildert würden. Die Rating-Dokumentation kann hier eingesehen werden.

Deutlicher Anstieg der durchschnittlichen Beiträge

Im Ergebnis beträgt die durchschnittliche Beitragsanpassung in diesem Jahr 2,79 Prozent. Damit liegt sie deutlich über dem Vorjahreswert von 2,04 Prozent. Dabei variiert der Mittelwert der relativen Beitragssteigerungen im neuen Jahrgang zwischen minus 0,48 und plus 6,57 Prozent.

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Obwohl dies laut M&M einen markanten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr darstellt, bleibe das Niveau der Anpassungen weiterhin moderat, insbesondere im Vergleich zu 2012, als die Anpassungsrate knapp 5 Prozent betrug. Die seit damals bestehende Unisex-Tarifgeneration habe in den vergangenen Jahren zunächst zu einer Entspannung der Beitragsentwicklung geführt. Doch mit dem Älterwerden dieser Tarife stiegen die durchschnittlichen Beitragsanpassungen naturgemäß.

Einbruch bei Top-Tarifen

Die aktuelle Analyse der Sterneverteilung für das Jahr 2024 zeigt laut der Autoren eine deutliche Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren. Insbesondere falle auf, dass die Anzahl der Höchstbewertungen (fünf Sterne) deutlich zurückgegangen ist und sich ein starkes Mittelfeld mit Drei-Sterne-Bewertungen bildet. Mit 349 Bewertungen im Jahr 2024 liegt dieser Wert deutlich über den 248 im Jahr 2023 und ist der höchste Wert der vergangenen Jahre. Eine markante Zunahme zeigt sich auch bei den Ein-Sterne-Bewertungen. Diese haben sich von 98 im Jahr 2023 auf 149 im Jahr 2024 erhöht.

Tatsächlich bedeutet gerade der Rückgang von 101 Tarifofferten in der besten Ratingklasse – auf einen Anteil von nur noch 17,5 Prozent an der Gesamtzahl der bewerteten Offerten – einen enormen Einbruch im Vergleich zum Vorjahr. M&M relativiert die Entwicklung: „Trotz des Rückgangs bei den Höchstbewertungen ist das Anpassungsniveau moderat geblieben, und die Gesamtzahl der gut bewerteten Tarife bleibt weiterhin hoch“, sagt Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen.

Folgende Gesellschaften erhielten für mindestens einen Tarif eine Top-Bewertung von M&M (eine Liste mit allen bewerteten Tarifkombinationen bietet das Analysehaus hier an):

  • Alte Oldenburger
  • Arag
  • Axa
  • Bayerische Beamtenkrankenkasse
  • Condordia
  • Continentale
  • Gothaer
  • Hallesche
  • Hansemerkur
  • Inter
  • Münchener Verein
  • Ottonova
  • R+V
  • Süddeutsche Krankenversicherung
  • Signal Iduna
  • Union Krankenversicherung
  • Universa
 

Steigende Leistungsausgaben bleiben zentrale Herausforderung

Was die weitere Entwicklung der Sparte angeht, stehen die PKV-Anbieter laut M&M vor der Herausforderung weiter steigender Leistungsausgaben. Zu den wesentlichen Ursachen zählten erhöhte Behandlungskosten im Gesundheitssystem aufgrund von medizinischem Fortschritt und Inflation, die Alterung der Bestände sowie pandemiebedingte Nachholeffekte. Trotz der zuletzt wieder steigenden Zinsen stelle die vorhergehende Niedrigzinsphase weiterhin eine Belastung für die PKV dar. Es bestehe aber Hoffnung, dass durch die Stabilisierung des Kapitalmarktes keine weiteren Rechnungszinsabsenkungen mehr erfolgen müssten und zumindest keine Beitragsanpassungen mehr aus Zinsgründen erforderlich seien.

„Es bleibt abzuwarten, wie die PKV-Anbieter diesen Herausforderungen begegnen und welche Strategien sie entwickeln, um ihre Beiträge stabil und attraktiv zu halten,“ so Bohrmann.

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