Die Branchenanalysten von Morgen & Morgen (M&M) haben jetzt wieder den deutschen Markt für private Krankenzusatzversicherungen untersucht. Neben Zahnzusatztarifen und Krankentagegeldern ging es dabei auch um Krankenhauszusatzversicherungen. Mit ihnen können sich auch Kunden der gesetzlichen Krankenkassen bei stationären Aufenthalten in Kliniken wie ein Privatpatient behandeln lassen. „Ihre Kernleistungen bestehen aus der Erstattung von der Unterbringung in Ein- oder Zweibettzimmern sowie dem Zugang zur Chefarztbehandlung“, erklärt Thorsten Bohrmann, Senior-Versicherungsanalyst bei dem Rüsselsheimer Anbieter von Analyse- und Vergleichssoftware.
Krankenhauszusatzversicherungen auf sehr hohem Niveau
Deutliche Unterschiede bemerkt Morgen & Morgen vor allem bei den Leistungen im stationären Bereich, die über den Regelhöchstsätzen der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) liegen: Nur Tarife, die mindestens das 2,3-Fache des jeweiligen Wertes erstatten, können im Rating vier Sterne erhalten. Für die Bestnote von fünf Sternen muss das 3,5-Fache bezahlt werden. Die weiteren Mindestkriterien sollen unter anderem sicherstellen, dass die Top-Versicherer auf ihr ordentliches Kündigungsrecht verzichten, auch eine Chefarztbehandlung bezahlen oder dem Kassenpatienten auch eine bessere Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer ermöglichen:
Diese Mindestkriterien müssen voll oder eingeschränkt erfüllt sein, um im M&M-Rating Krankenhauszusatz die Bewertung von vier* oder fünf Sternen zu erhalten:
- Der Versicherer verzichtet auf sein ordentliches Kündigungsrecht*
- Der Privatarzt (Chefarzt) ist bei stationärer Behandlung im Krankenhaus erstattungsfähig.*
- Eine bessere Unterbringung im Einbettzimmer ist bei stationärer Behandlung im Krankenhaus erstattungsfähig.
- Eine bessere Unterbringung im Zweibettzimmer ist bei stationärer Behandlung im Krankenhaus erstattungsfähig.*
- Der Versicherer leistet im stationären Bereich auch über die Regelhöchstsätze (2,3-fach) der GOÄ hinaus.*
- Der Versicherer leistet im stationären Bereich auch über die Regelhöchstsätze (3,5-fach) der GOÄ hinaus.
- Stationäre Leistungen sind auch ohne den Eintritt eines Unfalls oder einer bestimmten Erkrankung erstattungsfähig.*
- Der Versicherer verzichtet auf unübliche Einschränkungen beziehungsweise Klauseln, die nicht zu den ratingrelevanten Sachverhalten gehören.*
Im diesjährigen M&M-Rating Krankenhauszusatz erhalten 54 Tarife fünf und weitere 58 vier Sterne. 17 Tarife erhalten drei Sterne, gefolgt von 13 Tarifen mit zwei Sternen. Nur ein Tarif wird mit einem Stern bewertet: Akut1, Intensiv von Envivas. „Es scheint so, als ob sich der Markt aktuell auf einem sehr hohen Niveau einpendelt. Wir nehmen auch diese Entwicklung wahr und beobachten sie, sehen in diesem Jahr aber ebenfalls noch keine Notwendigkeit, die Ratingkriterien zu ändern“, kommentiert Bohrmann die Ergebnisse. Das Rating solle auch Vermittlern Orientierung bieten, welche Tarife die besten Versicherungsbedingungen aus Kundensicht bieten.
Gegenüber dem Vorjahr zeige sich bei der Anteile der aktuell anhand von 28 Leistungsfragen vergebenen Ratingnoten ein gleichbleibendes Bild. „Die Krankenhauszusatztarife sind größtenteils sehr leistungsstark“, so Bohrmann. Doch: „Die Privaten Krankenzusatzversicherer zeigen sich in diesem Jahr verhalten mit neuen Tarifangeboten.“ In der Krankenhauszusatzversicherung verzeichneten die Rüsselheimer im vorigen Jahr noch einen Zuwachs Tarife um 8 Prozent. Doch in diesem Jahr hat sich das Angebot kaum verändert. Mit 143 Tarifen ist aktuell sogar eine Offerte weniger als im Jahr 2022 im M&M-Rating Krankenhauszusatz vertreten.
Immerhin gelte: „In unseren Beispielrechnungen zeigt sich in diesem Jahr ein stabiles Preisniveau“, berichtet Bohrmann. Die Preisspanne liegt in diesem Jahr unverändert bei rund 25 Euro. Dies ergibt eine Berechnung für eine 30 Jahre alte Angestellte mit einer gewählten Leistung von mindestens einem Einbettzimmer mit Chefarztbehandlung und unter Ausschluss von Risikotarifen. Der günstigste Tarif liegt auch in diesem Jahr bei rund 29 Euro monatlich. Der teuerste Tarif kostet mit rund 54 Euro pro Monat ebenfalls nicht mehr als in der Vorgängerstudie. Im vergangenen Jahr war hier noch ein Sprung um knapp 7 Euro zu verzeichnen.
Versicherungsvermittler müssen auch PKV-Prämien beachten
Die Studienautoren betonen, dass sie hierfür keine Gebühren erheben, um „absolute Unabhängigkeit und Neutralität“ zu gewährleisten. Außerdem bewerten sie ausschließlich Leistungen, die in den Allgemeine Versicherungsbedingungen konkret aufgeführt werden, da nur hierauf ein Rechtsanspruch besteht. Zusätzlich zur reinen Punktzahlen werden weitere Mindestkriterien gefordert, um die jeweilige Notenklasse von bis zu fünf Sternen zu erreichen. Die Prämien spielen hierbei keine Rolle. „Diese muss der Vermittler bei der bedarfsorientierten Beratung natürlich hinzuziehen, da höhere Bedingungsqualität in der Regel mit höheren Prämien einhergeht.“
Die besten Krankenhauszusatz-Tarife in anderen PKV-Ratings
Versicherungsvermittler und ihre Kunden durch den Tarif-Dschungel zu leiten, ist auch das Ziel der Analysten von Franke und Bornberg, die in diesem Jahr ihr Rating zur Krankenzusatzversicherung überarbeitet haben. Nach Angaben der Hannoveraner gibt es im Segment der stationären Tarife besonders viele Top-Produkte am deutschen PKV-Markt. Auch sie untersuchten zum Beispiel die Kriterien Erstattung für ärztliche Leistungen (Chef-/ beziehungsweise Privatarztbehandlung), vor- und nachstationäre Behandlung, Leistungen für das Ein- oder Zweibettzimmer sowie freie Krankenhauswahl. Jeder vierte Tarif ist demnach „hervorragend“, nur einer von zehn erhält die Note „befriedigend“ oder schlechter.
Auch die Hamburger Rating-Agentur Ascore Analyse hat ein Update ihrer Tarifdatenbank für private Krankenzusatzversicherungen veröffentlicht. Das aus dem Zusammenschluss der beiden Analysehäuser Ascore und Softfair hervorgegangene Unternehmen bietet mit seiner webbasierten Software Navigator Tarifvergleiche für Vermittler, Großvertriebe und Maklerpools. Die aktuelle Version des Produkt-Scorings umfasst neue Daten für stationäre Zusatzversicherungen für die Tariftypen Topschutz und Unfallfolgen. Das Update berücksichtigt hierfür einerseits den derzeitigen Stand der Kriterienkataloge. Andererseits haben die Tester neue Kriterien und Tarife in die Analyse aufgenommen.
