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Natalia Wolfstetter ist Fondsanalystin bei Morningstar. | © Morningstar

Morningstar-Analystin über die neuen Ratings

„Ab wann werden Kosten unverschämt, Frau Wolfstetter?“

DAS INVESTMENT: Warum ändern Sie die Ratings?

Natalia Wolfstetter: Das weiterentwickelte Rating bringt eine Vereinfachung und Systematisierung, aber es beruht weiter auf den qualitativen Einschätzungen unserer Fondsanalysten. Wir denken, dass die Anpassungen den Nutzen und die Verständlichkeit des Ratings erhöhen. Sie ermöglichen klarere Empfehlungen – wo funktioniert aktives Management und wo nicht, soll ich aktiv oder passiv investieren und welche Anteilsklasse soll ich wählen? – und sollten auch die Prognosekraft des Ratings verbessern, da wir das Rating künftig auf Anteilsklassenebene vergeben und damit Gebührenunterschieden besser Rechnung tragen können. Gebühren sind erwiesenermaßen ein wichtiger Indikator für die künftige Performance.

Morningstar betont immer wieder die Rolle der Kosten. Wie viel Prozent des Ratings gehen auf sie zurück?

Wolfstetter: Es gibt keinen festgelegten prozentualen Anteil. Wir bestimmen zunächst den potenziellen Mehrwert eines Fonds vor Kosten basierend auf der langfristigen Distribution der Alphas in der jeweiligen Vergleichsgruppe. Also was haben die Fonds in einer Kategorie in der Vergangenheit an Alpha geliefert? Wir verwenden dafür rollierende 36-Monats-Alphas vor Kosten gegenüber dem Kategorie-Index ab Januar 2000. Wir bewerten dann, inwieweit ein Fonds dieses potenzielle Alpha generieren kann. Das hängt davon ab, wie die Analysten das Fondsmanagement, den Anlageprozess und die Fondsgesellschaft beurteilen. Dann ziehen wir bei jeder Anteilsklasse die zugehörigen Gebühren von diesem erwarteten Mehrwert ab. Daraus ergibt sich für jede Anteilsklasse das erwartete Alpha nach Kosten, das maßgeblich für die Ermittlung des Ratings ist.

Sie nehmen die Kosten aus den vormals fünf Säulen raus und bewerten sie separat. Was ändert sich dadurch?

Wolfstetter: Dadurch setzen wir die Kosten besser und auch systematischer in Relation zum potenziellen Mehrwert, dem Alpha, einer Strategie. Die Frage ist: Verbleibt nach Kosten noch ein positives Alpha oder nicht? Nur diejenigen Fonds erhalten ein positives Rating, die einen Mehrwert nach Kosten erzielen können. Die Differenzierung nach Gebühren kann sich damit in unterschiedlichen Ratings auf Anteilsklassenebene ausdrücken. Für teure Anteilsklassen wird es schwieriger, ein positives Rating zu erhalten.

Gibt es K.o.-Grenzen oder irgendwelche Deckelregeln für die Kostenquoten?

Wolfstetter: Nein, wir verfahren wie oben beschrieben.

Ab welchem Wert werden Kosten unverschämt?

Wolfstetter: Wir arbeiten nicht mit bestimmten Schwellenwerten. Man könnte aber sagen, dass alle Kosten, die signifikant über dem potenziellen Mehrwert eines Fonds liegen (siehe historische Distribution der Alphas, diese hängt stark von der Kategorie ab) nicht nachhaltig im Sinne der Anleger sind und zu einem negativen Rating führen.

Passiert sowas häufig?

Wolfstetter: Ganz allgemein lässt sich sicherlich sagen, dass viele Fonds in Anbetracht ihres Alphapotenzials mit zu hohen Kosten belastet sind. Das zeigt sich darin, dass so viele aktive Manager ihre Benchmark nach Kosten nicht schlagen können.

Wurden Sie schonmal wegen eines Negativ-Urteils verklagt?

Wolfstetter: In Deutschland nicht. Und soweit ich weiß, auch in anderen Ländern nicht.

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