MS Pago: Ein Schiffsfonds macht hohe Wellen

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Pago Pago ist ein Hafen auf einer samoanischen Insel. „Pago“ heißt aber auf Italienisch und Spanisch auch „ich zahle“. Welche Anleger-Botschaft auch immer der Name des Containerschiffs MS Pago transportiert – auf jeden Fall scheiden sich am Konzept des geschlossenen Fonds, der zurzeit vom Hamburger Emissionshaus DLC Dockland Capital (Tochter der Reederei NSC) über den Münchener Vertrieb Michael Lange Vermögensberatung platziert wird, die Geister.

Hintergrund: Das Geld privater Anleger (rund 13 Millionen Euro) fließt zu 10 Prozent in eine traditionelle Kommanditbeteiligung, zu 90 Prozent in eine sogenannte Rücklage. Am Fonds, dessen Gesamtinvestitionsvolumen rund 35 Millionen Euro beträgt, sind darüber hinaus „Altkommanditisten“ beteiligt, die 944.000 Euro zum Eigenkapital beisteuern - aber keine Rücklage tätigen. Diese sind: Michael Lange und die ML Schifffahrt Verwaltung (Einlage insgesamt 618.000 Euro), NSC (306.000 Euro), DLC (10.000 Euro) und der Mitkonzeptionär MCE (10.000 Euro).

Alt- und Neugesellschafter werden bei den Erträgen unterschiedlich bedient. Erstere bekommen prospektgemäß über die Fondslaufzeit (10,5 Jahre) inklusive Veräußerung des Schiffs einen Gesamtertrag von 1.869,8 Prozent bezogen auf ihre Einlage, „Neukommanditisten“ haben dagegen mit 186,9 Prozent Aussichten auf ein Zehntel davon. ML-Geschäftsführer Philipp Freisem dazu: „Der Kaufpreis des Schiffes beträgt 53,1 Millionen US-Dollar, der Wert ist laut Gutachten rund 68 Millionen Dollar. Gegenüber einem Fonds mit ‚normalen’ Weichkosten von 25 Prozent des Eigenkapitals und Einbringung des Schiffs zum aktuellen Marktwert besteht ein Gesamtvorteil von umgerechnet 14,5 Millionen Euro für die Anleger.“ Mitkonzeptionär Nikolas H. Dierkes, Vorstand beim Emissionshaus MCE, sekundiert: "Bei der MS Pago fallen gegenüber einem klassischen Fondsmodell durch den verzicht auf Vorkosten wie etwa Vertriebsprovisionen und Konzeptionsgebühren sehr geringe Kosten an." Freisem: „Bei einem normalen Fonds hätten die Altkommanditisten, Initiatoren und der Vertrieb ihre Schäfchen im Trockenen.“

Thomas Rogalla, Generalbevollmächtigter beim Hamburger Emissionshaus Solanos, entgegnet: „Generell ist es zu begrüßen, die Vorkosten zu reduzieren und die Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen. Zukunftsweisend wäre es aber gewesen, den Kaufpreis zu 100 Prozent den Anlegern zukommen zu lassen. Es gibt genügend Reedereien, die ihren Finanziers die Schiffe zum Einstandspreis in den Fonds geben und dann durch hohe Erträge mitverdienen lassen.“ Auch gebe es Beteiligungsangebote mit Verdienstteilung zwischen Initiator und Anleger, jedoch in anderer Größenordnung: „Die Höhe des Anteils zugunsten des Vertriebs und seinen Konsorten ist hier allerdings beispiellos. Wenn die Initiatoren so risikofreudig wären, würden sie ebenfalls 90 Prozent in die Rücklage zahlen.“

Die Ergebnisverteilung, so einige Marktteilnehmer, könnte ein weiteres Problem hervorrufen. Nämlich, dass durch die überproportional begünstigten Altkommanditisten die Vorteile der Tonnagesteuer generell vom Bundesfinanzminister wirder zur Disposition gestellt werden. Rogalla: „Bis ins letzte ausgefeilte ‚Meistbegünstigungsregelungen’ wie bei dem MS-Pago-Fonds gefährden die ernsthaften Versuche, den Schiffahrtsstandort Deutschland zu unterstützen.“ Dierkes wiegelt indes ab: „Wir können uns nicht vorstellen, dass eine wie auch immer geartete Ergebnisverteilungsabrede zu einer Änderung der Tonnagesteuerregelung führen kann.“