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Container-Terminal Rotterdam: Angesichts eines langsameren Wachstums sollten sich Anleger gegenüber globalen Aktien vorsichtig und flexibel positionieren.  | © Getty Images

Multi-Asset Handelskonflikt könnte auf Dienstleistungssektor übergreifen

Die Frage „Wo geht die Reise nun hin?“ scheint die Verhandlungsführer bei den Handelsgesprächen, Zentralbanker und Anleger weltweit gleichermaßen zu beschäftigen. Während die Marktteilnehmer sich sorgen, werden wahrscheinlich zwei Dinge eintreten: Die Renditen auf als sicher wahrgenommene Anlagen sinken, und der Preis von Absicherungen gegenüber den Unsicherheiten steigt.

Wir sind der Ansicht, dass die seit Anfang 2018 verzeichnete Rückkehr zu langfristigen Niveaus der Marktvolatilität – nach den niedrigeren Niveaus der vergangenen zehn Jahre – auf eine neue Risikophase hindeutet. In Kombination mit anhaltenden Belastungen für das weltweite Wachstum kommen der Anstieg der Volatilität und die damit verbundenen starken Kurssprünge bei Finanzanlagen für uns nicht sonderlich überraschend.

Aber welche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind zu erwarten? Wo geht die Reise hin? Viele Aspekte, die uns zuletzt Sorgen bereitet haben, sind im ersten Halbjahr 2019 unverändert geblieben. Nur wenige von ihnen wurden ausgeräumt. Anhaltende Sorgen über den europäischen Automobilsektor und Auseinandersetzungen über die Höhe der Steuern, die Unternehmen auf Gewinne aus Online-Geschäften in ausländischen Märkten zahlen sollen, deuten darauf hin, dass die Unsicherheit weiterhin erhöht bleiben dürfte.

Beachtenswert ist vor allem der drastische Vertrauensverlust in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China, obwohl die Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping auf persönlicher Ebene eine ordentliche Arbeitsbeziehung zu haben scheinen. Der erst vor wenigen Wochen beim G20-Gipfel in Osaka vereinbarte Waffenstillstand im laufenden Handelskrieg wurde durch die Ankündigung neuer Strafzölle auf chinesische Waren, die in die USA importiert werden sollen, jedoch beendet.

Wechselkurse als nächster „Kriegsschauplatz“

Weil die USA und China mit einer Beilegung der Streitigkeiten nicht weiterkommen, scheinen die Verantwortlichen Wechselkurse als nächsten „Kriegsschauplatz“ ins Visier genommen zu haben. Beobachter befürchten nicht ohne Grund, der laufende Handelskrieg könnte wettbewerbsorientierte Währungsabwertungen nach sich ziehen: Die chinesischen Behörden scheinen hinsichtlich der Erreichung einer kurzfristigen Einigung bei den Handelsgesprächen weniger optimistisch zu sein und haben daher eine Abwertung des Renminbi unter die Marke von 7 RMB/USD erlaubt. Diese zugelassene freie Anpassung der Währung, so dass diese die schlechter werdenden Fundamentaldaten besser widerspiegelt, veranschaulicht, dass Präsident Xi – zumindest derzeit – mehr Druckmittel in der Hand hat als Präsident Trump.

Trotz all dieser Spannungen ist eine letztliche Einigung nicht undenkbar. Bis auf Weiteres dürfte die Unsicherheit jedoch anhalten.

Je länger die Volkswirtschaften diesen Unsicherheiten unterliegen, desto mehr Neuaufträge werden zurückgestellt und desto stärker werden Investitionspläne gekürzt. Auch wenn sich die großen Industrieländer weitgehend gut halten – die direkten Auswirkungen des rückläufigen Welthandels haben sich im Dienstleistungssektor noch nicht bemerkbar gemacht – ist die Wahrscheinlichkeit von Folgeeffekten gestiegen.

Je stärker die Handelstätigkeit zurückgeht und je länger die Schwächephase anhält, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Probleme nicht auch auf den Dienstleistungssektor –größtes Marktsegment der entwickelten Volkwirtschaften – übergreifen werden. Bislang ist die Beschäftigungslage zwar weiterhin gut, und Verbraucher sind nach wie vor in der Lage, ihr Ausgabenniveau aufrecht zu erhalten. Auch wenn wir auch weiterhin nur wenige Ungleichgewichte sehen und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession nach wie vor eher gering ist, nehmen die Risiken merklich zu.

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