Klaus Dieter Erdmann, Gründer und Geschäftsführer der MMD Multi Manager GmbH

Klaus Dieter Erdmann, Gründer und Geschäftsführer der MMD Multi Manager GmbH

Multi-Asset-Income-Fonds

Wir können alles – außer risikolos

Seit geraumer Zeit gibt es einen Trend zu Multi-Asset-Income-Fonds. Nun springen auch vermehrt die großen Anbieter auf diesen Zug auf und lancieren entsprechende Produkte. In Zeiten, in denen Festgelder und Sparbriefe immer seltener eine Eins vor dem Komma tragen, ist ein gesunder Mix aus dividendenstarken Aktien, Immobilien, hoch verzinsten Unternehmensanleihen und Schwellenländerbonds genau die richtige Zutat für ein erfolgreiches Investieren in der Zukunft, meinen die Initiatoren. Womit sie durchaus Recht haben.

Viele Abnehmer dürften jedoch Schwierigkeiten damit haben, die hinter einem solchen Produkt stehende Investmentidee richtig einzuordnen. Sie bringen „Income“ häufig mit Begriffen wie Sicherheit, Einkommen und Renten in Verbindung. Genau hier setzt das Marketing an: Formulierungen wie „regelmäßige wiederkehrende Erträge“ oder „breite Streuung über verschiedene Anlageklassen“ streicheln die Seele des Investors, der vor allem eines nicht will: Geld verlieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Aber seien wir doch mal ehrlich. Jeder Basispunkt Mehrertrag über dem mittlerweile negativen risikolosen Zins ist mit zusätzlichen Risiken verbunden. Während Erträge von 5 Prozent, die meist als Zielvorgabe der Income-Fonds kommuniziert werden, vor der Finanzkrise noch mit bonitätsstarken Staatsanleihen realisierbar waren, ist das mittlerweile nur unter Inkaufnahme sehr viel höherer Risiken zu bewerkstelligen. Sowohl Beratern als auch Anlegern muss klar sein, dass beispielweise „Anleihen mit hohem Ertragspotential“ das Risiko im Portfolio hebeln, weil sie zwangsläufig eine schlechtere Emittenten-Bonität aufweisen. Damit verbunden ist eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit in Phasen wirtschaftlicher Schwäche, was wiederum höhere Schwankungen und größere maximale Verluste nach sich ziehen kann.

Brisant wird es spätestens dann, wenn das Versprechen „regelmäßig wiederkehrende Erträge“ dazu führt, dass auch in Verlustphasen regelmäßig Ausschüttungen erfolgen. Dann nämlich geht es schnell an die Substanz und die damit verbundene Maxime vermögensverwaltender Produkte – den Kapitalerhalt.

Trotz aller Unwägbarkeiten kommen Multi-Asset-Income-Fonds den Erwartungen und Bedürfnissen vieler Investoren nahe, auch in schwer einschätzbaren Märkten noch stabile Renditen zu generieren. In erster Linie wird es darauf ankommen, aus der Vielzahl des Angebots ein dem Risikoprofil des Anlegers entsprechendes Produkt auszuwählen. Denn nur die Aktienquote als Risikoparameter anzusetzen, das ist durch die Bonitätsverschiebung im Anleihe-Anteil des Gesamtportfolios nicht mehr zeitgemäß und gefährlich. Die Anbieter sind hier in der Pflicht, den Ertragschancen auch offen die korrespondierenden Risiken gegenüberzustellen.

Andererseits müssen aber auch die Berater erkennen, dass es sich bei Multi-Asset-Income-Fonds nicht um die eierlegende Wollmilchsau handelt, sondern um eine zeitgemäße Investmentstrategie im Rahmen von vermögensverwaltenden Fonds. In diesem Segment freilich ist Qualität nicht nur Produkten mit dem Label „Income“ vorbehalten.

Viel Erfolg bei Ihren Anlageentscheidungen

Ihr Klaus-Dieter Erdmann

Über den Autor:

Klaus-Dieter Erdmann ist Gründer und Geschäftsführer der MMD Multi Manager GmbH in Arnsberg. Das Unternehmen hat sich auf die Analyse vermögensverwaltender Fonds spezialisiert und wertet mit Hilfe einer hauseigenen Datenbank kontinuierlich mehr als 1.500 Angebote dieser Produktkategorie aus. Für DER FONDS berichtet Erdmann alle zwei Wochen über neue Trends in der Vermögensverwalterfonds-Szene.

Mehr zum Thema