Roundtable Multi Asset: „Dem Anleger die Dimension des Risikos veranschaulichen“

Seite 2 / 6

Man liest ja auch in Studien, dass da bei den Anlegern so etwas wie eine neue Bescheidenheit eingekehrt sein soll.

Dirk Fischer, Patriarch
Foto: Jens Hannewald

Dirk Fischer: Ich denke, dass das auf der Aktienseite zutrifft und die Phase der Gier, die es vor zehn, 15 Jahren gab, beendet ist. Auf der Zinsseite glaube ich aber, dass die Erwartungen aber immer noch komplett am Markt vorbei gehen. Gerade im Fondsbereich wird vielfach auf die Renditen der Vergangenheit geschaut und erwartet, dass der Fonds diese auch in Zukunft bringen wird. Dabei wissen wir alle, dass es durch diese Niedrigzinsphase im Rentenbereich ein böses Erwachen für viele geben wird – wir wissen nur nicht genau wann.

Reichelt: Festzustellen ist, dass gerade auch im Retailbereich immer mehr Berater und Endkunden sich überwiegend auf sogenannte vermögensverwaltende Fonds konzentrieren. Für den Anleger sind diese Fonds aber per Definition ja „Black Boxes“, da sie nun einmal faktisch in sich eine komplette Vermögensverwaltung sind.  Die konkreten Assetklassen-Gewichtungen kann man hier als Berater nur noch im Nachgang identifizieren da sie laufenden Veränderungen durch die Manager unterliegen. Hierfür braucht es das unbedingte Vertrauen in den Portfoliomanager und seine Qualitäten die richtigen Assetklassen zu allokieren.

Martin Dilg, AB
Foto: Jens Hannewald

Dilg: Wobei diese Flexibilität ja gerade der Vorteil von Multi-Asset-Fonds ist. In unserem Multi-Asset-Fonds, der ausschließlich in den Emerging Markets investiert, hat der Fondsmanager die Möglichkeit, völlig verschiedene Komponenten und Korrelationseffekte zu nutzen: Seien es etwa Schwellenländeraktien, -Staatsanleihen und auch Unternehmensanleihen in Hart- oder Lokalwährung. Im Jahr 2007 gab es hier einen Unterschied von 36 Prozent von der besten zur schlechtesten Assetklasse. 2016 waren es lediglich 3,9 Prozent, 2015 aber wieder 19 Prozent. Die richtige Mischung bringt also auch bei einem kleineren Investmentuniversum einen großen Erfolg.

Fischer: Die klassische Porfoliotheorie nach Markowitz hat meines Erachtens trotzdem nicht ausgedient. Die Grundaussage, nicht alle Eier in einen Korb zu legen und damit das Risiko senken, ist ja nach wie vor richtig. Wo es in der Vergangenheit gehakt hat, war, nicht korrelierende Assets zu finden. In einem Jahr wie beispielsweise 2008 sind alle Assetklassen gefallen, mit Ausnahme von Gold vielleicht. Da konnte ich so viel streuen wie ich wollte, es hatte am Ende keinen Effekt mehr. Doch ich glaube, dass wir seinerzeit alle viel gelernt haben und mittlerweile deutlich besser nicht korrelierende Assets identifizieren können.