Multi-Asset Wie sich das Portfolio auf neue Marktlagen vorbereiten lässt

Stagediving in den USA: Anleger sollten sich mit breitem Rücken den Ungewissheiten am Markt stellen.  | © Getty Images

Stagediving in den USA: Anleger sollten sich mit breitem Rücken den Ungewissheiten am Markt stellen. Foto: Getty Images

Wylie Tollette, Head of Client Investment Solutions bei Franklin Templeton Multi-Asset Solutions

Am 9. April senkte der Internationale Währungsfonds seinen Ausblick für das weltweite Wachstum im Jahr 2019 auf das niedrigste Niveau seit 2009, dem Ende der weltweiten Finanzkrise. Viele Anleger beginnen sich zu fragen, ob das langsamere Wachstum zu einer weltweiten Rezession führen und sich zugleich jene Volatilität wiederholen könnte, die zum Ende des vergangenen Jahres zu beobachten war.

Auf kurze Sicht halten wir eine Rezession für nicht sehr wahrscheinlich. Dennoch sind die  weltweiten Märkte 2018 unserer Auffassung nach in ein neues Volatilitätsregime eingetreten. Seit der Finanzkrise bis 2018 war die Volatilität aufgrund der Zentralbankmaßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft relativ gering gewesen. Da diese Interventionen allmählich nachlassen, erwarten wir, dass die Volatilität auf normalere Basisniveaus zurückkehren wird.

Die Unsicherheit bei den Vorhersagen über Zinssätze, Inflation und Unternehmensgewinne könnte daher mit der Verlangsamung des weltweiten Wachstums zunehmen. Da die Märkte Sicherheit schätzen, dürfte die Volatilität unserer Ansicht nach in den kommenden Jahren höher sein als in den vergangenen Jahren.

Vor diesem Hintergrund sollten insbesondere jene Anlegern, die größere Teile ihres  Portfolios an das weltweite Wachstum gekoppelt haben, dringend drei Maßnahmen in Erwägung ziehen, um ihre Portfolios auf die mögliche Rückkehr zu einer aus unserer Sicht normalen Marktvolatilität vorzubereiten.

1. Prüfung des Zeithorizonts

Wofür ist das angelegte Geld gedacht und wann wird es gebraucht? Falls die Kapitaleinlagen eher früher als später benötigt werden, ist dieser Bedarf in der Asset-Allokation zu berücksichtigen.

Anleger kurz vor dem Ruhestand haben oft einen erhöhten Cashflow-Bedarf. Sie müssen sicherstellen, dass sie sich erfolgreich aufstellen, indem sie den zwangsweisen Verkauf längerfristiger, wachstumsgetriebener Vermögenswerte vermeiden. Jüngere Anleger mit vielen Jahren bis zum Ruhestand haben hingegen einen längeren Zeithorizont. In diesem Fall dürften ihnen Marktabschwünge zugutekommen, weil sie ihre Positionen bei tieferen Kursen aufstocken können.

Wer auf Anlagen angewiesen ist, um kurzfristige Verpflichtungen der täglichen Lebenshaltung zu bedienen, sollte keinesfalls nur langfristige Anlagen halten. Wer bei rückläufigen Märkten zu Verkäufen gezwungen ist, bewirkt das genaue Gegenteil dessen, was erreicht werden soll – langfristiger Kapitalaufbau. Soll der Kapitalaufbau wiederum einem langfristigen Ziel wie beispielsweise der Altersvorsorge dienen, kann der Besitz kürzerlaufender Vermögenswerte langfristig ebenfalls zu suboptimalen Ergebnissen führen.

Für Pensionsfondsmanager und Privatanleger gilt deshalb gleichermaßen: Die Prüfung dessen, wofür das Geld verwendet wird und wann es gebraucht wird, ist der erste Schritt, um die Erreichung der gesetzten Ziele wahrscheinlicher zu machen.

2. Stresstest für das Portfolio

Bis zur Finanzkrise dachten viele Anleger, ihre Risikotragfähigkeit zu kennen. Doch ihnen wurde eine Lektion erteilt. Sobald sie dieses Risiko in der Wirklichkeit erlebten, bemerkten viele, dass sie sich übernommen hatten.

Ähnlich wie bei der Prävention von Waldbränden müssen die „Schutzstreifen“ im Portfolio vor dem Ausbruch des Feuers eingerichtet werden. Deshalb sollten Anleger ihr Portfolio mit einem Stresstest für volatilere Märkte – sogenannte „Extremereignisse“ – auf Herz und Nieren prüfen.

Stresstests können außerdem dazu beitragen, Risiken gegenüber den Unwägbarkeiten des Wirtschaftswachstums zu erkennen, die sich unter Umständen an unerwarteten Stellen im Portfolio verstecken. Unserer Erfahrung nach sollten Anleger nicht nur ihre Risiken bei Aktien, sondern auch bei Unternehmensanleihen, Immobilien und ihrem Arbeitseinkommen kennen. Anleger sollten all diese Risiken in ihren Stresstest-Szenarien und bei der Prüfung und Feinjustierung ihrer tatsächlichen Risikotragfähigkeit berücksichtigen.