Die Munich Re ist aus mehreren internationalen Nachhaltigkeitsbündnissen ausgetreten. Das betrifft die „Net Zero Asset Owner Alliance“ (NZAOA) und die „Net Zero Asset Managers Initiative“ (NZAMI) ebenso wie die Initiative „Climate Action 100+“ und die „Institutional Investors Group on Climate Change“. Andere deutsche Versicherer planen dem Beispiel derzeit nicht zu folgen, wie aus einem aktuellen Bericht des „Handelsblatt“ hervorgeht.

Versicherer gehören zu den größten institutionellen Investoren weltweit. Durch die Mitgliedschaft beispielsweise in der NZAOA, die 2019 von den Vereinten Nationen initiiert wurde, verpflichten sie sich, ihre gesamten Anlageportfolios bis 2050 auf Netto-Null-Emissionen umzustellen und damit einen Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu leisten, wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Zwischenzeitlich hatten sich über 80 institutionelle Großinvestoren dem freiwilligen Bündnis angeschlossen, darunter Banken, Versicherungen und Pensionsfonds. 

Wie die Munich Re den Rückzug begründet 

Der weltweit größte Rückversicherer Munich Re begründet den jetzigen Rückzug mit gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. „Wir beobachten eine zunehmende Unklarheit bei der Beurteilung privater Initiativen im Rahmen der gesetzlichen und regulatorischen Regelungen in verschiedenen Rechtsräumen, was möglicherweise zu widersprüchlichen regulatorischen Anforderungen und damit verbundener Rechtsunsicherheit führt“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung.

Außerdem seien klimabezogene Berichtspflichten und der damit verbundene administrative Aufwand für internationale Konzerne auch durch uneinheitliche Regulierungen und unterschiedliche Mitgliedschaften sehr komplex geworden, wie das Unternehmen erklärte. Sie stünden zudem nicht im Verhältnis zur erzielten Wirkung im Klimaschutz.

In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte Vorstandschef Joachim Wenning zuletzt: „All die Berichtspflichten, die Unternehmen über ihren CO₂-Fußabdruck erfüllen müssen, haben nicht zu weniger Emissionen geführt. Sie haben weltweit nach dem Knick während der Pandemie sogar weiter zugenommen.“ Wennning bezeichnete einen höheren CO₂-Preis als einzig wirksames Instrument. Der sei jedoch politisch nicht durchsetzbar. 

Munich Re will unabhängigen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Insofern stellt sich, die Frage nach den Konsequenzen der Austritte? Als Rückschlag der eigenen Nachhaltigkeitsbestrebungen will die Munich Re die Maßnahme offenbar nicht verstanden wissen. „Wir sind überzeugt davon, autonom unsere Klimaziele fokussierter und zielgerichteter verfolgen und damit zugleich nicht regulatorisch vorgeschriebene Berichtspflichten und auch rechtliche Unsicherheiten vermeiden zu können“, wie es aus dem Unternehmen heißt. 

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Der Klimaschutz bleibe für Munich Re ein unvermindert dringliches Anliegen. „Wir verfolgen weiterhin das Ziel, unseren Beitrag zum Erreichen der Paris Klimaziele zu leisten. Munich Re hat die selbst gesetzten Klimaziele im Zwischenschritt bis 2025 erreicht oder übertroffen. Neue Klimaziele werden am Jahresende 2025 im Rahmen der neuen Unternehmensstrategie bekannt gegeben werden“, heißt es weiter.

Laut Angaben auf der Homepage engagiert sich die Munich Re ebenso wie ihre Asset-Management-Tochter Meag nach wie vor für die Einhaltung der „Principles for Responsible Investment“ der Vereinten Nationen (UN PRI). Der Versicherungskonzern hatte die PRI als eines der ersten deutschen Unternehmen im Jahr 2006 und Meag im Jahr 2021 unterzeichnet. Die sechs Prinzipien wurden von Anlegern für Anleger entwickelt und ermöglichen verschiedene Maßnahmen zur Integration von ESG-Aspekten in Anlageprozessen.

 

Nicht der erste Rückzug

Bereits vor zwei Jahren hatte das Unternehmen als eines der Gründungsmitglieder eine Mitgliedschaft in der „Net-Zero Insurance Alliance“ (NZIA) beendet. Kurze Zeit später kehrten auch die Konkurrenten Zurich und Hannover Rück der Initiative den Rücken. Insgesamt sind sechs der acht Gründungsmitglieder nur zwei Jahre nach Gründung die UN-Initiative wieder ausgetreten.

Munich-Re-Vorstandschef Joachim Wenning erklärte damals: „Die Möglichkeiten, im kollektiven Schulterschluss der Versicherungsindustrie weltweit Dekarbonisierungsziele zu verfolgen, ohne materielle Kartellrechtsrisiken einzugehen, sind nach unserer Einschätzung so begrenzt, dass es wirksamer ist, unsere Klimaambition zur Reduktion der globalen Erderwärmung selbstständig als Unternehmen weiterzuverfolgen.“ 

Asset Manager und Banken ziehen sich ebenfalls zurück

Vor dem Start von Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident mussten umweltorientierte Investorengruppen Rückschläge hinnehmen und verloren Mitglieder. Unter anderem kündigte der weltweit größte Asset Manager Blackrock am 9. Januar des Jahres seinen Rückzug aus der Nachhaltigkeitsinitiative NZAMI an. Die etwa 325 Mitglieder der internationalen Gruppe von Vermögensverwaltern halten Assets im Gesamtwert von etwa 57,5 Billionen US-Dollar.

Auch die „Net-Zero Banking Alliance“, eine Gruppe globaler Banken, die sich dazu verpflichtet haben, ihre Kredit-, Investitions- und Kapitalmarktaktivitäten bis 2050 auf Netto-Treibhausgasemissionen von Null auszurichten, leidet unter dem Rückzug ihrer Mitglieder. Vor dem Start von Trumps zweiter Amtszeit stiegen die großen US-Banken scharenweise aus dem größten Klimabündnis der Branche aus. Trump hatte wiederholt Unternehmen, die Klimaschutzmaßnahmen ergreifen, kritisiert.