Die Munich Re hat ehrgeizige Ziele bis zum Jahr 2030 formuliert und kündigt ein umfassendes Kostensparprogramm an. Analysten reagieren positiv auf die Pläne des Konzerns.
Der Rückversicherer Munich Re verspricht kräftig wachsende Gewinne.| Bildquelle: Imago Images / Sven Simon
Die Munich Re hat mit der Mehrjahresstrategie „Ambition 2030“ Ihre Unternehmensausrichtung für die kommenden Jahre präsentiert und dabei sowohl ambitionierte Wachstumsziele als auch ein substanzielles Effizienzprogramm angekündigt.
Aktuelles Strategieprogramm über Planerfüllung
Die Grundlage ist das aus Sicht des Konzerns hervorragende Abschneiden mit dem aktuellen Strategieprogramm „Ambition 2025“. Dieses wird voraussichtlich in allen Punkten übertroffen. Was das Konzernergebnis angeht, dürfte der Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf erwartete sechs Milliarden Euro im laufenden Jahr wachsen. 2026 werden dann 6,3 Milliarden Euro angepeilt.
Vorstandschef Joachim Wenning sagte: „Munich Re ist wirtschaftlich so stark wie nie zuvor. Wir erzielen Jahr für Jahr Rekordergebnisse und werden voraussichtlich alle finanziellen und nichtfinanziellen Ziele der auslaufenden Ambition 2025 übertreffen. Unser Konzernergebnis ist dank der zunehmenden Diversifizierung der Ertragstreiber noch stabiler geworden.“
Eigenkapitalrendite und Aktionärs-Ausschüttungen sollen deutlich steigen
Das Motto der neuen Fünfjahresstrategie lautet: „Outpeak, Outpace, Outperform“. Zusammengefasst will sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenz bei den Underwriting- und Investmententscheidungen konzentrieren. Parallel dazu soll die Organisation auf Effizienz, Schnelligkeit und Agilität getrimmt werden, um die führende Marktposition und die Eigenkapitalrendite auszubauen.
Bei der Vorstellung des neuen Strategieprogramms wurden diesbezüglich auch konkrete Zielzahlen verkündet: Die Eigenkapitalrendite soll bis Jahresende 2030 über 18 Prozent liegen, der Gewinn je Aktie soll pro Jahr um durchschnittlich mehr als 8 Prozent wachsen. In den vergangenen fünf Jahren zahlte die Munich Re im Durchschnitt 75 Prozent der Gewinne an die Aktionäre aus, als Dividende und über Aktienrückkäufe. Künftig will die Gruppe 80 Prozent des Gewinns dafür verwenden. Die Solvenzquote soll zudem stabil oberhalb von 200 Prozent bleiben.
Wie Erst- und Rückversicherungsgeschäft wachsen sollen
Bei der Rückversicherungseinheit der Munich Re soll der Versicherungsumsatz bis 2030 auf 48 bis 57 Milliarden Euro steigen. Gerade im Leben/Gesundheit-Geschäft verspricht man sich ein überproportionales Wachstum – etwa durch biometrische Risiken, Langlebigkeitslösungen und internationale Großtransaktionen von Lebensbeständen.
Bei der Erstversicherungs-Tochter Ergo soll im Zieljahr der Umsatz auf 26 bis 30 Milliarden Euro gestiegen sein. Bei den Düsseldorfern zählt zu den strategischen Zielen auch eine Überarbeitung der Produktpalette und eine stärkere Fokussierung auf digitale Vertriebskanäle.
Dominanz der Schaden- und Unfall-Rückversicherung soll sinken
Ein zentrales Element des Mehrjahresplans bis 2023 ist eine breite geschäftliche Aufstellung. Die vier großen Säulen Ergo, Rückversicherung Schaden/Unfall, Rückversicherung Leben/Gesundheit sowie Global Specialty Insurance sollen zunehmend gleichmäßiger zum Ergebnis beitragen.
Bisher dominierte hier der Anteil der Schaden- und Unfall-Rückversicherung, dessen Anteil in der Folge sinken soll. In diesem Geschäftsfeld muss die Munich Re seit Anfang 2025 nach Jahren starken Prämienwachstum Preisrückgänge hinnehmen, sodass weitere große Gewinnsprünge in diesem Geschäft nicht zu erwarten sind, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) schreibt.
Konkret soll bis 2030 der Anteil der weniger zyklischen Bereiche am Gesamtertrag von heute etwa 50 Prozent auf rund 60 Prozent steigen und damit die Schwankungen im Naturkatastrophengeschäft abfedern.
Führungswechsel: Jurecka stellt bereits neue Strategie vor
Ein bedeutender Aspekt der strategischen Neuausrichtung ist auch der bevorstehende Führungswechsel an der Konzernspitze. Der derzeitige Finanzvorstand Christoph Jurecka (50) wird zum Jahresbeginn den Vorstandsvorsitz des 60-jährigen Wenning übernehmen, der sich gegen eine Verlängerung seines Vertrags entschieden hatte. Die nun vorgestellte ambitionierte Strategie wird somit maßgeblich von Jurecka umgesetzt werden müssen.
Analysten bewerten dies laut „Handelsblatt“ positiv, da Jurecka als ausgewiesener Finanzexperte die Hebel zur Erreichung der Renditeziele genau kenne und bereits intensiv in die strategische Planung eingebunden gewesen sein soll. Auch die Strategie selbst wird von Analysten laut der Medienberichte weitgehend positiv beurteilt und zugleich die Ziele als realistisch eingeschätzt.
Jurecka sagte der Vorstellung: „Wir wollen noch höher hinaus in jeder Hinsicht, um 2030 an der Spitze des Wettbewerbs zu stehen. Hierfür werden wir Geschäft in allen Segmenten profitabel ausbauen. Unsere Aktionäre werden wir noch stärker an den erwirtschafteten Ergebnissen beteiligen. Unseren Kunden stehen wir dank unserer Kapitalstärke konsistent über Marktzyklen hinweg zur Seite. Der Abbau interner Komplexität und die Kombination unseres marktführenden Knowhows mit künstlicher Intelligenz machen uns zudem schneller.“
Sparprogramm könnte Stellenabbau beinhalten
Geplant sind aber auch stärkere Einsparungen. „Auf der Kostenseite wollen wir Komplexität reduzieren und jährlich wiederkehrende Einsparungen bis 2030 auf etwa 600 Millionen Euro erhöhen, um so inflationsbedingten Kostensteigerungen entgegenzuwirken.“ 2026 sollen davon schon 200 Millionen Euro erreicht werden. Besonders die Kapitalanlage soll von Künstlicher Intelligenz und optimierten Strukturen profitieren: Die Rendite soll bis 2030 auf 3,4 bis 3,8 Prozent steigen.
Auf die Frage, ob die Einsparungen auch durch Arbeitsplatzabbau erreicht werden sollen, sagte Wenning: „Nein, soweit ich das beurteilen kann, wird das nicht so sein.“ Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass derzeit Gespräche mit der Arbeitnehmerseite laufen. „Wenn wir so weit sind, dass die ganzen Sozialverhandlungen abgeschlossen sind, dann können wir auf diese Frage auch besser antworten.“ so Wenning weiter. Diese Aussage dürfte laut „SZ“-Bericht ein Indiz für einen geplanten Personalbau sein.
Dabei dürfte nicht reichen, dass in den kommenden fünf Jahren viele Beschäftigte laut Jurecka in den Ruhestand gehen, sodass ein Personalabbau primär über natürliche Fluktuation erfolgen könnte. Aktuell beschäftigt der Konzern insgesamt rund 43.600 Mitarbeiter.
Bastian Hebbeln ist ausgebildeter Industriekaufmann und studierter Diplom-Ökonom. Nach einem Volontariat bei den Tageszeitungen des Schleswig-Holsteinischen-Zeitungsverlags, arbeitete er viele Jahre in der PR. Im Juli 2023 wechselte er als Redakteur zu DAS INVESTMENT. Schon seit mehreren Jahren liegt sein Schwerpunkt auf Themen der Versicherungswirtschaft. Dabei kümmert er sich vor allem um eine enge Vernetzung mit der Branche, den persönlichen Kontakt zu Vermittlern und neue inhaltliche Formate.
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