Musterdepot-Kommentar vom 10. Juni 2016 Offensives Depot: Keine Angst vor möglichem Brexit

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Eine ebenfalls im Februar hinzugekommene, bis Dezember 2050 laufende Anleihe von Unicredit besitzt derzeit sogar eine laufende jährliche Verzinsung von 11 Prozent. „Da wir das Papier zu einem Kurs von 38 Prozent gekauft haben und die Kuponzahlungen für die nächsten Jahre als wahrscheinlich ansehen, spielt der Umstand, dass die Rückzahlung in 35 Jahren in Aktien des Unternehmens erfolgt, aus Barwertsicht praktisch keine Rolle“, erläutert Rathausky.

Sollte es am Ende ein „Yes“ geben, Großbritannien also EU-Mitglied bleiben, erwartet Rathausky eine Erleichterungs-Rally. Davon würde sein derzeit zu rund 70 Prozent aus Aktien bestehendes Portfolio zweifellos profitieren. Für den Fall stärkerer, durch ein „No“ ausgelöster Turbulenzen stehen in Kürze auslaufende Geldmarktersatzanleihen bereit, mit denen Rathausky und Muhle dann den Anteil ihrer Favoriten weiter aufstocken könnten.

Die mitunter recht starken Schwankungen, die ein solcher Anlageprozess mit sich bringen kann, versuchen die Manager von Long-Short-Fonds wie dem ebenfalls im offensiven Depot vertretenen Danske Europe Long-Short Dynamic nach Möglichkeit zu vermeiden. Dafür investiert Danske-Manager Peter Rothausen in 25 bis 35 verschiedene Strategien, von denen jede aus einer Kombination von Long- und Short-Positionen besteht. Wie er dabei im Einzelnen vorgeht, beschreibt er detailliert in einem aktuellen Interview auf private banking magazin.de – ebenso seine Erwartungen für das zweite Halbjahr.

Auf das Thema Brexit angesprochen, hält sich Rothausen allerdings mit konkreten Aussagen zurück. Stattdessen verweist er auf einen jüngst erschienenen Kommentar von Chefanalyst Bo Bejstrup Christensen, der die offizielle Hausmeinung wiedergibt. Diese wiederum deckt sich durchaus mit Rathauskys Botschaft: Sollte Großbritannien tatsächlich für einen Austritt aus der EU stimmen, sei dies nicht das Ende der Welt.

Als Folge eines solchen Szenarios erwartet Christensen jedoch eine „langwierige politische Unsicherheitsphase“, die zu Lasten des Wachstums ginge. In den meisten Danske-Mischfonds haben die jeweils verantwortlichen Manager deshalb die Aktienquote im Vorfeld des Referendums leicht reduziert, insbesondere in Europa.

Was die Performance betrifft, so kann Rothausen mit dem Danske Europe Long-Short Dynamic bislang nicht an die exzellenten Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Schaffte er 2015 ein Plus von mehr als 13 Prozent, liegt er von Jahresbeginn an gerechnet mit 1,2 Prozent im Minus – und damit in ähnlicher Größenordnung wie der Acatis Gané Value Event (minus 1,9 Prozent) und das offensive Depot insgesamt (minus 1,1 Prozent).

Offensives Depot: Noch überwiegen die negativen Vorzeichen

     
Fonds Datum erste
Aufnahme
Stücke akt. Wert
in Euro
Depot-
Anteil
Gewinn/
Verlust
Acatis Gané Value Event UI 12/31/2015 31,872 6.840,64 13,8% -1,9%
Allianz Discovery Europe Strategy 12/31/2015 62,859 6.754,22 13,7% -3,9%
BHF Value Leaders FT 12/31/2015 88,771 5.812,69 11,8% -4,0%
BL Emerging Markets 12/31/2015 33,44 5.233,07 10,6% 3,5%
Danske Europe Long-Short Dynamic 12/31/2015 590,568 6.922,05 14,0% -1,2%
Invesco Global Structured Equity 12/31/2015 139,488 5.648,70 11,4% -6,2%
Starcap Argos 12/31/2015 36,422 5.261,37 10,6% 4,9%
Value Intelligence Fonds AMI 12/31/2015 71,174 6.982,21 14,1% -0,2%
Gesamt-Depot 49.454,95 100,0%
Depot-Start am 31.12.2015 mit 50.000 Euro Gewinn/Verlust seit
01/01/2016
-1,1%
Vergleichs-Ergebnisse von fünf repräsentativen Mischfonds, die ein vergleichbares Anlageziel verfolgen
BHF Flexible Allocation FT -4,6%
Blackrock Global Allocation -3,4%
DJE Concept -3,6%
FvS Multiple Opportunities 1,4%
M&G Dynamic Allocation 1,6%
Quelle: DER FONDS/Bloomberg/Infos GmbH Investment Fonds Selection
Auswertungstag: 7. Juni 2016
Quelle: 7. Juni 2016


Im Vergleich zu manch anderen Strategien und Investment-Klassikern ist das jedoch gar nicht mal so schlecht – auch wenn das defensive Depot (plus 1,2 Prozent) und vor allem das Turnaround-Depot (plus 6,1 Prozent) momentan besser laufen. Änderungen in der Zusammensetzung gibt es deshalb derzeit bewusst nicht: Das Risiko, mit einem deutlich defensiveren Mix von einem positivem Ausgang des Briten-Referendums auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, erscheint größer als das Risiko, bei einem Brexit mit den derzeitigen Depot-Bausteinen überdurchschnittliche Verluste erleiden zu müssen.

Den aktuellen Stand aller vier Depots per 7. Juni sehen Sie hier.

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