Die Zeit der Prognosen und Jahresausblicke naht. Viele Experten werden in den nächsten Wochen ihre Einschätzungen zu den Kapitalmärkten abgeben und versuchen, anhand verschiedener Parameter vorherzusagen, wie sich die Aktien und Co im kommenden Jahr entwickeln werden.

Ob Dax und Dow wieder nachhaltig steigen, Gold wieder „en vogue“ sein wird, die Ölpreise sich entspannen und der Euro die Parität zum US-Dollar hinter sich lässt, so dass nicht nur der USA-Urlaub günstiger wird, sondern auch das Investment an der Wall Street. Und viele AnlegerInnen werden diese Prognosen konsumieren mit dem Ziel, ihnen zu folgen, möglichst günstig, also „unten“, in die Märkte einzusteigen und möglichst „oben“ Gewinne mitzunehmen. 

Genau das ist die Vorstellung vieler Anleger von der Börse. Doch das gelingt den wenigsten. Denn auf Dauer ist es kaum möglich, den Markt zu schlagen, immer richtig zu liegen. Die Prognosen, auf denen die eigenen Anlageentscheidungen beruhen, können nämlich richtig oder falsch sein. Auch die Mehrheit der Fondsmanager – Profis auf ihrem Gebiet wohlgemerkt – schafft es langfristig nicht, mittels des richtigen Timings den Markt zu schlagen, wenngleich das in dem einen oder anderen Jahr durchaus auch einmal gelingt.

Die Kurse enthalten alle Informationen

Aber warum ist das so, dass Prognosen meist falsch sind? Im Kern sind es zwei einfache Erkenntnisse:

  1. Die Vergangenheit ist ein schlechter „Predictor“ für die Zukunft.
  2. An hocheffizienten Märkten wie Börsen gibt es keine verwertbaren Informationsvorsprünge. 
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Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Eugene Fama hat das mit seiner Effizienzmarkttheorie bestätigt: Gerade weil in den aktuellen Kursen alle verfügbaren Informationen und Daten enthalten sind, bieten Prognosen demnach nichts, was dem Markt nicht schon bekannt ist. Die gegenwärtigen Kurse sind von vorangegangenen Informationen gemacht; keiner weiß aber, welche Nachricht, welches Ereignis die Kurse als nächstes beeinflusst. Die Conclusio von Eugene Fama: Der Einzelne kann auf Dauer nicht besser sein als der Markt. Soweit die Theorie, die die Praxis immer wieder bestätigt. 

Eine Studie des Robo Advisors My-si über die Marktprognosen der Leitindizes Dax und Dow Jones der vergangenen zehn Jahre zeigt zum einen, dass die tatsächliche Marktentwicklung eine deutlich höhere Schwankungsbreite aufweist, als die Prognosen das vorherzusehen versuchen und dass die meisten Schätzungen darüber hinaus falsch liegen. Dazu hat My-si mehr als zwei Dutzend Bankprognosen über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgewertet und diese Schätzungen mit den tatsächlich erreichten Kursen abgeglichen.

Studie: Große Abweichungen bei Prognosen

Ergebnis 1: Die Spannbreite der Dax-Prognosen eines Jahres weicht um bis zu 30 Prozent vom Durchschnitt der abgegebenen Prognosen ab, bei den Prognosen für den Dow-Jones-Index sind es sogar mehr als 40 Prozent (siehe Grafik oben). 20 bis 30 Prozent Abweichungen von der Durchschnittsprognose sind der Normalfall. 

 

Das Dilemma des Anlegers liegt bei solchen Abweichungen auf der Hand: Welcher Prognose soll er für die eigenen Anlageentscheidung Glauben schenken? Wie die richtige Prognose unter den vielen herausfiltern? Fakt ist: Kein Institut schlägt mit der Treffsicherheit seiner Prognosen die Konkurrenz dauerhaft. Als Richtschnur könnte man daher lediglich den Durchschnitt aller Prognose nehmen. Zu hoffen wäre, dass dieser eine verlässlichere Aussage über die Zukunft gibt.