Bei ihren Nettotarifen kalkulieren Versicherer ihre Policen ohne Provisionen für die Vermittler. Stattdessen setzen sie beispielsweise auf den Vertrieb über Honorarberater, die direkt vom Kunden bezahlt werden. Ganz auf das Geschäft mit diesen besonders kostentransparenten und tendenziell günstigeren Produkten hat sich der Lebensversicherer Mylife spezialisiert. Was deren Vertriebserfolg hierzulande blockiert, wollten die Göttinger jetzt im Rahmen einer Studie mit dem Marktforschungsinstitut Innofact herausfinden. 

Interesse an Nettoversicherungen 

In der Umfrage ging es um den Wissensstand der Endverbraucher hierzulande über die Vergütung der Berater und Vermittler von Produkten zur Altersvorsorge. Demnach gaben 91,1 Prozent der Befragten an, dass sie das Konzept der Nettopolicen bislang noch nicht kannten. Nach einer kurzen Erläuterung sagten 73,4 Prozent der Befragten, dass solche Versicherungstarife für sie interessant klingen. Das gilt insbesondere für die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen und auch unter den 30- bis 49-Jährigen bekundete die Mehrheit Interesse. 

Jens Arndt © myLife Lebensversicherung

Bereitschaft zur Honorarzahlung 

Aber 94,1 Prozent aller Teilnehmer wissen gar nicht, ob sie auch bei ihrem Finanzberater Nettopolicen abschließen könnten. Als Honorar wären die Teilnehmer im Durschnitt bereit, ein von 633 Euro zu zahlen. Dieser Wert ergab sich bei einer Frage zum Musterfall eines 30 Jahre lang laufenden Vertrags mit einer Beitragssumme von 36.000 Euro. Als Voraussetzung wurde angenommen, dass ein wirtschaftlicher Vorteil bei der Ablaufleistung von mehr als 10.000 Euro zu Gunsten des Nettoprodukts besteht. 

Wert der Beratungs- und Vertriebsleistung 

„Werden Kunden zu einer Nettoversicherung informiert, sind sie mehrheitlich daran interessiert und auch bereit, ein Honorar zu zahlen“, zieht Mylife-Vorstandsvorsitzender Jens Arndt als Fazit der Studie. Doch nur wenige Endverbraucher kennen provisionsfreie Versicherungen und Möglichkeiten zur Honorarberatung. Nur wenige Kunden könnten „die Höhe der tatsächlichen Vertriebskosten und damit den Wert der Beratungs- und Vertriebsleistung im Bereich der Lebensversicherung“ realistisch einschätzen.  

 

„Es bedarf hier weiterer Aufklärungsarbeit und höchstmöglicher Transparenz im Rahmen der Altersvorsorgeberatung“, so Arndt weiter. „Finanzberater, die auf Honorarberatung setzen, vereinbaren mit Ihren Kunden ihre Vergütung transparent, individuell und leistungsbezogen. Kunden profitieren ebenso. Denn durch geringe Produktkosten und die Konzeption eines Nettotarifs ohne Provisionen können die Produkte – auch durch den Zinseszinseffekt – mehr Geld erwirtschaften.“