Nach dem Wahlsonntag – wie geht es weiter?

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Unsere Einschätzung

In Athen scheinen Hopfen und Malz verloren. Mit dem neuen Parlament wird eine stabile Mehrheit für einen Konsolidierungskurs nicht zu erreichen sein. In der vergangenen Woche hat sich die Ratingagentur Fitch mit neuen Szenarien zum Fortgang der EWU-Schuldenkrise zu Wort gemeldet. Im Hauptszenario geht Fitch zwar weiterhin von einem „Durchlavieren“ aus, aber die Agentur hat auch fünf Extrem-Szenarien beleuchtet, die zwar nur wenig wahrscheinlich, aber nicht gänzlich unwahrscheinlich sind. Unter diesen fünf Szenarien besitzt der Ausstiegs Griechenland aus der Währungsunion die höchste Wahrscheinlichkeit. Dieser Wertung würden wir uns mit Blick auf unsere Szenarien 1. Übergang zur politischen Union (75 %), 2. Default-Szenario innerhalb der EWU (20 %), 3. Auseinanderbrechen der Währungsunion (5 %) – anschließen. Ungeachtet der Wahlen am Sonntag in Frankreich und Griechenland sehen wir den Euroraum als Ganzes – ein möglicher Austritt Griechenlands ausgenommen – nicht gefährdet. Ein solcher Austritt ist Bestandteil unseres zweiten Szenarios.

Mit dem Machtwechsel in Paris bröckelt zwar die Front hinter dem Sparkurs in der EWU. Allerdings handelt auch der neue Präsident Hollande unter dem Druck der Märkte. Nachdem Frankreich bereits bei S&P sein AAA-Rating eingebüßt hatte, und zudem bei allen drei Agenturen einen negativen Ausblick aufweist, dürfte der Spielraum für Experimente mit einer stärkeren Schuldenaufnahme zur Anregung des Wirtschaftswachstums gering und ein „Alleingang“ nahezu ausgeschlossen sein. U.E. wird Hollande die im Wahlkampf gemachten Versprechungen nicht realisieren können. Wahrscheinlich wird es indes einige Zeit beanspruchen, bis Deutschland und Frankreich wieder eine gemeinsame Linie gefunden haben werden. Der Kompromiss zwischen dem Fiskalpakt und den Forderungen nach einem Ende der Austeritätspolitik könnte ein Wachstumspakt sein. In der Zeit bis dahin könnten der Euro aufgrund der Ungewissheit über die neue Linie unter Druck bleiben und die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen steigen.

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