Nach einem Brexit

Frankfurt könnte Finanz-Hauptstadt Europas werden

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Die britische Finanzdienstleistungsbranche beschäftigt rund 1,4 Millionen Menschen und lockt die meisten Direktinvestitionen unter den reichen Nationen an, heißt es in einem am Dienstag vorgelegten Bericht von S&P. Ein Austritt aus der EU würde demnach zu einer Verringerung der Direktinvestitionen in Großbritannien und insbesondere in den Finanzdienstleistungssektor führen und die Kosten für die Geschäftstätigkeit erhöhen. „Dieser Trend würde sich potenziell verstärken, wenn sich Großbritannien außerhalb des gemeinsamen EU-Wirtschaftsraums befindet oder die Freizügigkeit von Arbeitnehmern beschränkt würde“, schrieben die S&P-Analysten um Frank Gill in Madrid. „Es ist zu erwarten, dass ausländische Bankenkonzerne einen Teil ihrer Handelsaktivitäten von London weg verlagern würden.“

Die Deutsche Bank hatte im Mai erklärt, sie prüfe die Auswirkungen eines britischen EU-Austritts auf ihr Geschäft und erwäge Optionen, wie die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Deutschland.

Der britische Premierminister David Cameron, dessen Partei der Konservativen bei den Wahlen am 7. Mai einen Überraschungssieg erringen konnte, hat bis Ende 2017 ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens versprochen.

Das Land exportiert fast die Hälfte seiner Güter und Dienstleistungen in die EU. Im vergangenen Jahr entsprach dies einem Wert von 227 Milliarden Pfund (319 Milliarden Euro). Ausländische Unternehmen mit Sitz in Großbritannien erhalten einen zollfreien Zugang zu einem Markt mit 500 Millionen Menschen in 28 Ländern.

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