Nach Franken-Freigabe

Gibt auch Dänemark die Anbindung auf?

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Investoren und Händler, die mit Dänemarks drei Jahrzehnte währender Verteidigung der Kronen-Anbindung wenig vertraut sind, dürften sich wohl wundern, ob das Land nach der Schweizer Entscheidung seine Währungs-Politik aufrechterhalten kann. Das sagte Jan Stoerup Nielsen, ein Analyst bei Nordea, im Interview mit Bloomberg News.

“Wenn eine Zentralbank über Nacht ihre Devisen-Anbindung aufgibt, führt das offentsichtlich zu der Frage, ob die dänische Zentralbank die nächste ist”, erklärte Nielsen. “Die Schweizer haben auch eine dramatische Zins-Änderung vorgenommen, die Dänemark beeinflussen dürfte.”

Konkurrent Danske Bank erklärte, Dänemark werde womöglich dazu gezwungen sein, auf den SNB-Schritt mit einer Zinssenkung zu reagieren. Die Nachrichten aus der Schweiz könnten die “dänische Zentralbank zu einer Reaktion zwingen, um zu verhindern, dass die Krone gegenüber dem Euro zu stark aufwertet”, schrieb Jens Naervig Pedersen, führender Analyst bei Danske, in einer Notiz an die Kunden seiner Bank.

Zentralbank-Sprecher Karsten Biltoft stand nicht umgehend für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Die SNB hatte am Donnerstag überraschend ihren Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben und sich damit von einer seit drei Jahren verfolgten Politik der Frankendeckelung verabschiedet. Der Franken markierte daraufhin ein Rekordhoch. Die SNB senkte auch den Einlagensatz für Sichtguthaben oberhalb eines bestimmten Freibetrags um einen halben Prozentpunkt auf minus 0,75 Prozent.

“Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert”, erklärte die SNB in einer Mitteilung. “Die Wirtschaft konnte diese Phase nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen.”

Die dänische Zentralbank verteidigt seit 1982 die Anbindung der Krone - zunächst gegenüber der D-Mark und später gegenüber dem Euro. Zentralbank-Chef Lars Rohde hatte bereits davor gewarnt, dass die dänischen Zinsen unter Druck geraten seien, während die Europäische Zentralbank (EZB) den Start einer quantitativen Lockerung vorbereite.

Der dänische Benchmarksatz für Einlagen liegt bei minus 0,05 Prozent - verglichen mit den aktuell minus 0,75 Prozent der Schweizer Notenbank.

“Dänemark und die Schweiz hatten sehr ähnliche Devisen-Regime”, sagte Nielsen. “Im Ausland wird wahrscheinlich spekuliert werden, ob Dänemark als nächstes die Anbindung aufgeben wird.”

Der Schweizer Franken war am Donnerstag gegenüber dem Euro um bis zu 29 Prozent in die Höhe geschnellt. Auf Wochensicht bahnt sich eine Aufwertung des Franken zum Euro von rund 15 Prozent an. Zum Dollar zeichnet sich ein Kursanstieg auf Wochensicht von rund 13 Prozent ab. Am Freitagmorgen notierte der Franken bei 1,02309 zum Euro. Die dänische Krone kletterte nach Bekanntgabe der SNB-Entscheidung auf den höchsten Kurs seit dem 25. Dezember. Am Freitag war die Dänenkrone zum Euro wenig verändert bei 7,4349 Kronen je Euro.

Die Entscheidung der SNB erfolgte eine Woche vor einem Treffen der EZB-Notenbanker, bei dem offenbar auch der Aufkauf von Staatsanleihen diskutiert werden soll. Die dänische Zentralbank hält keine regelmäßigen Zusammenkünfte ab. Zinsen werden dort lediglich dann angepasst, wenn es für eine Aufrechterhaltung des Wechselkurses notwendig ist.

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