Nach Franken-Schock

Droht beim Dollar die nächste Überraschung?

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Für Samson Capital Advisors war die Entscheidung der Schweizerische Nationalbank (SNB), die beim Franken zeitweise für einen Anstieg von 41 Prozent gegenüber dem Euro sorgte, eine „gute Erinnerung“ an die Risiken, die man eingeht, wenn man der Herde folgt. Aktuell haben spekulative Investoren ihre Wetten auf eine Dollar-Rally auf einen neuen Höchststand ausgeweitet. Ein Schock von der Federal Reserve Bank, wie beispielsweise langsamere Zinsanhebungen als von Investoren erwartet, könnte den Greenback aus der Spur bringen, nachdem er auf den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt geklettert ist, warnt State Street Global Advisors.

„Die Leute müssen ihre Positionen neu bewerten“, sagt Jonathan Lewis, Investmentchef bei Samson in New York. Beim Franken „haben die Leute Milliarden von Dollar auf die Hilfe von Fremden gewettet - von Leuten, die sie nie getroffen haben, deren Namen sie nicht einmal aussprechen konnten.“

Der Bloomberg Dollar Spot Index, der die US-Währung gegenüber Euro, Yen und acht anderen Devisen abbildet, steuert auf den siebten monatlichen Anstieg in Folge zu, gestützt von der Annahme, dass die US-Notenbank ihren Leitzins von derzeit Null bis 0,25 Prozent in den kommenden Monaten anheben wird. Gleichzeitig erwarten die Devisenhändler, dass Europa und Japan ihre Währungen abwerten, indem sie die Märkte mit mehr liquiden Mitteln überschwemmen.

Jetzt, nach dem durch die SNB ausgelösten Schock, stellen sich allerdings einige Anleger die Frage: Was ist, wenn wir falsch liegen?

Eine kleine Konjunkturdelle in den USA, „die ausreicht, um die Leute zu der Einschätzung zu bringen, dass die Zinsen vielleicht nicht steigen, die Fed hält mit den Anhebungen inne - das könnte dem Dollar einiges von seinem Glanz nehmen“, sagt Greg Peters, Senior Investment Officer bei der Festverzinslichen-Sparte von Prudential Financial in Newark im US-Bundesstaat New Jersey.

Sorgen macht dabei vor allem das Ausmaß der Dollar- Positionen am Markt. Hedgefonds und andere große spekulativ orientierte Investoren haben die Nettowetten auf einen zu acht bedeutenden Währungen steigenden Dollar in der Woche zum 13. Januar auf das Rekordvolumen von 448.675 Kontrakten ausgeweitet, wie aktuelle Daten der Terminmarktaufsicht CFTC in Washington zeigen.

tDie Prognosen in Bloomberg-Umfragen gehen weiterhin davon aus, dass die US-Währung bis Jahresende gegen 22 von 31 Hauptwährungen zulegt, nachdem sie im vergangenen Jahr zu allen Devisen aus der Gruppe gewann.

Der Bloomberg Dollar Index stieg am 8. Januar auf 1147,54 und damit den höchsten Schlussstand seit seiner Einführung Ende 2004. Dennoch zeigt eine handelsgewichtete Messzahl für den Greenback, dass er gegenüber den Währungen der größten Handelspartner noch nicht wieder die Hochs aus dem Jahr 2009 erreicht hat, was darauf hindeutet, dass die Dollar-Rally noch Spielraum nach oben hat.

Das hat Investoren zu weiteren Spekulationen auf einen stärkeren Dollar veranlasst und sie nach Auffassung mancher Marktteilnehmer den Launen der Geldpolitiker ausgeliefert.

„Wenn entweder die Fed eine weniger restriktive Geldpolitik verfolgt oder die Europäische Zentralbank eine weniger lockere Geldpolitik, könnten diese zwei Faktoren zusammenwirken“ und den Dollar in Relation zum Euro belasten, erläutert Collin Crownover, Leiter Devisen-Management bei State Street in Boston.

Es gibt bereits Anzeichen, dass die Federal Reserve einen Rückzieher von einer bevorstehenden Zinserhöhung macht. Auf der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses im Dezember forderten Vertreter der Fed „Geduld” bei der Geldpolitik und verwiesen auf Risiken für die US-Wirtschaft aufgrund von niedrigeren Ölpreisen und einem schwachen Wachstum im Ausland. Terminkontrakte zeigen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent, dass die US-Notenbank den Leitzins vor Oktober auf 0,5 Prozent oder höher anheben wird. Ende vergangenen Jahres wetteten die Händler noch auf eine Erhöhung im September.

„Obwohl die Erwartungen an die Fed in den Märkten nach hinten verschoben werden, hat der Devisenmarkt sich wahrscheinlich noch nicht wirklich darauf konzentriert“, kommentiert Derek Halpenny, Leiter Marktanalyse Europa bei Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ in London. „Das könnte ein Katalysator dafür werden, dass ein Teil der Dollarnachfrage verschwindet.“

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