Nach Spitzenwechsel bei Credit Suisse

Abgang von Dougan kann gut für Anshu Jain sein

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Die Entscheidung der Credit Suisse Group, Geschäftsführer Brady Dougan durch den derzeitigen Chef von Prudential, Tidjane Thiam, zu ersetzen, signalisiere, dass die Schweizer Bank wahrscheinlich ihr Investmentbankengeschäft schrumpfen und damit Erträge an Konkurrenten abgeben wird, sagt Stefan Bongardt, Analyst bei Independent Research in Frankfurt.

Jain, Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, unterzieht die Strategie der Bank einer Überprüfung. Aktionäre hatten seinen Plan, in den Handel mit Festverzinslichen zu investieren, nicht belohnt. Die Aktie wies im vergangenen Jahr die schlechteste Entwicklung unter den großen Banken auf.

“Es wird für sie einfacher werden, Marktanteile zu gewinnen, vor allem wenn jetzt die Credit Suisse möglicherweise den Fuß vom Pedal nimmt”, sagt Neil Smith, Analyst beim Bankhaus Lampe in Düsseldorf. Die Deutsche Bank werde wahrscheinlich ein paar Kürzungen vornehmen und diese als große Einschnitte verkaufen. Aber sie läge richtig, wenn sie keine zu radikalen Veränderungen vornehmen würde, so Smith.

Michael Golden, ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt, wollte sich zu dem Potential des Führungswechsels bei Credit Suisse für die Erträge des Investmentbankengeschäfts nicht äußern. Die Deutsche Bank hat erklärt, sie wolle die Ergebnisse ihrer Strategieüberprüfung im zweiten Quartal vorstellen.

Jains Vorhersage, dass sich die Wettbewerber aus Teilen des Investmentbankengeschäfts zurückziehen werden, scheint sich indes zu bewahrheiten. Die Royal Bank of Scotland Group und Standard Chartered beschleunigen dieses Jahr ihren Rückzug.

Die britische Barclays hat im vergangenen Mai damit begonnen, den Anleihehandel zurückzuschrauben. Tiefere Einschnitte sind möglich, nachdem CEO Antony Jenkins in der letzten Woche versprach, alles Notwendige zu tun, um die Erträge der Investmentbank zu steigern.

Standard Chartered teilte im Januar mit, sie wolle 4.000 Stellen streichen. Bei der Royal Bank of Scotland könnten gar bis zu 14.000 Investmentbanking-Jobs wegfallen, wie in der letzten Woche verlautete.

14.000 Stellen zu streichen sei ein radikaler Schritt, von dem die Deutsche Bank profitieren könnte, hatte Jürgen Fitschen, der andere Co-Vorstandschef der Bank, vor einigen Tagen in Frankfurt gesagt. Diese 14.000 Banker säßen nicht einfach herum. Sie würden mit den Kunden Geschäfte machen und diese Kunden werden sich nach Alternativen umschauen.

Die Deutsche Bank werde sich aus Geschäftsbereichen, die nicht ausreichend rentabel sind, zurückziehen aber zugleich sowohl im Investmentbankengeschäft als auch im Privatkundengeschäft international aufgestellt bleiben, sagte Fitschen.

Jain würde das Risiko eingehen, die Aktionäre zu verärgern, wenn er die Ressourcen für den Anleihehandel aufstockt, sagt Bongardt. Bei der Credit Suisse gab es am Dienstag einen Kurssprung von 7,8 Prozent, nicht zuletzt aufgrund von Spekulationen, dass sich die Bank aus dem kostenintensiven Handelsgeschäft zurückziehen wird.

“Ich denke nicht, dass er dabei gegen den Strom schwimmen will”, sagt Bongardt. “Die Zeiten haben sich verändert. Wir befinden uns nicht mehr in der gleichen Situation wie vor einigen Jahren, als jeder aggressiv Marktanteilen hinterherjagte.”

Zwar müsse die Deutsche Bank einige Bereiche ihres Anleihehandels zurückstutzen. Doch sollte Jain nicht die massiven Einschnitte vornehmen wie seine Konkurrenten, sagt Boris Boehm, Vermögensverwalter bei Aramea Asset Management in Hamburg. “Sie sollten nicht zu viele Einschnitte vornehmen, denn Mut kann sich auszahlen.” Trotz aller Probleme sei das Investmentbankengeschäft nicht tot.

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