Nach dem spektakulären Tresoreinbruch in der Sparkasse Gelsenkirchen im Dezember, bei dem 3100 Schließfächer aufgebrochen und geplündert wurden, ist die Nachfrage nach individuellen Schließfach-Versicherungen bei größeren Versicherern offenbar enorm angestiegen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des „Handelsblatt“ hervor.
Umfrage bei großen Versicherern
Eine Größenordnung liefert dabei die Ergo. Sie antwortete auf die Handelsblatt-Anfrage: „Die Nachfrage ist sprunghaft angestiegen. In der ersten Januarwoche wurde das monatliche Mittel an Neuabschlüssen bereits um das Siebenfache übertroffen.“ Die Nachfrage liege auch weiterhin auf hohem Niveau.
Die Allianz stelle ebenfalls „erhöhtes Interesse an Schließfach-Versicherungen auch für Privatpersonen“ fest. „Aber nicht jede Interessensbekundung oder Anfrage führt auch zu einem Abschluss“, wird das Unternehmen in dem Artikel zitiert. Was die verstärkte Nachfrage äußerten sich demnach Provinzial, R+V, Sparkassenversicherung und Versicherungskammer. Konkrete Zahlen habe aber keines Unternehmen genannt.
Schutz durch Pauschalversicherung sehr unterschiedlich
Laut „Handelsblatt“ waren bei der Gelsenkirchener Sparkasse standardmäßig Schließfachinhalte im Wert von 10.300 Euro versichert. Für einen höheren Schutz mussten Kunden individuelle Versicherungen abschließen, was in Gelsenkirchen aber nur ein Bruchteil der Betroffenen gemacht habe. Die Werte in den Schließfächern dürften nach Experteneinschätzung aber zumeist deutlich höher gewesen sein. Die Schätzungen zum Gesamtschaden liegen zwischen 30 und über 100 Millionen Euro.
Offenbar gehen die Summen für Pauschalversicherungen, wenn sie im Mietpreis des Schließfachs enthalten sind, je nach Bank deutlich auseinander. Der Bericht verweist auf eine Untersuchung von Stiftung Warentest aus dem Jahr 2024. Demnach lag der Versicherungsschutz zwischen 2500 und 50.000 Euro. Bei etlichen Banken gebe es indes gar keine automatische Versicherung für Schließfächer. Dafür umfassten manche Hausratsversicherungen auch eine Absicherung für Schließfachinhalte.
Das sagt der Experte
@ ASSPICK Versicherungsmakler GmbH
Aus Sicht von Niko Streker, Geschäftsführer von Asspick Versicherungsmakler und Experte von DAS INVESTMENT Versicherungen zeigt der Fall wie bei anderen großen medialen Schadensereignissen ein typisches Verhaltensmuster: „Viele Menschen denken erst dann aktiv über Risiko- und Schadensvorsorge nach, wenn sie unmittelbar mit den Folgen konfrontiert werden.“ Vorsorge sei langfristig sinnvoller, günstiger und verlässlicher als der Versuch, nachträglich verloren gegangenes zu ersetzen.
Welche Prüfschritte Makler beachten sollten
Für Versicherungsmakler ist aus seiner Sicht ein strukturiertes Vorgehen besonders wichtig .Der erste Schritt bestehe immer darin, das Haftungslimit der Bank zu prüfen. Streker ist überzeugt, dass die Haftungsgrenzen der Banken häufig sehr niedrig sind und in keinem Verhältnis zu den tatsächlich gelagerten Werten stehen. Im nächsten Schritt gelte es, die realen Werte im Schließfach mit dem Haftungslimit abzugleichen. Daraus ergebe sich, ob es sinnvoll ist, eine etwaige Deckungslücke über eine separate Police zu schließen.
Ebenso wichtig sei die Überprüfung der bestehenden Hausratversicherung.„ In manchen Tarifen besteht bereits eine begrenzte Mitversicherung von Wertgegenständen oder Bargeld im Bankschließfach, in anderen hingegen gar nicht oder nur bis zu sehr niedrigen Sublimits. Auch hier entscheidet der konkrete Vertragsinhalt — nicht die Annahme des Versicherungsnehmers“, so der Lübecker Makler.
Ein oft unterschätzter Punkt sei zudem die Dokumentation der eingelagerten Wertsachen. Kaufbelege, Gutachten, Fotos oder Aufstellungen seien essenziell, um im Schadenfall überhaupt nachweisen zu können, welche Werte tatsächlich vorhanden waren. „Ohne diese Nachweise kann selbst eine bestehende Versicherung ihre Leistung kürzen oder ablehnen.“
Wie der Markt für Schließfachversicherungen aufgestellt ist
Wichtig zu wissen: Annahmekriterien, Versicherungssummen und Deckungsinhalte können sich laut Streker im Markt deutlich unterscheiden. So bewegten sich die möglichen Versicherungssummen je Schließfach und je Anbieter in der Regel zwischen mindestens 10.000 Euro und maximal 500.000 Euro — bei einzelnen Gesellschaften, wie der Ergo sind sie innerhalb dieses Rahmens wählbar, so der Experte. Entscheidend sei, dass die Versicherungssumme dem tatsächlichen Wert des Schließfachinhalts entspricht. Es könnten bei höheren Summen auch mehrere Schließfächer abgesichert werden.
Auch preislich bestünden Unterschiede. Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro liegt die Jahresprämie häufig bei rund 100 Euro. Je nach Anbieter, Sicherheitskonzept der Bank und vereinbartem Leistungsumfang könne dieser Betrag variieren. Zu beachten sei, dass Schließfächer von gewerblichen Anbietern (keine Bank oder Sparkasse) wie beispielsweise Trisor nicht versichert werden.
Was versichert ist und was nicht
Neben der Höhe der Versicherungssumme sollte in der Beratung insbesondere auf die konkreten Deckungsinhalte und Ausschlüsse eingegangen werden. Versichert sind:
• Sachschäden infolge von Zerstörung, Beschädigung oder Abhandenkommen der versicherten Sachen durch einen Versicherungsfall
• Notwendige und tatsächlich angefallene Kosten, zum Beispiel. Schadenabwendungs- und Schadenminderungskosten
Nicht versichert sind unter anderem:
• Kundenschließfachinhalte beziehungsweise Verwahrstücke bei Geldinstituten außerhalb der Bundesrepublik Deutschland
• Verlust von Schlüsseln zum Kundenschließfach
Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind:
• Krieg und kriegsähnliche Ereignisse
• Schäden durch Kernenergie
• Sturmflut
• Vorsätzlich herbeigeführte Schäden
