Andreas Grimm, Geschäftsführer Resultate Institut für Unternehmensanalysen und Bewertungsverfahren

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„Viele Makler können sich das Aufhören nicht leisten“

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Wenn Finanzmakler das Rentenalter erreichen, ist für viele an Aufhören gar nicht zu denken. Andreas Grimm von der Münchner Unternehmensberatung Resultate spricht im Interview mit fondsprofessionell.de die Nöte der Branche an: Viele Makler erwirtschafteten weniger als 150.000 Euro Jahrescourtage. Diese Summe sei nötig, um einen Maklerbetrieb heute langfristig ohne Finanzsorgen und mit Aufwendungen für Altersvorsorge betreiben zu können, so Grimm. Daher sei für viele ältere Profis ans Aufhören gar nicht zu denken. Im fortgeschrittenen Alter falle es dann jedoch immer schwerer, die Bestände zu pflegen, gute Dokumentation zu betreiben und Maklervereinbarungen auf dem neuesten Stand zu halten.

Auch die Übergabe von Beständen funktioniere nicht so reibungslos, wie man meinen könnte, gibt Grimm zu bedenken. Obwohl bis 2025 jährlich etwa 1.600 Maklerbetriebe aus Altersgründen ausschieden und sich auf der anderen Seite bis zu 5.000 kaufwillige Makler befänden: Nur etwa die Hälfte der Bestände käme für eine Übergabe überhaupt in Frage. Nachlässige Dokumentation und versteckte Haftungsrisiken wegen veralteter Vereinbarungen hielten Übernahmewillige oft ab. Ein Großteil der Altbestände sei laut Grimm damit quasi unverkäuflich.

Ein Teil der Bestände würde unter der Hand an Familie, Mitarbeiter oder Geschäftspartner weiteregegeben. Viele kleine Makler verkauften ihre Bestände auch unter Wert oder an institutionelle Aufkäufer, wodurch sie oft steuerliche Nachteile erlitten. Nur etwa ein Achtel der errechneten 1.600 frei werdenden Bestände jährlich bliebe aufkaufwilligen Maklern am Markt erhalten. Das Problem betreffe vor allen Dingen kleine Maklerbetriebe. Größere Betriebe beauftragten bei der Vorbereitung von Übernahmen oft Berater und Vermittler und seien auf dem Gebiet bereits gut organisiert.

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