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Nachhaltiges Investieren „Generationswechsel bei Anlegern rückt ESG-Kriterien stärker in den Fokus“

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Hat das zu Veränderungen in Ihren Portfolios geführt?

Mollo Cunha: Uns war es wichtig, dass sich die Risiko-Rendite-Profile und die Diversifikation unserer Fonds nicht grundlegend verändern. Wir haben festgestellt, dass einige Unternehmen aus unseren Portfolios sehr schlechte Governance-Bewertungen aufweisen, darunter zum Beispiel auch Warren Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway. Hier ist der schlechte Wert vor allem der geringen Transparenz des Unternehmens geschuldet. Wir sind auch in Bayer investiert und beobachten die mögliche Übernahme des US-Konzerns Monsanto durchaus kritisch. Wir werfen aber keine Unternehmen aus dem Portfolio, nur weil sie eine schlechte ESG-Bewertung haben. Allerdings darf maximal ein Drittel der Firmen im Portfolio einen unterdurchschnittlichen Scoring-Wert haben. Wichtig ist uns, dass das Gesamtportfolio gut im Sinne der ESG-Faktoren abschneidet.

Gibt es weitere Veränderungen durch die PRI?

Mollo Cunha: Wir weisen bei unseren Gesprächen mit Unternehmensvertretern immer wieder darauf hin, dass ESG einen hohen Stellenwert für unseren Investment-Ansatz hat. Wir beauftragen die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGs), über die unsere Fonds gemanagt werden, auf Hauptversammlungen nach ESG-Kriterien abzustimmen. Wenn wir Probleme sehen, versuchen wir mit den Unternehmen darüber zu sprechen. Wir denken, dass wir so mehr bewirken können als durch den einfachen Verkauf des Wertpapiers. Zudem halten wir andere Akteure im Finanzmarkt dazu an, verstärkt ESG-Kriterien in ihre Überlegungen bei der Kapitalanlage einzubeziehen. Dieses Interview ist ein gutes Beispiel für unser Engagement in diese Richtung.

In Deutschland sind die PRI noch nicht sonderlich verbreitet. Wird sich das ändern?

Mollo Cunha: Nach einer ersten Welle zwischen 2005 und 2008 war das ESG-Thema mit der Finanzkrise ein wenig eingeschlafen. Die Finanzbranche hatte einfach andere Themen zu bewerkstelligen. Erst als bekannt wurde, welche negativen Auswirkungen Spekulationen mit Nahrungsmitteln global haben, ist es erneut in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. In Deutschland gibt es bislang auch erst 60 Unterzeichner, etwa die Hälfte davon Investmentmanager, die Gelder für Dritte verwalten. Der große Druck ist also noch nicht da. Das wird sich jedoch in den nächsten Jahren durch den Generationswechsel meiner Meinung nach ändern. Für die nachwachsende Generation hat das Thema Nachhaltigkeit einen deutlich höheren Stellenwert.

Welche Vorteile sehen Sie für Vermögensverwalter, die sich der PRI-Initiative angeschlossen haben, insbesondere auch aus vertrieblicher Sicht?

Mollo Cunha: Ein gutes Beispiel ist, dass wir in der Lage sind dadurch Risiken bei Investitionen noch besser einschätzen zu können. Und wir können einen Beitrag leisten, dass gesellschaftlich wichtige Themen konsequent verfolgt werden. Für uns war die Unterzeichnung nie ein vertriebliches Thema. Seit Sommer dieses Jahres zeigen wir aber bei unseren Präsentationen, dass und wie wir uns in diesem Bereich engagieren. Und natürlich lässt sich nicht bestreiten, dass wir durch die Einbindung von ESG-Kriterien in unsere Titelauswahl für Anleger und Investoren, welche die Relevanz des Thema erkennen und hierfür etwas übrig haben, als Asset Manager auch attraktiver geworden sind.

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