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Nachhaltiges Investieren Wie man als Fondsgesellschaft Greenwashing vermeidet

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Bei aktiven Ansätzen zählt die Umsetzung

Eine weitere Methode zur Umsetzung von Nachhaltigkeit ist das Ausüben einer aktiven Investorenrolle. Bei Robeco sind wir seit 15 Jahren als aktiver Investor tätig. Wir verfügen über einen sehr strukturierten Ansatz bei der Berücksichtigung von Themen, an die andere Anleger noch nicht denken. Ein Beispiel dafür ist unser Engagement in punkto Datenschutz im Jahr 2015. Und dieses Jahr beginnen wir mit der Einflussnahme in Bezug auf digitale Gesundheitswirtschaft und die sozialen Auswirkungen künstlicher Intelligenz. Beide Themen sind stark in die Zukunft gerichtet und beziehen sich sowohl auf neue Technologien als auch auf Nachhaltigkeitsaspekte. Beim ersten Thema wollen wir das Problem steigender Gesundheitskosten angehen, beim zweiten die sozialen Risiken, die sich auf lange Sicht ergeben können.

Im letzten Jahr nahm unser spezialisiertes Team aus 13 Experten Einfluss bei 214 Unternehmen. Unser Engagement erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Jahren, was uns ermöglicht, den Fortschritt zu verfolgen und zu messen. Einige Asset Manager behaupten zwar, dass sie mit 2.000 Unternehmen pro Jahr in Dialog treten. Aus unserer Sicht kann dies aber nicht mehr bedeuten als eine oder zwei Fragen zu ESG-Aspekten bei einem regulären Treffen zu stellen oder einen Standardbrief zu versenden. Man muss über beträchtliche Ressourcen verfügen, um hier wirklich glaubwürdig auftreten zu können.

Ein interessanter Aspekt ist auch das Abstimmungsverhalten. Untersuchungen haben gezeigt, dass einige der größeren (passiven) Investoren fast immer im Einklang mit der Empfehlung des Managements abstimmen – auch bei Anträgen von Aktionären, die sich auf umweltbezogene und soziale Themen beziehen. Dies weckt nach unserer Überzeugung Zweifel an der Glaubwürdigkeit eines Anlagemanagers. Nach unseren Beobachtungen sind Vorschläge von Aktionären in Bezug auf soziale und umweltbezogene Aspekte zunehmend besser formuliert und stehen stärker in Einklang mit der langfristigen Wertschöpfung für die Anleger. Im letzten Jahr stimmten wir in 72 Prozent der umweltbezogenen sowie in 78 Prozent der sozialen Fälle für solche Vorschläge.

Transparenz ist am wichtigsten

Damit bin ich bei unserem zentralen Punkt: auf Worte Taten folgen zu lassen. Wie glaubwürdig ist ein Asset Manager, der über einige sehr gute Nachhaltigkeitsfonds verfügt, aber bei seinen anderen Produkten und bei seiner eigenen operativen Tätigkeit nichts in dieser Hinsicht unternimmt, wie im erwähnten Beispiel des Abstimmungsverhaltens?

Zum Schluss noch eine kurze Bemerkung zur Vergabe von Labels. Diese könnten wertvolle Orientierung bieten und für einen Fonds eine Art Zulassungsstempel darstellen, was für Privatinvestoren vorteilhaft wäre. Allerdings liegen den derzeitigen Labels unterschiedliche Ansätze zugrunde. Der Hauptgrund dafür ist wahrscheinlich der, dass sich die Ansätze bei nachhaltigen Investments erheblich unterscheiden. Das französische SRI-Label beispielsweise fokussiert sich stärker auf den Investmentansatz, den Prozess und die Transparenz. Es wird extern verifiziert – man muss dabei nachweisen, dass man über die richtigen Daten, Prozesse und Verfahren verfügt, um das Label zu erhalten. Das belgische Nachhaltigkeits-Label ist stärker präskriptiv, insbesondere im Hinblick darauf, in was nicht investiert werden darf. Allerdings lässt es ebenfalls viel Spielraum und die Asset Manager müssen nach wie vor eigenes Research durchführen. Wie geht man beispielsweise vor, wenn man einen Stromversorger ausschließen muss, der sich nicht an das Klimaabkommen von Paris hält?

Somit gibt es auch bei der Vergabe von Labels erheblichen Raum für unterschiedliche Auffassungen. Am wichtigsten ist Transparenz: Asset Manager müssen deutlich machen, was Teil der Strategie ihres Fonds ist und was nicht – ganz gleich, ob sie ihn als nachhaltig oder verantwortungsbewusst oder anders bezeichnen.

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