Christiane Flehberger und Wolfgang Pinner Foto: Raiffeisen Capital Management

Experten von Raiffeisen Capital Management

„Nachhaltiges Investieren wird Standard“

DAS INVESTMENT: Nachhaltige Investments haben gerade im vergangenen Jahr viel Zuspruch erfahren. Wird verantwortungsvolles Investieren jetzt zum Standard?

Wolfgang Pinner: 2020 gab es sicherlich einige Virus-bedingte Verwerfungen. Wie schon in der Finanzkrise vor zwölf Jahren wurde auch in der Pandemie-Krise der Sinn von Investments stärker hinterfragt. Alternativen zu kurzfristig ausgerichteten Investments gerieten in den Blick. Die Suche nach Sinnhaftigkeit wird bei der Geldanlage insgesamt bedeutsamer werden. Zusammen mit Vorhaben wie dem EU-Aktionsplan wird das dazu führen, dass nachhaltige Investments zum Mainstream oder sogar Standard werden.

Welche Kunden legen besonderen Wert auf nachhaltige Anlagen?

Christiane Flehberger: Interesse gibt es mittlerweile in allen Kundenschichten. Sowohl Privatanleger als auch Großkunden ist es zunehmend wichtig, dass ihr Geld ökologisch, sozial und mit Blick auf die Unternehmensführung verantwortungsvoll angelegt ist. Auch im institutionellen Kundengeschäft zieht sich der Wunsch nach nachhaltigen Anlagelösungen durch alle Segmente. Große Versicherungen fragen ebenso danach wie kommunale Versorgungsunternehmen.

Welche nachhaltigen Themen erscheinen Ihnen 2021 besonders aussichtsreich?

Pinner: Unser Investment-Fokus liegt seit Langem auf Digitalisierung und Gesundheit. Dieser nachhaltige Megatrend geriet nicht zuletzt durch das Corona-Virus in den Mittelpunkt. Aber auch bei Smart Energy konnte Raiffeisen mit einem auf das Thema spezialisierten Fonds 2020 punkten. Die Kehrtwende der US-Politik wird das Thema grüne Energie weiter vorantreiben. Angesichts von Kursschwankungen sollte man bei Neuinvestments hier allerdings auf das Timing achten. Langfristig ist das Thema aber gesetzt.

Wie hebt man sich als Produktanbieter mit nachhaltigen Investments vom Wettbewerb ab?

Pinner: Auch wenn verantwortungsvolles Investieren zum Standard wird, wird es immer unterschiedliche Zugänge zu Nachhaltigkeit geben. Wir wollen uns durch Produktqualität und natürlich Performance positiv abrenzen. Dazu betreiben wir sorgfältiges Research und haben detaillierte Kriterien entwickelt, um Nachhaltigkeit zu messen. Wir treten außerdem mit den Unternehmen in den Dialog und üben unser Aktionärs-Stimmrecht aus. Zusätzlich nutzen wir nachhaltige Megatrends in der Wirtschaft. Unser Ziel ist die sogenannte doppelte Dividende aus finanziellem Ertrag und Impact. Gerade den Impact – also die Wirkung der Produkte – wollten wir zuletzt maßgeblich weiterentwickeln.

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