Übersicht deutscher Staatsanleihen in einer Zeitung: Seit dem 2. September 2020 können Anleger auch grüne Bundesanleihen kaufen.  | © imago images / Schöning Foto: imago images / Schöning

Nachhaltigkeit am Limit

Grüne Bundesanleihe ist ein Verlustgeschäft

Die für das Schuldenmanagement der Bundesfinanzen zuständige Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur hat die erste grüne Bundesanleihe erfolgreich bei Anlegern aus dem In- und Ausland untergebracht. Die Emission am 2. September 2020 erfolgte nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des Rahmenwerks für Grüne Bundeswertpapiere durch das Bundesministerium der Finanzen.

Zum Einstieg in den grünen Finanzmarkt wählte die Finanzagentur aus dem ihr zur Verfügung stehenden Laufzeitenspektrum eine 10-jährige grüne Bundesanleihe. Sie stattete die Anleihe mit denselben Merkmalen aus, wie die am 17. Juni 2020 emittierte konventionelle Zwillingsanleihe: beide sind am 15. August 2030 fällig. Ihr Kupon beträgt jeweils null Prozent.

Obwohl der Bund den Anlegern demnach keine Zinszahlungen anbietet, traf die neue grüne Bundesanleihe laut der Finanzagentur auf eine außergewöhnliche Nachfrage seitens nationaler und internationaler Investoren. Die Aufträge im Orderbuch erreichten nach Angaben von Tammo Diemer, Mitglied der Geschäftsführung der Finanzagentur, mehr als 33 Milliarden Euro von Anlegern weltweit. Nur ein Bruchteil der Nachfrage wurde befriedigt.

Insgesamt sammelte der Bund mit der Emission seiner ersten grünen Bundesanleihe bei den Anlegern 6,5 Milliarden Euro ein. Angesichts der großen Nachfrage konnten die Schuldenmanager deutlich mehr als die ursprünglich angepeilten 4 Milliarden Euro einnehmen. „Wie erhofft, konnten wir die Grüne Bundesanleihe ausgewogen und breitgefächert zuteilen“, so Diemer.

Verlustgeschäft 

Die Rendite der grünen Bundesanleihe lag laut einem Bericht der „FAZ“ um 0,01 Prozentpunkt unterhalb der Referenz, der konventionellen zehnjährigen Bundesanleihe. Deren Rendite lag am Mittwochmittag (2. September 2020) bei minus 0,443 Prozent. Anleger, die mit der grünen Bundesanleihe gezielt nachhaltige Projekte unterstützen möchten, verlieren mit ihrem Engagement Geld. Vorausgesetzt, sie halten an dem Papier über die gesamte Laufzeit fest. Wie sinnvoll das unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Grüne Anleihen, ob nun von der Bundesrepublik oder einem anderen Emittenten, sind für bestimmte institutionelle Anleger ohnehin nur dann investierbar, wenn sie eine gewisse (positive) Mindestrendite erzielen. Und wenn die Anleihe dieses Mindestniveau unterschreitet, gehört sie nicht zum Anlageuniversum. 

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