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Lebensmittelindustrie Hohes Wachstumspotenzial in der Fischzucht

Lachsfarm in Maine, USA
Lachsfarm in Maine, USA: Aquakulturen können einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung leisten und verfügen über großes Wachstumspotenzial. Investoren müssen aber auch hier Nachhaltigkeitsaspekte beachten. | Foto: Imago Images / Cavan Images
Rachel Crossley, BNPP AM

Wie kann sich die Weltbevölkerung gesund und im Einklang mit den planetaren Belastungsgrenzen ernähren? Dieser Frage ist 2019 die aus Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachgebiete bestehende Lancet-Kommission der Nichtregierungsorganisation EAT nachgegangen.

Ein Ergebnis: Derzeit liegt der optimale durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Meeresfrüchten bei zwei Portionen, also rund 200 Gramm pro Woche. Bis 2050 wird sich die Weltbevölkerung Prognosen zufolge aber auf die Marke von 10 Milliarden Menschen zubewegen. Das heißt, die Nachfrage wird erheblich steigen.

Die größte Herausforderung besteht dabei darin, die Nachhaltigkeit der Fischerei sicherzustellen. Diese liefert wichtige Proteine für Hunderte Millionen Menschen. Sie ist aber zunehmend durch Überfischung und Umweltverschmutzung bedroht. Mehr als ein Drittel der weltweiten Meeresfischbestände werden bereits über die Grenzen der Nachhaltigkeit hinaus befischt, weitere 60 Prozent sind bis an ihre natürliche Grenze ausgebeutet. Die Lancet-Kommission kam daher zu dem Schluss, dass eine Ausweitung des Angebots durch Aquakulturen erfolgen sollte.

Bis 2030: 90 Prozent der Speisefische aus Aquakulturen

Die Aquakultur ist bereits heute der am schnellsten wachsende Bereich der Lebensmittelindustrie und wird bis 2030 voraussichtlich fast 90 Prozent des vom Menschen verzehrten Fischs liefern. Vor allem die Lachs-Aquakultur expandiert rasant. Auf Norwegen entfallen bereits 50 Prozent der weltweiten Produktion, bis 2050 wird eine Verfünffachung im Vergleich zu 2014 angestrebt.

 

Vor dem Hintergrund dieses Wachstumspotenzials kann die Branche auch Anlegern Chancen eröffnen. Diese sollten aber die Umweltauswirkungen des Sektors nicht außer Acht lassen – und sich für Verbesserungen einsetzen.

Unterstützung für nachhaltige Meeresfrüchte

Ausgewählte Strategien von BNP Paribas Asset Management investieren in den Fischereisektor und damit verbundene Unternehmen. Wir sind uns der Notwendigkeit bewusst, die Unternehmen zu ermutigen, Auswirkungen wie diese zu minimieren:

Druck auf Wildfischbestände: Zuchtfische, insbesondere fleischfressende Arten wie Lachs, werden mit Fischmehl und -öl gefüttert. Dieses wird aus Tieren gewonnen, die im Meer gefangen wurden.

  • Abholzung und Verlust von Lebensräumen: Pflanzliche Erzeugnisse, einschließlich Soja, sind wichtige Bestandteile des Lachsfutters. Die Sojaproduktion hat zu erheblichen Schäden an wichtigen Ökosystemen beigetragen.
  • Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere im Zusammenhang mit der Produktion von Futtermitteln.
  • Einsatz von Antibiotika, der zur antimikrobiellen Resistenz bei Tieren und Menschen beiträgt.
  • Umweltverschmutzung durch den Einsatz von Chemikalien und durch Abfälle: Fischfarmen geben ihre Abfälle in die umliegenden Gewässer ab. Mikroplastik im Futter reichert sich in den Fischen an und stellt ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher dar.
  • Auswirkungen auf natürlich vorkommende Arten: Viele Fischarten wurden in Ökosysteme eingeführt, die weit von ihrem Ursprungsort entfernt sind. Das wirkt sich auf die lokalen Arten aus.

Insbesondere die Verfügbarkeit von Futtermitteln ist ein entscheidendes Hindernis für das Wachstum des Sektors. Der derzeitige Futtermittelmix hat nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt – die Nahrung der Tiere macht in der Lachszucht gleichzeitig 40 Prozent der Produktionskosten aus. Die Sicherstellung einer nachhaltigen Versorgung mit Futtermitteln ist daher von hoher Bedeutung. Wenn sich an den aktuellen Futtermethoden nichts ändert, wird die Produktion in der Fischaquakultur weltweit 14,4 Millionen Tonnen jährlich nicht übersteigen können – aktuell sind es 7 Millionen Tonnen.

Zusammenarbeit mit Lachszüchtern

Im Einklang mit unserer Verpflichtung als nachhaltiger Investor engagieren wir uns bei unseren Portfoliounternehmen. Wir ermutigen sie, sich mit den Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Umwelt auseinanderzusetzen – das gilt auch für die Betreiber von Aquakulturen.

Vor diesem Hintergrund engagierten wir uns im Jahr 2022 zusammen mit anderen Investoren bei drei norwegischen Lachszuchtunternehmen, die allesamt Bestandteile unserer auf die blaue Wirtschaft fokussierten Strategie sind.

Das Engagement wurde von FAIRR unterstützt, dem Farm Animal Investment Risk & Return Network. Dieses bewertet die Risiken und Chancen von Proteinproduzenten im Lebensmittelsektor, die sich aus ihren Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken ergeben. Wir sind der Organisation im Jahr 2021 beigetreten.

Gute ESG-Bewertung – aber noch Luft nach oben

FAIRR hat den drei betreffenden Unternehmen in seinem Proteinproduzenten-Index 2021 eine relativ gute Bewertung gegeben. Aus unserer Sicht gibt es aber noch Raum für Verbesserungen. Wir ermutigen die Unternehmen insbesondere dazu, ihre Treibhausgasemissionen – ihren „Kohlenstoff-Flossenabdruck“ – schneller zu reduzieren und die biologische Vielfalt besser zu schützen, indem sie ihre Abhängigkeit von Futtermittelquellen mit negativen Umweltauswirkungen verringern.

Wie sind wir vorgegangen? Wir unterzeichneten einen gemeinsamen Brief an alle drei Unternehmen und führten ein Gespräch mit einem der Lachszüchter. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass sich dieser verpflichtet hat, die mit Fischfutter verbundenen Umweltprobleme anzugehen. Das Unternehmen möchte proaktiv handeln und Fortschritte beim Verständnis der Auswirkungen seines Futtermittelmixes auf die biologische Vielfalt und das Klima machen sowie darüber berichten – auch wenn das Fehlen umfassender, vergleichbarer Daten und die noch fehlende Möglichkeit, Futtermittel bis zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen, die Berichterstattung und das Umsetzen wirksamer Nachhaltigkeitsstrategien erschwert.

Doch unabhängig von jeder Branche gilt: Aus unserer Sicht sollten sich Investoren dafür einsetzen, Unternehmen und die Welt positiv zu beeinflussen. Denn das kann gleichzeitig Risiken reduzieren und Werte schaffen.

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Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.