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Eine Öl-Plattform von BP; <br> Quelle: BP

Eine Öl-Plattform von BP;
Quelle: BP

Nachhaltigkeit: „Das bisschen Öl im Golf“

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Adolf Hitler droht mit der Zapfpistole, am Arm das Hakenkreuz vor dem Hintergrund der grün-gelben BP-Sonne. Geschmackloser und unpassender als bplogo-023, hochgeladen am 11. Juni auf die Flickr-Seite von Greenpeace Großbritannien, geht es nicht. Doch die meisten der Logo-Vorschläge illustrieren die globale Wut über den britischen Öl-Multi eindrucksvoll. „Das bisschen Öl im Golf –Seid doch froh, dass wir keine Atomkraftwerke bauen“, heißt es dort etwa. BP steht im Greenpeace-Album nicht nur für Bad Politics (Schlechte Politik), sondern auch für British Polluters (Britische Umweltverschmutzer). Angesichts des ungeheuren Ausmaßes der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko liegen die Umweltaktivisten mit ihrer Bezeichnung des Kürzels leider richtig. Dennoch war BP noch bis Ende Mai in vielen Nachhaltigkeitsfonds enthalten. Der Ölmulti hatte sich seinen Ruf als vergleichsweise grünes Unternehmen in den vergangenen Jahren mit einer 150-Millionen-Dollar-Imagekampagne (Beyond Petroleum; etwa: Übers Öl hinaus) erkämpft. Auch das Engagement im Solarsektor kam bei Investoren gut an. So waren auf der Online-Plattform www.nachhaltiges-investment.org des European Sustainable Business Institute (SBI) per 30. April dieses Jahres 15 Nachhaltigkeitsfonds gelistet, die die Aktie zu ihren Top Ten zählten. Aus fast allen der 15 Fonds flog die Aktie mittlerweile nicht nur aus den Top Ten, sondern komplett raus, etwa aus denen von Sustainable Asset Management (SAM). Hintergrund: „Zum 1. Juni wurde die Aktie außerplanmäßig aus der Dow-Jones-Sustainability-Index-Familie ausgeschlossen, das gab es in der Historie der seit 1999 existierenden Indizes noch nie“, erläutert SBI-Direktor Paschen von Flotow. BP galt als Best-in-Class Anders bei der FTSE4Good-Indexreihe: Der britische Indexanbieter FTSE hält an seiner turnusmäßigen Überprüfung der Zusammensetzung im März und September fest. Bis dahin bleibt der „Bearish Performer“ in den Indizes. Dass er es überhaupt in Nachhaltigkeitsindizes und -fonds geschafft hat, liegt am sogenannten Best-in-Class-Ansatz, bei dem prinzipiell keine Branche tabu ist. Stattdessen werden nach unterschiedlichen Kriterien pro Sektor diejenigen Unternehmen ermittelt, die vergleichsweise nachhaltig wirtschaften. Das kann beispielsweise durch die Einhaltung hoher sozialer Standards der Fall sein. Ob ein Unternehmen als nachhaltig bewertet wird, entscheiden die Gesellschaften über Nachhaltigkeitsindizes oder über hauseigenes Research, darunter etwa UBS: „Das Anlageuniversum im Bereich Nachhaltigkeit umfasst bei uns rund 450 Firmen, die wir aus weltweit 2.200 herausfiltern“, sagt Bruno Bertocci, Manager des UBS Eco Performance. Er hat die BP-Aktie bereits Anfang April verkauft – sie war ihm zu teuer geworden – und dafür Royal Dutch Shell ins Portfolio genommen. Sue Chan hingegen verbannte die Aktie erst Anfang Mai aus dem Portfolio des Allianz RCM Global Sustainability. Im DWS Responsibility Fonds ist die BP hingegen seit fünf Jahren nicht mehr vertreten: „Es gab diverse Vorfälle, die mich zur Vorsicht mahnten. Etwa die Explosion einer Raffinerie in Texas oder rostige Pipelines in Alaska“, so Fondsmanager Gunnar Friede, der auf externes Research zurückgreift. Auch andere Fondshäuser lassen sich hinsichtlich des Anlageuniversums extern beraten. 45 Publikumsfonds nutzen etwa die Ratings von Oekom Research. Die Nachhaltigkeits-Rating-Agentur bewertet Unternehmen anhand von 100 Einzelkriterien. Anders als die beiden erwähnten Indexanbieter stufte Oekom Research BP nie als Best-in  Class ein: „Der Offshore-Bereich, in dem sich die Katastrophe ereignete, spielt für uns eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Ölfirmen. Bereits in der Vergangenheit fiel BP durch Nachlässigkeiten im Umwelt- und Sicherheitsmanagement auf“, so Rolf Häßler, Direktor Produkt und Marktentwicklung bei Oekom Research. Berater halten zu Best-in-Class Das BP-Desaster dürfte bei vielen Anlegern von Best-in-Class-Fonds die Frage aufgeworfen haben, ob der Ansatz die beste Wahl für einen Nachhaltigkeitsfonds war. Allerdings investieren auch Fonds, die einige Branchen kategorisch ausschließen, etwa Atomkraft, Rüstung oder die Tabakindustrie, mitunter in Ölaktien. Dazu gehören der Liga Pax Cattolico und der Fortis L Fund Equity SRI World. Anders der Ökovision Classic: „Wir investieren nicht in Unternehmen, die Raubbau an natürlichen Ressourcen betreiben oder dazu beitragen. Dazu zählt auch die Erdölindustrie“, sagt Ralph Prudent, Vertriebsgeschäftsführer von Ökoworld Lux. Von Best-in-Class hält er nichts: „Erdöl wird niemals grün sein.“ So markant verurteilen auf Nachhaltigkeit spezialisierte Vermögensberater das Thema Best-in-Class nicht. „Den Ansatz grundsätzlich abzulehnen, halte ich nicht für sinnvoll, denn zum einen schafft er gerade bei Unternehmen in kritischen Branchen Anreize, nachhaltiger zu wirtschaften. Zum anderen sind entsprechende Fonds breiter gestreut“, sagt etwa Kris Hauf von der Finanzberatung Hauf-Invest. Hintergrund: Viele Fonds mit Ausschlusskriterien decken nur wenige Branchen ab und sind damit allenfalls als Beimischung geeignet. Auch Carmen Junker, Chefin der Beratungsgesellschaft Grünes Geld, sieht Vorteile in der breiteren Aufstellung der Best-in-Class-Fonds. „Wer ein solches Produkt ins Depot nehmen will, sollte sich die Mühe machen, die Einzelpositionen und die Investmentstrategie des Fonds sowie der Fondsgesellschaften genau zu analysieren“, empfiehlt sie. Best-in-Class generell zu verteufeln, hält auch SBI-Chef von Flotow für falsch: „Erst dieses Konzept hat das Feld auf breiter Basis für nachhaltige Investments geöffnet, mittlerweile sind weltweit rund 90 Prozent der institutionellen Anlagegelder diesem Ansatz verpflichtet.“

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