Die Bemühungen um die Dekarbonisierung der weltweiten Stromversorgung haben sich bisher auf den Ausbau erneuerbarer Energien konzentriert. Das in die Netzinfrastruktur fließende Kapital stagniert hingegen, wie aus dem Bericht „Electricity Grids and Secure Energy Transitions 2023“ der Internationalen Energieagentur hervorgeht.
Derweil steigt die Stromnachfrage immer weiter – und mit ihr die Gefahr potenziell verheerender Stromausfälle. Die zunehmende Elektrifizierung und das höhere Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern bedeuten, dass sich der weltweite Strombedarf bis 2050 verdreifachen könnte, so der Think-Tank Energy Transition Commission.
Der Ausbau und die Modernisierung der Netze sind der Schlüssel für den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Laut BloombergNEF müssen bis 2050 weltweit mehr als 21 Billionen US-Dollar in diesem Bereich investiert werden, um Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Der einst als „langweilig“ geltende Sektor entwickelt sich zu einem äußerst dynamischen Investitionsbereich.
Dabei ist das Nachfragewachstum nur ein Aspekt. Das Energiesystem der Zukunft muss aus drei Gründen intelligenter werden:
- Erstens werden die Systeme künftig von Millionen Erzeugern gespeist werden – von einzelnen Dach-Photovoltaikanlagen bis hin zu riesigen Wind- und Solarparks.
- Zweitens müssen Netze und Stromspeicher besser verzahnt werden, um die Schwankungen der Solar- und Windenergieproduktion zu bewältigen.
- Drittens werden die Stromnetze bidirektional, da immer mehr Nutzer sowohl zu Verbrauchern als auch zu Erzeugern werden. Elektrofahrzeuge beispielsweise werden zu Pufferspeichern zur Stabilisierung des Stromnetzes und des Energiesystems: Sie laden sich automatisch auf, wenn der Strom billig ist, und speisen Strom ins Netz, wenn er teuer ist..
Investitionsmöglichkeiten durch die Modernisierung der Netze
Wir sind der Meinung, dass der weltweit erforderliche Ausbau der Netze Investitionsmöglichkeiten in vier Bereichen schafft.
Projektentwickler und Betreiber: In Märkten wie Großbritannien und Spanien können die integrierten Versorgungsunternehmen, die gleichzeitig Eigentümer und Betreiber von Stromnetzen sind, Anlegern die Aussicht auf beständige, regulierte und inflationsgebundene Renditen bieten. Die Einnahmen der Netzbetreiber dürften im Einklang mit dem langfristigen Wachstum des Stromverbrauchs steigen, da ein bestimmter Prozentsatz der Strompreise in der Regel an die Übertragungs- und Verteilungsanbieter geht.
Die Unternehmen bauen stetig Kapazitäten auf, um den steigenden Stromverbrauch zu bewältigen sowie die geografisch vielfältigere und schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu steuern.
Werkstoffe: Nach Schätzungen von BloombergNEF muss sich die Länge des weltweiten Stromnetzes bis 2050 auf 152 Millionen Kilometer verdoppeln, um die Netto-Null-Ziele zu erreichen.
Außerdem muss veraltete Netzinfrastruktur ersetzt werden: Zwei Fünftel der europäischen Netze sind mehr als 40 Jahre alt; das Durchschnittsalter großer US-Stromtransformatoren ist ähnlich hoch.
Regionale Netze werden entstehen, um Gebiete mit hohen Produktionskapazitäten für saubere Energie mit den Nachfragezentren zu verbinden. Entsprechend dürfte die Nachfrage nach Schlüsselkomponenten wie Umrichtern und Spannungssteuerungsanlagen steigen.
Intelligente Systeme: Mit der zunehmenden dezentralen Erzeugung und immer mehr „Prosumern“, die gleichzeitig Verbraucher und Produzenten sind, wächst der Bedarf an Systemen wie intelligenten Netzen, die mithilfe von Sensoren und dem Internet der Dinge Stromflüsse und Veränderungen bei Angebot und Nachfrage genau verfolgen.
Selbst in entwickelten Märkten sind massive Investitionen in intelligente Netze geplant. Bis zum Jahr 2030 will die Europäische Union 170 Milliarden Euro in die Netzdigitalisierung investieren. Das Umfeld für die Anbieter entsprechender Lösungen ist daher günstig.
Energiespeicherung: Die unregelmäßige Erzeugung von Solar- und Windenergie treibt die Investitionen in eine Reihe von Energiespeichertechnologien voran. Dazu gehören Lithium-Ionen-Batterien im industriellen Maßstab, Festkörperbatterien, Durchflussbatterien und etablierte Technologien wie Pumpspeicherkraft.
Zunehmend werden neue Wind- und Solarparks mit angeschlossener Batteriespeicherung errichtet. Batteriespeicher können zur CO2-armen Energieversorgung beitragen, indem sie überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien speichern und damit Angebot und -nachfrage ausgleichen.
Engpässe bei der Umstellung auf saubere Energie beseitigen
In vielen Märkten ist es inzwischen günstiger, erneuerbare Energien und Energiespeicher auszubauen als bestehende Kohlekraftwerke zu betreiben. Die Wettbewerbsfähigkeit regenerativer Energien, die breite Unterstützung durch die Politik, Marktanreize und technologische Verbesserungen werden wahrscheinlich zu einem raschen und anhaltenden Anstieg der Investitionen in die Netzinfrastruktur führen. Eine solche Dynamik schafft Chancen für Unternehmen – von Netzbetreibern bis hin zu Anbietern kritischer und neuer Technologien für die Branche.
