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Nur einer von vielen Aspekten in Sachen Nachhaltigkeit: Dürren können ganze Regionen und Industrien gefährden. | © Sven Lachmann / Pixabay

Nachhaltigkeit und ihre Risiken

Wenn die Anlagen plötzlich nur noch Ramsch sind

Dem Sog der Nachhaltigkeitsdebatte kann sich derzeit niemand entziehen. Sind gut geführte und profitable Unternehmen in der falschen Branche tätig, kann das direkte Auswirkungen auf ihr Geschäft haben. Und auf ihre Aktionäre dementsprechend. Eine Bank etwa muss sich fragen, ob sie Unternehmen aus als nicht nachhaltig angesehenen Branchen noch finanziert. Schließlich könnte es dazu kommen, dass das Unternehmen eben wegen seiner Zugehörigkeit etwa zur Kohleindustrie abgestraft wird und seine Kredite nicht mehr bedienen kann. Und das würde für die Bank ein Risiko bedeuten, das sie mit Sicherheit nicht oder nur begrenzt eingehen möchte.

Grundsätzlich erwachsen aus den für die Nachhaltigkeit oft herangezogenen ESG-Kriterien einige Risiken. Die Regulierung sieht dabei vor allem physische Risiken und solche, die sich aus dem Übergang in eine nachhaltige Wirtschaftsweise ergeben. So kann Extremwetter Versicherer viel Geld kosten oder auch Lieferketten unterbrechen. Dürren könnten die Landwirtschaft schädigen, Wassermangel könnte Kraftwerke ausfallen lassen und so weiter.

Risiken durch den Übergang zu einer CO2-optimierten Wirtschaft bestehen vor allem in politischen Eingriffen wie Steuererhöhungen oder Verboten. Wenn etwa Öl und Gas deutlich teurer werden, sind manche Industriezweige nicht mehr wirtschaftlich. Unternehmen werden sich sehr schnell umstellen müssen – oder verschwinden. Bauen würde sich nochmals stark verteuern, wenn neue Formen der Dämmung vorgeschrieben würden. Und ein – in Jahren umzusetzendes – Verbot etwa des Verbrennungsmotors würde eine ganze Branche von heute auf morgen zum Umbau zwingen.

All dies stellt große Risiken für Unternehmen und deren Aktionäre dar. Es ist aber zu managen, indem eine weitere Dimension von Daten in die Betrachtung einbezogen wird. Noch sind die ESG-Kriterien zwar sehr unterschiedlich, von einer einheitlichen Linie ist noch nichts zu sehen. Trotzdem lässt sich auch hier ein Mainstream der Nachhaltigkeit erkennen. Und in dem sollten die beobachteten Unternehmen mitschwimmen.

Was aber eine weitaus größere und schwerer zu managende Größe darstellt ist die öffentliche Meinung. Stimmungen entwickeln sich auch in diesem Umfeld sehr schnell und wer weiß, ob die wegen ihrer schnellen Produktion gelobten und an der Börse hofierten neuen Textilunternehmen etwa nicht irgendwann als umweltvernichtende Konsumbefeuerer angesehen und an der Börse gemieden werden. Als Vermögensverwalter ist es wichtig, sich der langfristigen Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen sicher zu sein. Hier ist es insofern wichtig, zukünftige Veränderungen beim Blick auf Nachhaltigkeit einzukalkulieren. Denn das größte Risiko wäre es, wenn die eigenen Anlagen sehr plötzlich nur noch Ramsch sind, weil sich die Stimmung dreht.

Über den Autor:
Uwe Zimmer ist Geschäftsführer von Fundamental Capital mit Sitz in Köln.

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