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Windpark in Brandenburg Foto: imago images / Jochen Eckel

EU-Taxonomie

Nachhaltigkeit vergleichbar machen

Eine stärkere Konzentration auf die Klimaneutralität ist ein wesentlicher Bestandteil auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft – und die Taxonomie der Europäischen Union (EU) könnte dabei helfen. Mit diesem Klassifizierungsinstrument lässt sich feststellen, welche Aktivitäten unter welchen Umständen nachhaltig sind. Damit kann sie auch eine wichtige Rolle bei der Risikoreduzierung in Portfolios spielen – indem Investitionen in immer weniger wettbewerbsfähige kohlenstoffintensive Unternehmen reduziert werden.

Was man über die Taxonomie wissen sollte:

Die Taxonomie ist eine Art lebendes Lexikon für nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten – Aktivitäten, die wesentlich zu mindestens einem der sechs Umweltziele der EU beitragen, andere Umweltschutzbestrebungen nicht signifikant gefährden und bestimmte soziale Standards erfüllen.

Die Grundlage bilden die Umweltziele der EU: Eindämmung des Klimawandels, Anpassung an den Klimawandel, Schutz der Wasser- und Meeresressourcen, Kontrolle und Verhinderung von Umweltverschmutzung, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme – und die jeweiligen dafür formulierten Zielvorgaben und Strategien der EU. Zum Beispiel möchte die Staatengemeinschaft ihre CO2-Emissionen bis 2030 um 50 bis 55 Prozent und bis 2050 auf Netto-Null reduzieren.

Die Definition nachhaltiger Aktivitäten trägt zur Klarheit darüber bei, welche Aktivitäten der ökologischen Nachhaltigkeit zuträglich sind und gefördert – sowie finanziert – werden sollten. Und andererseits, welche schädlich sind und angepasst oder eingestellt werden müssen – oder zumindest nicht unterstützt werden sollten. Beispielsweise dürfte die Definition der Stromerzeugung auf Basis fossiler Brennstoffe als nicht nachhaltig zur verstärkten Nutzung der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung beziehungsweise zu einem Ausstieg aus dieser Form der Energiegewinnung beitragen.

Durch die Definition nachhaltiger Aktivitäten fungiert die Taxonomie als „Brücke“ zwischen ökologischer und finanzieller Performance und kann für ökologisch orientierte Investoren ein Entscheidungsinstrument dafür sein, welche Unternehmen oder Projekte finanziert werden sollen. Aktivitäten, die sich an der Taxonomie ausrichten oder taxonomiekonform sind – also eine glaubwürdige Absicht haben, sich an ihr zu orientieren –, können mehr Finanzierung und damit ein stärkeres und beständigeres Wachstum erwarten.

Die Klassifikation auf der Grundlage der Taxonomie ist Teil eines breiteren Spektrums von Normen, Gütesiegeln, Richtlinien und Vorschriften, die nachhaltige Finanzen abdecken. Dazu gehören die nichtfinanzielle Berichterstattung, ein Standard für grüne Anleihen und ein Umweltzeichen.

Taxonomie ermöglicht einen fairen Vergleich

Auf Basis der Definition kann beurteilt werden, ob und inwieweit Unternehmen beziehungsweise ihre Aktivitäten taxonomiekonform sind. Ihre Umweltverträglichkeit lässt sich in Form einer prozentualen Punktzahl bewerten. Daran können sich wiederum Fondsmanager orientieren. Und als allgemeine Grundlage für die Fonds-Berichterstattung ermöglicht sie einen fairen Vergleich nachhaltiger Angebote.

Bei der Portfoliokonstruktion kann die Taxonomie für die Auswahl nachhaltiger Investments genutzt werden – das heißt von Unternehmen, die einen bestimmten Prozentsatz ihres Umsatzes mit taxonomienahem Geschäft erzielen oder einen gewissen Anteil für entsprechende Aktivitäten ausgeben, zum Beispiel in den Bereichen grüner Wasserstoff oder erneuerbare Energien.

Darüber hinaus führt die konsequente Verwendung von Taxonomie-Klassifikationen zu mehr Transparenz für Investoren. Sie wird Vermögensverwalter in die Lage versetzen, Fonds als nachweislich grün zu vermarkten – und Investoren ermöglichen, vertrauensvoll in Produkte zu investieren, die ihren ESG- oder grünen Präferenzen entsprechen.

Vergleichbare Daten bilden die Grundlage

Verbesserungsbedarf besteht bei der Datenlage: Es braucht verlässliche, qualitativ hochwertige und vergleichbare Daten, auf die sich die Bewertungen stützen können. Entwicklungspotenzial gibt es ebenfalls bei den Leitlinien für die Berichterstattung.

Die Entwicklung einer sozialen Taxonomie wird höchstwahrscheinlich auch auf der Tagesordnung stehen.

Gemeinsame Prinzipien und Methoden könnten zu einem echten internationalen Rahmen für eine nachhaltige Finanzwirtschaft führen – der schließlich zur Bestimmung der Bereiche beiträgt, in denen für die Schaffung einer ökologisch nachhaltigeren und integrativen Netto-Null-Emissionswirtschaft massive Investitionen notwendig sind.

Wichtige Informationen:

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge kann sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

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