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Smog in Peking: Das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Umweltschutz und dem Gemeinwohl ist gestiegen.   | © Getty Images

Nachhaltigkeit

Wie China seine Umweltprobleme lösen will

Oktober 2017: Die chinesische Regierung ordnet an, Fabriken und Kraftwerke in der Provinz Hebei, einem Industriestandort mit 90 Millionen Einwohnern, mehrere Monate lang zu schließen. Bis Mai 2018, so die Order, sollen fast 4.000 der mehr als 7.000 Unternehmen vor Ort ihre Produktion einstellen – weil sie die Luft über Hebei zu stark verpesten.

Januar 2018: Insgesamt 24 verschiedene Recyclingmaterialien dürfen ab sofort nicht mehr nach China eingeführt werden, darunter unsortierter Plastikmüll, alte Textilien und Altpapier. Der Müll sei zu dreckig und zu gefährlich, lässt die Regierung des Landes die Welthandelsorganisation WTO wissen.

Juli 2019: In Shanghai nimmt eine riesige Mülltrennungs- und Recyclingkampagne den Betrieb auf. Bisher landete aller Abfall in einer Tonne – fortan sind es vier: trockener und feuchter Restmüll, Gefahrstoffe und recyclingfähige Materialien werden künftig getrennt entsorgt. Mehr als 30.000 freiwillige Helfer erklären den Shanghaiern das neue Prinzip – und die Einwohner der Metropole machen begeistert mit, berichtet tagesschau.de.

Neue Lösungen für alte Probleme

Die Beispiele zeigen: China hat Umweltschutz und Nachhaltigkeit für sich entdeckt – und geht seine Umweltprobleme entschlossen an. Das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Umweltschutz und dem Gemeinwohl – national wie international – ist gestiegen.

Das Interesse Pekings an einer nachhaltigen Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Das Reich der Mitte hat in den zurückliegenden Jahren einen riesigen Entwicklungssprung gemacht und die Industrialisierung der westlichen Welt in rasendem Tempo nachvollzogen. Das hat Spuren hinterlassen. In Metropolen wie Peking herrscht täglich dicke Luft, dunkle Smogwolken hängen über den Städten. Die Grundwasserspiegel sinken, viele Flüsse sind verseucht, der Lebensraum für Tiere und Pflanzen schwindet. Im Jahr 2017 führte China der Plattform Global Carbon Atlas zufolge die Rangliste der weltweit größten Klimasünder an.

Boom auf Kosten der Umwelt

Auch die Globalisierung hat ihren Teil zu den Nachhaltigkeitsproblemen beigetragen, die es jetzt zu lösen gilt: Über Jahre hinweg errichteten viele westliche Unternehmen ihre Fabriken in China, um Produktionskosten zu sparen. Mittlerweile ist der Trend rückläufig. Aufgrund des Handelskonflikts mit den USA und gestiegener Lohnkosten wollen immer mehr Unternehmen ihre Produktion erneut verlagern. Chinesische Unternehmen wiederum fokussieren sich zunehmend auf Zukunftstechnologien wie Robotik und künstliche Intelligenz, forschen an technischen Innovationen, anstatt nur Produkte für den Konsumgütermarkt westlicher Industrieländer herzustellen. Die Umweltprobleme, die der Wirtschaftsboom der zurückliegenden Jahre verursacht hat, bleiben.

Noch. Denn die Chinesen sind entschlossen, ihre Umweltsituation zu verbessern und die Zukunft der chinesischen Wirtschaft grundlegend anders zu gestalten. Vor vier Jahren ließ sich die chinesische Regierung erstmals auf verbindliche Klimaschutzziele ein, ratifizierte das Pariser Klimaabkommen und will seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent senken. Der dreizehnte Fünf-Jahres-Plan der Volksrepublik sieht zudem vor, Chinas Wirtschaft von ihrem alten Wachstumsmodell auf einen nachhaltigeren Weg zu bringen. Dazu sollen nicht nur Umweltschutzmaßnahmen beitragen. China will seine Finanzmärkte weiter öffnen, die Armut im Land ausmerzen, Korruption und Unterschlagung beseitigen und neue Regeln für die Unternehmensführung etablieren. Auch der Markt für grüne Anleihen, sogenannte Green Bonds, wächst zusehends.

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